Spuren zu Terroristen in Deutschland, Österreich, Tschechien und Großbritannien
Terroristen aus dem El-Kaida-Umfeld sind in Deutschland aufgetaucht

In Deutschland sind zwei Terroristen aus dem Umfeld der Terror-Organisationen El Kaida und Al-Jihad untergetaucht. Dies geht aus Materialien des staatlichen ägyptischen Informationsdienstes SIS hervor. In Österreich lebt ein weiterer islamistischer Terrorist, dem Asylstatus gewährt wurde.

PRAG. Die Sprecherin der Generalsbundesanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Frauke-Katrin Scheuten, bestätigte dem Handelsblatt Ermittlungen in einem Fall. Ermittelt werde seit dem 23. Mai gegen Ussama Ali Saddiq Ayub "wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung". Die Ermittlungen dauerten an, so die Sprecherin.

Ayub - mit Spitznamen "Mansour Hassan" und Codenamen "Muntasser" - wurde in Kairo unter anderem als "im Ausland aktiver Terrorist" und wegen anderer Delikte zu schwerer Zwangsarbeit verurteilt. Nach ägyptischen Angaben gehört Ayub zu jenen Terroristen, die von El Kaida in Afghanistan ausgebildet wurden.

Die Behörden in Kairo sehen ihn als Bindeglied zu drei weiteren arabischen Ländern: dem Jemen, Jordanien und dem Sudan, wo er sich jeweils aufgehalten habe, bevor er nach Deutschland kam. Ayub sei darauf spezialisiert, Unterkunft und Logistik für militante Terroristen zu organisieren. In Deutschland hatte Ayub dagegen politisches Asyl beantragt und dieses zunächst erhalten.

Der zweite in Deutschland untergetauchte Terrorist heißt Abdel Akher Hammad. In Ägypten wurde er als Mitglied der Terror-Gruppierung "Heimkehrer aus Afghanistan" zum Tode verurteilt. In Deutschland dagegen, wo er 2000 erschien, erhielt er als politisch Verfolgter Asyl. Hammad war ägyptischen Angaben zufolge einer der ersten Mitglieder der islamistischen Al Gamaa Al-Islamiya. Auch er wurde in Afganistan ausgebildet und spezialisierte sich später auf islamische Indoktrination. Gegen ihn sei beim Generalbundesanwalt bisher kein Verfahren anhängig, so die Sprecherin gegenüber dem Handelsblatt.

Deutschland war nicht das einzige Ziel der in Ägypten verurteilten Terroristen, die zum Teil in enger Verbindung gestanden haben mit einem der nahesten Vertrauten des Terroris-ten Osama bin Laden: Dr. Ayman Rabi Al-Zawahiri. Al-Zawahiri ist Führer der verbotenen Terrororganisation Jihad und gehört zu einer 107-köpfigen Terror-Gruppe, den "Heimkehrern aus Albanien". Diese Gruppe war um 1998 nach Albanien entsandt worden. Ihre Basis flog aber im Sommer 1998 auf. 63 Mitglieder der Gruppe konnten fliehen und wurden im Frühjahr 1999 in Kairo nur "in Abwesenheit" zur Todes- oder schweren Haftstrafen verurteilt.

Aufträge: Einschleusen von Terroristen und Aufbau von Drogenkanälen

Von einem Großteil der Gruppe fehlt bisher jegliche Spur. Eine Wissenslücke, die vor allem Europa Sorge bereiten muss. Denn die arabischen "Albanien-Heimkehrer" sollten - an-ders als zuvor im Bosnien-Kieg - nicht mit moslemischen Albaniern gegen christliche Serben kämpfen. Geheimdienstquellen vermuten vielmehr, sie hätten von Albanien aus Europa ausgekundschaftet. Dabei sei es um das Einschleusen von Terroristen gegangen sowie um den Aufbau von Drogenkanälen für Heroin aus Afghanistan und um Waffenhandel.

Dass sich diese Mission nicht auf Albanien beschränkte, wird dadurch belegt, dass das Gruppenmitglied Al-Zawahiri sich ägyptischen Quellen zufolge einen Schweizer und einen französischen Pass auf den Namen "Amin Othman" zulegte sowie einen niederländischen Pass auf den Namen Sami Mahmoud El-Hifnawi. Für die gruppeninterne Kommunikation habe Zawahiri zudem die Decknamen Abu-Mohamed und Abu Fatima benutzt.

Einer der Gefolgsleute Al-Zawahiris schlug sich nach Österreich durch. Sein Name: Adel el-Sayyed Mohamed Abdel-Qoddous alias Ahmad Mohamed Ali Abdallah. Er gehörte vormals der terroristischen Gruppierung Al Fatah an, wechselte dann aber zu Zawahiris Terror-Gruppe Jihad. In Ägypten wurde er u.a. wegen eines versuchten Mordanschlags zum Tode verurteilt. Doch war er laut Behörden in Kairo auch zuständig für die "Koordinierung von Trainingslagern im Ausland". Zeitweise organisierte er Reisen von Terroristen zwischen Ägypten und Afghanistan. In Österreich wurde ihm indes - ähnlich wie in den deutschen Fällen - politisches Asyl gewährt. Dass er inzwischen das dortige Jihad-Büro leitet, veranlasste Kairo jüngst aber zu einer diplomatischen Intervention auf höchster Ebene, hieß es in Geheimdienstkreisen.

Bei der Infiltrierung Europas mit Agenten und Terroristen spielen drei Kanäle die Hauptrolle: Italien per Schiff, Großbritannien per Schiff und Flugzeug sowie Mitteleuropa, und dort vor allem Tschechien auf dem Landweg.

So warnt ein neuer, nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September verfasster Bericht des tschechischen Geheimdienstes BIS, dass "Gruppen der Mudjaheddin" (Afghanistan-Kämpfer) in Europa aktiv seien. Ihre Mitglieder zögen "entweder alleine oder in Gruppen" durch Europa. "Besonders gefährlich", so das BIS-Papier, "ist die Migration von Afghanen, Tschetschenen und Balkan-Soldaten, die mit neuen Identitäten versehen islamische Gemeinschaften in verschiedenen Ländern Europas radikalisieren könnten."

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