Staatenbund mit autonomen Republiken im Gespräch
Montenegro strebt weiter nach Unabhängigkeit

Die Regierung in Montenegro strebt weiter die Unabhängigkeit an. "Das Volk will frei sein", sagte der stellvertretende montenegrinische Ministerpräsident Dragisa Burzan einer Wiener Tageszeitung. Das Interview wurde einen Tag nach dem Treffen des jugoslawischen Staatspräsidenten Vojislav Kostunica mit dem montenegrinischen Präsidenten Milo Djukanovic veröffentlicht. Djukanovic hatte am Dienstag eine Beteiligung an der jugoslawischen Bundesregierung abgelehnt.

ap BELGRAD/WIEN. Gleichzeitig erklärte Djukanovic, er begrüße den Machtwechsel in Belgrad und sei bereit, weitere Gespräche über die künftigen Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro zu führen. Die montenegrinische Regierung betrachtet die Wahlen vom 24. September als ungültig. Montenegro bildet zusammen mit dem größeren Serbien die Bundesrepublik Jugoslawien.

"Das sozialistische Jugoslawien hat 1991 aufgehört zu existieren", sagte Dragisa Burzan. Seitdem habe es sich bei Jugoslawien um den Staat von Slobodan Milosevic gehandelt. Wenn Montenegro nun mit Kostunica verhandle, bedeute das nicht, dass die Regierung der Republik das Ziel der Unabhängigkeit aufgegeben habe. "Montenegro hat das Recht, über seine eigene Zukunft zu bestimmen", zitierte "Die Presse" den stellvertretenden Ministerpräsidenten.

Nach Auskunft von Kostunicas Berater Zoran Djindjic gibt es bereits provisorische Pläne zum künftigen Verhältnis der beiden jugoslawischen Republiken. Sie könnten unter dem Namen "Serbien und Montenegro" als weitgehend autonome Republiken in einer Art Staatenbund eine gemeinsame Währung beibehalten, ebenso wie eine gemeinsame Armee, sagte Djindjic in einem Fernsehinterview am Dienstagabend.

Kostunica zeigte sich gelassen

Kostunica selbst nahm Djukanovics Absage an eine gemeinsame Bundesregierung am Dienstag gelassen. "Allein die Tatsache, dass ich nach Montenegro gekommen bin, um den montenegrinischen Präsidenten und Ministerpräsidenten zu besuchen, spricht für sich", sagte der neue jugoslawische Staatschef.

Kostunicas Parteienbündnis, die Demokratische Opposition Serbiens (DOS), hat im jugoslawischen Parlament keine Mehrheit. Die DOS ist daher bei der Regierungsbildung auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen. Die jugoslawische Verfassung schreibt vor, dass der Ministerpräsident aus Montenegro kommen muss, da Kostunica Serbe ist.

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