Staatsanleihen gefragt
Verunsicherung am Markt für Hochzinsanleihen

Der Spezialist für Glasverpackungen Gerresheimer Glas hat die Emission seines 150 Mill. Euro-Bonds verschoben. "Es war der falsche Zeitpunkt, die Marktbedingungen sind momentan nicht günstig", hieß es in Bankenkreisen.

FRANKFURT/M. Die Hochzins-Anleihe sollte eine Laufzeit von neun Jahren haben, Marktteilnehmer hatten mit einem Kupon in Höhe von 10,5 bis 10,75 % gerechnet. Die federführenden Konsortialbanken bei der Emission sind die US-Banken JP Morgan und Goldman Sachs. Die Verschiebung zeigt die wachsende Nervosität im Markt für Hochzins-Anleihen, den sogenannten "Schrott-Anleihen" ("Junk Bonds". Laut der Ratingagentur Fitch sind in der ersten Hälfte diesen Jahres in diesem Markt bereits 19 Emittenten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen - das sind mehr als im gesamten Jahr 2001. Europäische Emittenten hatten laut Fitch in den ersten sechs Monaten diesen Jahres eine Ausfallquote von 20,9 %.

Am Freitag begrüßte die Familie der "Junk-Bond"-Emittenten derweil ein neues Mitglied: Die Ratingagentur Moody?s senkte die Einstufung der langfristigen Verbindlichkeiten des schwedischen Telekomausrüsters Ericsson auf "Ba1" von "Baa3". Zur Begründung verwies Moody's auf die stark sinkenden Investitionen der Mobilfunkbetreiber in Ausrüstungen für die gegenwärtigen Mobilfunkstandards. Dies spiegele sich im schwachen Auftragseingang bei Ericsson im zweiten Quartal diesen Jahres wider. Ericsson-Anleihen gaben im Handel stark nach. Der Kurs des im Mai 2006 fälligen Ericsson-Papiers fiel im Laufe des Tages steil von 78 auf 69 %, es rentiert nun mit 19,66 %. Eine Woche zuvor hatte der Kurs der Anleihe noch bei fast 87 % gelegen.

Ebenfalls herabgestuft, allerdings von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), wurde am Freitag das Rating für langfristige Verbindlichkeiten des französischen IT-Consultingunternehmens Cap Gemini. Es sank auf "BBB+" von zuvor "A-", der Ausblick ist stabil. Die Abstufung spiegele die schwächere Profitabilität und die andauernden Restrukturierungskosten im IT-Consulting-Umfeld wider, schrieb S&P.

Aufwärts ging es hingegen für die Bonitäts-Bewertung der Langfrist-Verbindlichkeiten von Russland - S&P hat sie auf "BB-" von zuvor "B+" erhöht. Damit belohnt die Agentur die verbesserte Schuldenpolitik und die Haushaltsdisziplin des Landes. Unterdessen gab der russische Vize-Finanzminister Sergej Kolotukhin bekannt, die Emission des für dieses Jahr geplanten 2 Mrd. Dollar-Eurobonds werde "höchst wahrscheinlich" abgesagt. Die russischen Auslandsschulden sollten von aktuell 120 Mrd. Dollar bis Ende des Jahres auf 116 bis 117 Mrd. Dollar sinken. Die spanische Bank BBVA plant hingegen die Emission einer neuen Benchmark-Cedula Hipotecaria. Die Roadshow für den spanischen Pfandbrief soll im frühen September beginnen.

An den Rentenmärkten waren Staatsanleihen sowie die Papiere von quasi-staatlichen Emittenten wie der Kreditanstalt für Wiederaufbau gefragt. "Die Investoren flüchten weiter in sichere Titel", sagte Hermann Knaack, der bei der Hamburgischen Landesbank institutionelle Investoren betreut. Im Vergleich zu den Vortagen sei es am Freitag "ziemlich ruhig" gewesen. Der Terminkontrakt Bund-Future schwankte zwischen Kursen von 109,24 % und 109,72 % und schloss bei 109,43 %. Damit legte er gegenüber dem Vortag um 23 Basispunkte zu. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel bis Handelsende auf 4,72 % nach zuvor 4,74 %. In den USA zeigte sich die Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen mit 4,39 % gegenüber dem Vortag fast unverändert und liegt damit weiter auf dem Niveau eines Acht-Monats-Tiefs. "In der neuen Woche beherrscht das Geschehen an den Aktienmärkten weiter die Rentenmärkte", sagte Knaack. Das wichtigste Thema sei die Gefahr weiterer Bilanzmanipulationen von US-Unternehmen. Knaack erwartet, dass sich die Rentenmärkte auf dem derzeit hohen Niveau seitwärts bewegen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%