Staatsanwalt fordert mehrjährige Haftstrafen
Prozess: Anschlag auf Braunschweiger Moschee

Im Braunschweiger Prozess gegen sieben junge Rechtsradikale hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag Haftstrafen von bis zu acht Jahren sowie Bewährungsstrafen gefordert.

HB/dpa BRAUNSCHWEIG. Die Angeklagten hatten gestanden, im November 2002 insgesamt 16 Molotow-Cocktails auf eine bewohnte Moschee in Wolfenbüttel geworfen zu haben. Als Motiv gaben die 16- bis 22-Jährigen Ausländerhass an. Sie sind wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung angeklagt. Das Urteil soll am Mittwoch gesprochen werden.

Nach Auffassung des Staatsanwalts handelten die Täter aus niederen Beweggründen. Die Tat zeige eine seltene Intensität an Ausländerfeindlichkeit und eine hohe kriminelle Energie. Auch wenn bei dem Anschlag niemand verletzt worden sei, hätten die Angeklagten den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen. Im Obergeschoss des Gebäudes lebte der Vorbeter mit seiner Familie.

Die Verteidigung plädierte auf Bewährungsstrafen oder Freispruch. Ihre Mandanten hätten von den Hausbewohnern nichts gewusst. Somit sei der Vorwurf des versuchten Mordes nicht haltbar.

Die Angeklagten bedauerten in ihrem Schlusswort die Tat. Am Tatabend hatten sie sich zu einem Trinkgelage getroffen. Stark angetrunken hatten sie Bierflaschen mit Terpentin und Frostschutzmittel gefüllt. Die der rechten Szene nahe stehenden jungen Männer hatten ausgesagt, dass die Moschee abbrennen sollte. Nachdem beim ersten Versuch nichts geschah, zogen vier der sieben Rechten noch zwei weitere Male mit ihren Molotow-Cocktails vor das Gotteshaus.

Die höchste Strafe mit acht Jahren Haft forderte die Anklage für einen 22-Jährigen, für den das Erwachsenenstrafrecht gilt. Für vier Angeklagte hielt der Staatsanwalt Freiheitsstrafen von zweieinhalb Jahren bis vier Jahren und neun Monaten nach Jugendstrafrecht für angemessen. Für zwei Jugendliche forderte er Bewährungsstrafen. Die Anklage wegen Beihilfe gegen eine 20 Jahre alte Frau wurde von dem Verfahren abgetrennt, über sie soll noch ein psychologisches Gutachten eingeholt werden.

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