Staat unter Beobachtung
Schleichend nistet sich die Krise in Ungarn ein

Das Vertrauen in die einstige Vorzeigewirtschaft Ungarn ist verloren gegangen. Eine hohe Auslandsverschuldung und eine unter Druck geratene Währung haben dazu geführt, dass die wichtigsten Ratingagenturen den Staat an der Donau unter Beobachtung genommen haben. Wie sich Ungarn aus der schwierigen Lage befreien will.

BUDAPEST. In der kleinen Wechselstube am Budapester Hauptbahnhof hängt ein Schild: „Es tut uns sehr leid, aber heute können wir kein Geld tauschen.“ Eine dunkle Vorahnung dessen, was bald auf Ungarn zukommen könnte? Die Frau am Schalter gibt den Touristen immerhin einen Hinweis. „Gehen Sie in die Stadt. Dort können Sie auf jeden Fall wechseln. Bei uns sind heute nur etliche Kollegen ausgefallen“, sagt sie. So richtig überzeugend klingt das nicht.

Sándor Szalai, Chef des Verbandes ungarischer Investmentfonds, mag nicht glauben, dass es bei allen Wechselstuben Probleme gibt. Aber immerhin hat er in den vergangenen Tagen auch das Gerücht gehört, dass US-Dollars hier und da knapp geworden seien. Aber mehr als ein Gerücht ist es bislang nicht gewesen.

Ungarn ist in der vergangenen Woche ins Blickfeld der weltweiten Öffentlichkeit gerückt. An der Budapester Börse sind die Kurse noch viel stärker abgestürzt als andernorts in Europa, der Landeswährung Forint droht eine massive Abwertung und der Handel mit ungarischen Staatsanleihen war zumindest tageweise fast eingestellt. Das Vertrauen in Ungarn ist verloren gegangen, obwohl das kleine Land noch vor wenigen Jahren die Vorzeige-Volkswirtschaft unter den osteuropäischen Staaten war. Die Zeiten fast zweistelligen Wachstums sind vorüber. Vorläufiger Höhepunkt einer traurigen Woche: Die wichtigsten Rating-Agenturen haben den Zehn-Millionen-Staat an der Donau unter besondere Beobachtung genommen.

In der Finanzwelt in Budapest ist inzwischen jedem klar, dass Ungarn zwangsläufig mit Island in einen Topf geworfen wird. Auch wenn Island vor allem wegen seines massiv aufgeblähten Bankensystems in die Schieflage geraten ist, gibt es eine wichtige Parallele zu Ungarn: In Relation zum Bruttosozialprodukt ist die Auslandsverschuldung in dem osteuropäischen Staat fast so hoch wie in dem viel kleineren Land in Skandinavien. Das ist ein Faktor, der von Investoren vor allem aus dem westlichen Ausland in Krisenzeiten sehr genau gesehen wird. „Und dann ist es natürlich klar, dass der Forint schnell unter Druck gerät“, sagt Krisztián Szabados, der in Budapest vor allem Banken und Finanzdienstleister berät.

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