Staatsanwalt weitet Vorwurf falscher Bewertung aus
Bilanzexperten stützen Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom AG wehrt sich gegen neue Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Bonn wegen falscher Bilanzierung. Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sagte dem Handelsblatt, er könne sich die Vorwürfe nicht erklären. Bislang habe man die Telekom von staatsanwaltlicher Seite her nicht näher informiert. Die Ermittlungen gegen den Konzern wurden über die bereits bestehenden Vorwürfe falscher Immobilienbewertung hinaus ausgeweitet.

HB DÜSSELDORF. Nunmehr werde dem Anfangsverdacht nachgegangen, dass das technische Anlagevermögen, wie zum Beispiel die Netz- und Vermittlungstechnik, in der Eröffnungsbilanz zum 1. Januar 1995 überbewertet gewesen sei. Einem Bericht des "Spiegel" zufolge handelt es sich um einen Betrag zwischen 15 und 21 Mrd. DM. Dabei geht es um Falschbilanzierung im Zeitraum zwischen 1990 und 1995.

"Unser Problem ist, dass wir keine Akteneinsicht haben", sagte Lissek weiter. Die Telekom sehe für die Ermittlungen absolut keinen Grund. Das Unternehmen habe stets im Rahmen der geltenden Rechnungslegungsvorschriften bilanziert. Ohnehin seien von rund 44 Mrd. DM Sachanlagevermögen in der Eröffnungsbilanz 1995 bereits über 33 Mrd. DM abgeschrieben und ein zusätzlicher Teil ausgegliedert worden. Vom damaligen Anlagevermögen beständen daher kaum noch Positionen, die bilanziell relevant seien. Lissek: "Teilweise operieren wir mit einer Technik, die schon zum zweiten Mal abgeschrieben wird". Von Überbewertung könne da keine Rede sein.

Bilanzexperte sehen keine Kritikpunkte

Auch Bilanzexperten sehen keine Anhaltspunkte, wie etwa Gerhard Gross, Geschäftsführer des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). Das technische Anlagevermögen der Telekom sei 1995 zu Wiederbeschaffungswerten bilanziert worden. Das sei ein übliches Verfahren, an dem nichts auszusetzen sei. Pflicht sei es, dass sich das rechnungslegende Unternehmen vor dem Hintergrund des technologischen Wandels zu jedem folgenden Bilanzstichtag frage: "Was ist dies alles noch wert? Wie lange wird die Analogtechnik noch genutzt?" Dann müssten gegebenenfalls auch Sonderkorrekturen vorgenommen werden. Gross geht davon aus, dass die Bewertung der Telekom in Ordnung war und durch den Wirtschaftsprüfer auch korrekt geprüft worden sei. Für Fehler - etwa eine zu optimistische Einschätzung der Wertentwicklung der alten Anlagen - sehe er kein Indiz.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Deutsche Revision, deren Vorgängergesellschaft C & L den 1995er Telekom-Abschluss testiert hatte, erklärte auf Anfrage, die Prüfer hätten, ebenso wie die bilanzierende Deutsche Telekom selbst, die Probleme eines Technologiewandels immer beachtet. Wenn die daraus resultierenden Folgen für die Bilanzierung bei dem Unternehmen nicht gezogen worden wären, hätte dies zur Einschränkung des Bestätigungsvermerks geführt. Weitere Einzelheiten will PwC unter Hinweis auf die Schweigepflicht nicht nennen.

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