Staaten Amerikas wollen Freihandelszone bis spätestens Dezember 2005
Amerika-Gipfel von Ausschreitungen überschattet

Überschattet von gewalttätigen Protesten haben die Staats- und Regierungschefs von 34 amerikanischen Staaten beschlossen, ihre geplante Freihandelszone von Alaska bis Feuerland bis spätestens Dezember 2005 zu schaffen und nur für Demokratien zu öffnen.

dpa QUEBEC. In der Abschlusserklärung des 3. Amerika-Gipfels in der kanadischen Stadt Quebec vereinbarten die Spitzenpolitiker am Sonntag, die Verhandlungen spätestens Januar 2005 abzuschließen und die Verträge dann den Parlamenten zur Ratifizierung vorzulegen.

Abgeschirmt von einem drei Meter hohen Sicherheitszaun bekräftigten die Spitzenpolitiker auch ihre Entschlossenheit, den gemeinsamen Kampf gegen den Rauschgiftschmuggel fortzusetzen und die demokratische Entwicklung des Kontinents zu stärken. Der vierte Amerika-Gipfel soll - wahrscheinlich 2003 - in Argentien stattfinden.

Während der dreitägigen Konferenz waren Globalisierungsgegner und Polizei wiederholt aneinander geraten. Am Samstag kam es am Rande einer friedlichen Großdemonstration erneut zu Ausschreitungen. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei in der Nähe des Konferenzortes wurden 90 Menschen verletzt, einige davon schwer. Wie die kanadische Polizei mitteilte, waren unter den Verletzten 34 Polizeibeamte. Seit Freitag seien 403 Demonstranten festgenommen worden, davon allein 250 in der Nacht zum Sonntag.

Chretien bezeichnet den Gipfel als Erfolg

Mehrere tausend Demonstranten lieferten sich am Sicherheitszaun um den Konferenzort mit der Polizei Straßenschlachten. Sie warfen Molotow-Cocktails und Steine auf die Beamten und versuchten, erneut einen Teil des Zauns niederzureißen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Bei der größten Polizeiaktion der kanadischen Geschichte waren insgesamt 6 000 Beamte im Einsatz.

Der gastgebende kanadische Premierminister Jean Chretien bezeichnete den Gipfel trotz der Proteste als Erfolg. Bei einer Pressekonferenz lobte er am Samstagabend die Polizei für ihre "angemessene Zurückhaltung". Für die Krawalle machte er Extremisten verantwortlich. Zugleich begrüßte er die friedliche Demonstration von Globalisierungsgegnern. Etwa 25 000 Menschen hatten zum Abschluss des alternativen "Gipfels der Völker" in Quebec demonstriert.

Nach Ansicht der Globalisierungsgegner bringt die Freihandelszone Nachteile im Umweltschutz und für Arbeitnehmer. US-Präsident George W. Bush versprach den Kritikern, dass die Verhandlungen "mit einer starken Verpflichtung zum Schutz unserer Umwelt und verbesserten Arbeitsstandards" geführt werden sollten. In der Abschlusserklärung unterstützten die Staatschefs "die fundamentalen Arbeitsnormen, die von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) anerkannt sind".

Chavez äußert sich reserviert

Umfang und Zeitplan der Freihandelszone sind auch unter den lateinamerikanischen Regierungen nicht unumstritten. Nach den Worten des brasilianischen Präsidenten Fernando Henrique Cardoso hat der südamerikanische Zusammenschluss Mercosur für sein Land "absolute Priorität". Er stellte sich gegen den Vorstoß der USA und Chiles, die Freihandelszone schon bis 2003 zu verwirklichen. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez äußerte sich reserviert über das Zieldatum Ende 2005, weil die Zeit für die Ratifizierung knapp sei.

Die angestrebte größte Freihandelszone der Welt (Free Trade Area of the Americas /FTAA) soll alle Länder in der Karibik, Nord-, Süd- und Mittelamerika mit Ausnahme des kommunistischen Kubas einschließen. In dem Gebiet werden jährlich Dienstleistungen im Wert von 11,5 Billionen $ produziert.

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