Staats- und Unternehmensbonds entwickeln sich schlechter
Pfandbriefe übertreffen andere Anleihen

"Langweilig" ist das Attribut, das Pfandbriefen oft immer noch zugeschrieben wird. Doch damit sind die Pfandbriefe zu Unrecht verschrieen. Investoren, die Anfang des Jahres Pfandbriefe gekauft haben, können sich sogar richtig freuen. Entsprechende Indizes von Reuters zeigen, dass sie Staats- und Unternehmensanleihen bislang geschlagen haben.

FRANKFURT/M. "In den Indizes werden die anteiligen Zinszahlungen und die Kursentwicklung seit Jahresanfang berechnet", erklärt Annegret Hasler, Rentenanalystin bei Commerzbank Securities. Unter diesen Performance-Indizes hat der Index für Pfandbriefe ("Pfandtop") von Januar bis Mitte Oktober 6,15 % zugelegt. Der Performance-Index für Staatsanleihen ("Govtop") stieg dagegen nur um 5,22 %, der für in Euro ausgebene Unternehmensanleihen ("Corptop") um 4,78 %.

Bis zu den Terroranschlägen gegen die USA lagen die Unternehmensanleihen vor den Pfandbriefen. Die unsichere politische und wirtschaftliche Lage nach den Attacken belastete jedoch nicht nur die Aktien, sondern auch Unternehmensbonds. Vor allem Unternehmensanleihen, deren Kreditwürdigkeit von den Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody?s nicht mit mindestens Doppel-A und somit als hoch bewertet wird, verloren deutlich.

Als besonders sichere und meist mit dem Spitzen-Rating Dreifach-A bewertete Papiere wie Staatsanleihen und Pfandbriefe profitierten als sichere Häfen dagegen von der Krise. Pfandbriefe überholten dabei Staatsanleihen, da sie im vergangenen Jahr deutlich schlechter abgeschnitten hatten als diese und sich dementsprechend erholten. So verringerten sich die Renditeaufschläge Pfandbriefen zu Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren in diesem Jahr von 0,60 auf 0,40 Prozentpunkte, entsprechend stiegen die Kurse. "Diese Rally ist gelaufen", so Hasler. Bis Jahresende erwartet sie wie andere Experten aber nur noch eine leichte Verringerung der Renditeaufschläge.

Dennoch könnten "auch am Jahresende Pfandbriefe insgesamt die beste Perfomance aufweisen", meint Jörg Birkmeyer, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Bis Anfang oder Mitte nächsten Jahres rechnen Volkswirte allerdings mit einer sich wieder etwas erholenden Konjunktur, was die Kurse von sicheren Anleihen wieder etwas sinken lassen könnte. "Anleger, die jetzt Pfandbriefe kaufen und diese mindestens ein Jahr halten wollen, sollten deshalb kurz- bis mittelfristige Laufzeiten von zwei bis fünf Jahren wählen", sagt Kirsten Werner, Rentenanalystin bei der Anlagestrategie für Privatkunden bei der Deutschen Bank. Der Grund: Längere Laufzeiten werden bei einer Konjunkturerholung stärker unter Druck geraten als kürzer laufende Papiere. Außerdem ist der Anlagehorizont überschaubarer. Einen attraktiven Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen werden Pfandbriefe zudem immer bieten. Deshalb sind die Papiere für Anleger, die auf Sicherheit setzen und dennoch einen Renditevorteil einstreichen wollen so attraktiv. Zur Absicherung des Portfolios sollten Pfandbriefe in keinem Depot fehlen, sind sich Anlageexperten einig.

Liquidität ist wichtiger als ein kleiner Renditeaufschlag

Bei der Auswahl sollten Anleger darauf achten, dass die Pfandbriefe liquide sind, so dass sie bei Bedarf jederzeit ohne Schwierigkeiten verkauft werden können. Da empfehlen sich Jumbo-Pfandbriefe, die in einem Volumen von mindestens 1 Mrd. ausgegeben werden. Weniger liquide Pfandbriefe bieten zwar einen kleinen Renditeaufschlag gegenüber den Jumbos, doch Werner von der Deutschen Bank hält die Liquidität für wichtiger.

Für Anleger, die zudem Steuervorteile nutzen wollen, ist es sinnvoll, auf einen niedrigen Ausgabekurs zu achten. Denn Kursgewinne sind steuerfrei, wenn die Papiere mindestens ein Jahr im Depot gehalten werden. Wer die Papiere bis zur Endfälligkeit hält, hat den Kursgewinn sicher, denn Anleihen werden prinzipiell zum Nennwert von 100 % zurückgezahlt.

Einen etwas höheren Renditeaufschlag als Pfandbriefe und Jumbo- Pfandbriefe aus Deutschland bieten mit Hypotheken oder Krediten an die öffentliche Hand gedeckte Papiere aus Spanien und Luxemburg. Diese Titel fließen ebenfalls in den "Pfandtop"-Index ein, genauso wie entsprechende französische Pfandbriefe. Die französischen Obligations Foncières handeln jedoch in etwa auf dem Niveau von Jumbo-Pfandbriefen. Cédulas Hipotecarias aus Spanien und Lettres de Gages aus Luxemburg bieten durchschnittliche Renditeaufschläge von bis zu 0,04 bzw. 0,08 Prozentpunkten über Jumbos. "Die Bonität dieser Papiere ist meist ebenfalls sehr gut, doch die rechtliche Ausgestaltung ist eine andere als bei den deutschen Pfandbriefen", erklärt Birkmeyer. Investoren, die genau wissen wollen, was sie im Depot haben, sollten deshalb eher zu den Papieren greifen, die sie kennen.

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