Squeeze-out geplant
BNP Paribas will Consors von der Börse nehmen

Die französische Großbank BNP Paribas will den einstigen Börsenliebling Consors vom Kurszettel streichen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir einen Squeeze-out anstreben und Consors von der Börse nehmen, falls wir im Zuge der Übernahmeofferte die Schwelle von 95 % der Aktien erreichen", sagte BNP-Vorstand Jean Clamon dem Handelsblatt.

FRANKFURT/M. BNP hatte im April 66% der Consors-Aktien von der angeschlagenen Schmidt-Bank übernommen. Anschließend lancierte BNP ein öffentliches Angebot über die restlichen Anteile für 12,4 Euro/Aktie. Bei Ablauf der ersten Angebotsfrist hielten die Franzosen 91,5 % an Consors. Für einen Squeeze-out, den zwangsweise Ausschluss der Minderheitsaktionäre, sind dem deutschen Übernahmegesetz zufolge aber 95 % erforderlich. Um diese Schwelle zu erreichen, wurde die Frist zur Annahme der Offerte bis zum 31. Juli verlängert. Mittlerweile halte BNP 92,4 % der Anteile, heißt es bei Consors.

Nach Ansicht von Analysten dürfte BNP bis zum Ablauf der Frist die fehlenden Aktien einsammeln. ABN Amro etwa hält das Angebot für attraktiv, weil die Aktien der übrigen Online-Broker in letzter Zeit massiv eingebrochen sind. Nach einem Squeeze-out hätten die Franzosen nicht nur den direkten Durchgriff auf Consors. Zugleich entfielen die mit der Börsennotierung verbundenen Kosten, etwa für die Aktienbetreuer am Neuen Markt und die öffentliche Hauptversammlung.

BNP will Consors mit dem eigenen Online-Arm Cortal verschmelzen und unter der neuen Marke CortalConsors führen. Mit 1,2 Millionen Kunden entsteht so einer der größten Online-Finanzdienstleister in Europa. Allerdings befindet sich die Branche in einer heiklen Phase. Die Umsätze im Wertpapierhandel brechen ein, weil die Anleger wegen der Börsenflaute weniger Aktien kaufen. Consors fuhr im ersten Halbjahr einen Verlust von 159 Mill. Euro ein.

Manche Analysten glauben sogar, dass das reine Online-Brokerage keine Zukunft mehr hat. Nach Ansicht Clamons könnte diese düstere Prognose aber allenfalls für reine Online-Wertpapierhändler zu treffen. Consors will jedoch unter dem Dach von CortalConsors die Strategie ändern. Ebenso wie Cortal in Frankreich werde sich Consors künftig verstärkt als Anbieter von Fonds und Sparprodukten etablieren, um die Abhängigkeit vom Aktienhandel zu verringern. Ebenfalls analog dem französischen Vorbild soll Consors nicht mehr nur auf das Internet setzen. "Wir müssen mehr in Richtung Multi-Kanal-Bank gehen", so Clamon. Das schließe "sowohl ein intensiveres Telefonbanking ein als auch den persönlichen Kundenkontakt, entweder über Finanzberater oder die Einführung von Investment-Shops".

Eine klare Absage erteilte der BNP-Vorstand allerdings der Idee, in Deutschland nach der Consors-Übernahme ein flächendeckendes Netz von BNP-Filialen aufzubauen. "Dies ist zu teuer und wäre ein Fehler." Sehr wohl aber wolle die Bank in bestimmten Nischen Fuß fassen, kündigte Clamon an: "Wir werden in speziellen Bankprodukten in Deutschland expandieren." Neben dem Leasing-Geschäft für Firmenkunden will BNP sieht er vor allem bei Verbraucherkrediten "großes Potenzial". Die Tochtergesellschaft Cetelem ist in Frankreich Marktführer auf diesem Gebiet und mittlerweile in 16 Ländern vertreten. Die deutsche Tochter Cetelem Bank gibt seit Anfang Juli in Kooperation mit der Dresdner Bank deren "Dresdner Revolving Credit Card" heraus, die dem Besitzer einen dauerhaften Kreditrahmen gewährt. Diese Form des Verbraucherkredits ist in erster Linie für einkommensschwächere Dresdner-Kunden gedacht, die keine normale Kreditkarte erhalten.

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