Squid AG macht Kardiographie schneller, genauer und belastungsfrei
Hochempfindliche Sensoren decken Erkrankungen des Herzens auf

Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten Leiden weltweit. Notwendige Untersuchungen kosten viel Zeit und Geld. Die Magnetokardiographie könnte den Patienten das Setzen eines Herzkatheters ersparen. Hoch genaue Sensoren messen die Funktion des Herzens über das Magnetfeld des Körpers.

HB ESSEN. Ein Verfahren, mit dem die Vitalität des Herzens berührungsfrei gemessen wird, hat die Squid AG in Essen entwickelt. Dabei messen hoch empfindliche Sensoren das natürliche Magnetfeld über dem Brustkorb des Patienten. Eine Herzdiagnostik mit einem Magnetokardiographen (MCG) sei eine Sache von Minuten, erklärt Fritz Steinberg, Vorstandsvorsitzender der Essener Firma.

Die Untersuchungen mit den superempfindlichen Squid-Sensoren (Squid: Superconductive Quantum Interference Device) seien genauer als herkömmliche Methoden. Die Patienten würden außerdem weder durch Strahlen noch durch Kontrastmittel belastet. Letztendlich würde auch das Risiko eines operativen Eingriffs durch das Setzen eines Herzkatheters vermieden.

"Bei 1,5 Millionen Bundesbürgern besteht jährlich der Verdacht auf einen Herzinfarkt, weil sie unklare Schmerzen in der Brust verspüren", berichtet der 49-jährige Mediziner. Doch nur bei rund 50 000 Patienten sei eine Krankenhausbehandlung tatsächlich notwendig. "So entstehen den Krankenkassen jährlich hohe Kosten für viele unnötige Krankenhausaufenthalte", macht der Chef des 1998 gegründeten Medizintechnik-Unternehmens das Einsparpotenzial deutlich.

Die Funktion der Herzaktivität wird abgebildet

Im Gegensatz zu der in der Diagnostik häufig verwendeten Kernspintomographie bildet der Magnetokardiograph nicht die Gestalt des Herzens oder der Arterien ab, sondern stellt die Funktion der Herzaktivität beispielsweise durch eine Ansammlung von Vektoren auf einem Computerbildschirm dar. Sind sie harmonisch angeordnet, ist der Patient gesund, während chaotische Abweichungen auf eine Herzerkrankung hindeuten.

Nerven- und Muskelzellen im Körper des Menschen erzeugen elektrische Ströme, die nach physikalischen Regeln von Magnetfeldern begleitet werden. Diese Magnetfelder sind allerdings so schwach, dass die Magnetokardiographie in der Vergangenheit nur in besonders abgeschirmten Räumen zum Einsatz kommen konnte. Dies hatte die seit den 60er-Jahren bekannte Methode so teuer werden lassen. Namhafte Medizintechnikhersteller hatten sich schließlich ganz aus diesem Anwendungsbereich zurückzogen. Das Gerät der Squid AG kommt nun ohne aufwendige Abschirmung aus. Störend wirkt sich nur die Nähe von Funktürmen oder stark befahrenen Straßen aus.

Impulse für die Technologie kamen aus dem GUS-Staaten

Unternehmensgründer Fritz Steinberg entdeckte die Anwendung dieser Technologie in den GUS-Staaten, entwickelte sie weiter und ließ sie durch Patente schützen. Einige der Spezialisten, die für diese Technik die Grundlagen schufen, arbeiten heute für den Essener Hersteller. Sie wollen die Technologie so weit entwickeln, dass beispielsweise künftig "Gehirn-Scanner" Anzeichen von Demenz oder Multipler Sklerose (MS) bereits im Frühstadium erkennen können.

Das Verfahren wird zurzeit an sieben Universitätskliniken in Deutschland getestet. Die wissenschaftliche Studie untersucht die medizinische Aussagekraft der Messungen mit dem Magnetokardiographen. Der Direktor der Klinik für angeborene Herzfehler im Herzzentrum Oeynhausen, Prof. Hans Meyer, der an der wissenschaftlichen Studie beteiligt ist, hat "die begründete Hoffnung, dass dieses Verfahren bald klinisch aussagefähig wird". Man sei aber noch nicht so weit, dass das MCG den Herzkatheter ersetzen könne. In China hingegen werden die Geräte schon in drei Kliniken genutzt.

Dazu gehört das Fu Wai Hospital in Peking - die größte Kardiologie der Welt. Rund 30 weitere MCG-Systeme sollen bis Ende 2002 folgen. Der Joint-Venture-Partner in Korea hat die Bestellungen nach Unternehmensangaben vor einigen Wochen gar von zunächst 30 auf 90 Systeme erweitert. Um den Vorsprung vor seinen Mitbewerbern - großen Konzernen wie Siemens, General Electric oder Toshiba - zu nutzen, soll das Unternehmen weltweit schnell wachsen. Bis 2005 will Steinberg den Umsatz von derzeit 7 Mill. Euro in den dreistelligen Bereich treiben.

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