Staat will die Besitzverhältnisse im Bergbau zu Gunsten schwarzer Anteilseigner verändern
Südafrikas Politik schockt Goldminen-Aktionäre

Seit zwei Monaten befindet sich die Johannesburger Börse (JSE) ohne Unterbrechung auf Talfahrt - und wenig deutet angesichts des trüben globalen Umfelds auf eine rasche Trendwende hin. Während der JSE-Gesamtindex in den letzten beiden Wochen weitere 10 % nachgab, konnte der Goldindex mit der Erholung des Goldpreises geringfügig zulegen.

HB KAPSTADT. Nach dem herben Rückschlag von rund 3800 auf 2200 Punkte scheint der Gold-Index nun einen Boden zu finden. Der jüngste Preisanstieg des Goldes auf über 310 Dollar hat den Index wieder auf über 2600 Punkte anziehen lassen. Am Donnerstag hielt er sich bei über 2560 Zählern.

Für tiefe Sorgenfalten sorgt jedoch in Kreisen der südafrikanischen Minenindustrie ein erster Entwurf der Regierung über die künftigen Besitzverhältnisse im Bergbau des Landes. Die Aktien des Minenhauses Anglo American und seiner Platintochter Angloplat fielen bereits nach Bekanntwerden des (angeblich inoffiziellen) Entwurfs vor zwei Wochen schlagartig um mehr als 10 %. Seither haben die Aktien weitere 10 % eingebüßt. Aber auch alle anderen Minenfirmen wie Implats, der zweitgrößte Platinproduzent der Welt, das Bergbauhaus Billiton und der Eisenerzproduzent Kumba verloren in gleichem Maße.

Nach dem Entwurf soll innerhalb von zehn Jahren ein Anteil von 30 % der bestehenden südafrikanischen Minen in die Hände schwarzer Aktionäre wandern. Auch sollen von Schwarzen geführte Unternehmen zu diesem Zeitpunkt zu 51 % an allen neu eröffneten Gruben beteiligt sein. Unklar ist jedoch, wie eine solch massive Neuordnung des Minensektors finanziert werden soll.

Die Regierung selbst hüllt sich dazu in Schweigen. Allerdings wird Präsident Thabo Mbeki die Führungsspitze von Anglo American und seiner Tochterfirma, dem Diamantenkonzern De Beers, am kommenden Mittwoch zu Gesprächen empfangen. Der scheidende Anglo-Vorsitzende Julian Ogilvie Thompson hatte letzte Woche an Mbeki geschrieben und um ein solches Treffen gebeten, da die Unsicherheit über den geplanten Umbau des Minensektors den Titeln der Bergbaufirmen großen Schaden zufügt.

Die Minenwerte hatten bereits an dem Tag, an dem der neue Entwurf durchsickerte, fast 50 Mrd. Rand (5 Mrd. Euro) an Wert verloren. Zwar haben sie sich inzwischen etwas erholt, doch hängt die Minencharta wie ein Damoklesschwert über der Industrie. Obwohl Anglo American vor drei Jahren seinen Hauptsitz von Johannesburg nach London verlegte, generiert das Minenhaus noch immer rund 65 % seiner Einkünfte durch in Südafrika angesiedelte Minen.

Im Gegensatz zu den Bergbauhäusern konnten die Goldproduzenten ihren Abwärtstrend mit ausgezeichneten Quartalsergebnissen kurzzeitig zu stoppen. Gold Fields, die Nummer zwei im Goldsektor am Kap, hat allein im zweiten Quartal Halbjahr fast 4 Mrd. Rand durch Goldverkäufe umgesetzt. Gleichzeitig stieg der Gewinn des Unternehmens im Berichtszeitraum um 12 % auf 1,18 Mrd. Rand. Auch Harmony, die Nummer drei am Kap, konnte seine Profite im zweiten Quartal um 8 % auf 664 Mill. Rand steigern. Gleichzeitig erhöhte die Gesellschaft ihre Produktion um 17 %.

Anglo American

erregte am vergangenen Dienstag durch eine andere Offensive öffentliches Aufsehen. Die Gesellschaft gab offiziell bekannt, alle an Aids erkrankten Angestellten auf Firmenkosten mit anti-retroviralen Medikamenten zu behandeln. Zusammen mit der Südafrika-Tochter von Daimler-Chrysler gehört das Unternehmen damit zu den wenigen Firmen im Land, die eine offensive Aids-Strategie verfolgen. Bereits zuvor hatte Anglo Americans Goldtocher Anglogold mitgeteilt, dass insgesamt 28 % seiner 44 000 Minenarbeiter mit HIV-Aids infiziert seien und eine adäquate Behandlung der Belegschaft die Produktionskosten für eine Unze um 4 bis 6 $ oder rund 2 % anheben würde.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%