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Sri Lankas Ministerpräsidentin 84-jährig zurückgetreten

Reuters COLOMBO In Sri Lanka ist am Donnerstag Ministerpräsidentin Sirimavo Bandaranaike zurückgetreten. Die 84-Jährige, die als erste Frau der Welt 1960 Ministerpräsidentin eines Landes wurde, begründete den Rücktritt mit ihrer seit Jahren angeschlagenen Gesundheit. Als ihr Nachfolger wurde Innenminister Ratnasiri Wickremanayake vereidigt. Der 67-Jährige frühere Vorsitzende der Freiheitspartei gilt als Verfechter der Interessen der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit und hat sich für einen harten Kurs gegen tamilische Separatisten eingesetzt. Bandaranaikes Tochter Chandrika Kumaratunga steht seit 1994 als Präsidentin der Regierung des Landes vor.

Bandaranaike teilte in einem Schreiben an Kumaratunga mit, ihre Gesundheit erlaube ihr nicht, sich aktiv an Regierungs- oder Parteiaufgaben zu beteiligen. Sie wolle einem Nachfolger Platz machen, der die regierende Volksallianz erfolgreich durch die bevorstehenden Wahlen führen könne. Am 24. August endet die sechsjährige Legislaturperiode des Parlaments. In den vergangenen Tagen war spekuliert worden, dass Kumaratunga das Parlament vorzeitig auflösen wolle. Zudem wurde mit einer Kabinettsumbildung gerechnet. Kumaratunga war im Parlament mit dem Entwurf einer Verfassungsänderung gescheitert, der der tamilischen Minderheit größere Autonomie zugesprochen hätte. Wegen offensichtlich fehlender Erfolgsaussichten hatte sie den Entwurf in letzter Minute zurück gezogen. Tamilische Extremisten kämpfen seit 1983 für einen Tamilenstaat im Norden und Osten der Insel. Mehr als 60.000 Menschen kamen in dem Konflikt ums Leben.

Bandaranaike ist seit Jahren gesundheitlich angeschlagen und auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie entstammt einer wohlhabenden Familie. Im Juli 1960 trat sie als Ministerpräsidentin die Nachfolge ihres Mannes Solomon an, der von einem buddhistischen Mönch erschossen wurde. Bandaranaike übernahm den Vorsitz der Freiheitspartei, die sie fast vier Jahrzehnte durch Wahlsiege und Niederlagen führte. Drei mal war sie Ministerpräsidentin Sri Lankas. Seit einer Verfassungsänderung 1977 beinhaltet das Amt nur noch repräsentative Aufgaben, während die Regierungsgewalt beim Präsidenten liegt.

Der neue Ministerpräsident Wickremanayake ist Anwalt und blickt auf 41 Jahre politische Erfahrung zurück. Er war Vorsitzender der Freiheitspartei, der wichtigsten Stütze der regierenden Volksallianz Kuramatungas. Wickremanayake setzt sich zwar für eine politische Lösung der Minderheitenprobleme Sri Lankas ein. Zugleich hat er aber bekräftigt, dass die tamilischen Extremisten der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) militärisch bezwungen werden müssten. Mit Wickremanayake könnte Kumaratunga bei der Parlamentswahl Pluspunkte für ihre Volksallianz bei den einflussreichen Mönchen sammeln. Die Mönche lehnen eine größere Autonomie für die Tamilen ab, weil diese zu einer Teilung des Landes führen würde.

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