Staatsanwalt will Flucht ins Ausland verhindern
Infomatec-Gründer und Vorstandsvize bleiben in Haft

Der Gründer und Vorstandschef der Augsburger Infomatec AG, Gerhard Harlos, und sein Stellvertreter Alexander Häfele sind am Donnerstag Nachmittag verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft Augsburg wirft beiden Insiderhandel, Kursbetrug und eine falsche Darstellung der Lage des am Neuen Markt notierten Internet-Unternehmens auf der Hauptversammlung im Juni vor.

Reuters AUGSBURG. Der Gründer und Vorstandschef der Augsburger Infomatec AG, Gerhard Harlos, und sein Stellvertreter Alexander Häfele bleiben nach der Entscheidung eines Richters bis auf weiteres in Haft. Häfele und Harlos, die am Abend zuvor von ihren Ämtern zurück getreten waren, machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz am Freitag in Augsburg Reuters sagte. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Insiderhandel, Kursbetrug und eine falsche Darstellung der Lage des am Neuen Markt notierten Internet-Unternehmens auf der Hauptversammlung im Juni vor.

Es habe die Gefahr bestanden, dass sich beide ins Ausland absetzten, sagte Nemetz. Schließlich gehe es in diesem Fall um Summen, die "selbst für ein Wirtschaftsstrafverfahren hoch" seien. Die Staatsanwaltschaft legt den Vorständen zur Last, im Januar und Februar 2000 sieben Mal eigene Aktien verkauft und damit insgesamt 56 Mill. DM Profit aus einer falschen Pflichtmitteilung von Ende Dezember 1999 gezogen zu haben. Sie hätten den Kurs der Infomatec-Aktie damit in "irreale Höhen" getrieben, sagte Nemetz. Der Kurs der Infomatec-Aktie sei nach der Veröffentlichung innerhalb von sechs Wochen um 74 % gestiegen. Das Gericht müsse nun versuchen, der Summen habhaft zu werden, die sich Harlos und Häfele illegal verschafft hätten.

Bei Infomatec ist jetzt der Finanzchef am Ruder

Die beiden Vorstände waren auf Antrag der Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag in Polizeigewahrsam genommen worden. Ein Sprecher von Infomatec bestätigte einen Bericht der "Augsburger Allgemeine", dass es sich bei den Verhafteten um Harlos und Häfele handelt. Das Internet-Unternehmen werde nun vom einzigen verbliebenen Vorstandsmitglied, Finanzchef Karl Gruns, geleitet. Der Aufsichtsrat werde in der nächsten Woche über die Nachfolger entscheiden. Häfele und Harlos hatten schon im September ihren Rücktritt "spätestens zum Jahresende" 2000 in Aussicht gestellt. Harlos erklärte jedoch, weiter in dem von ihm selbst gegründeten Unternehmen arbeiten zu wollen.

Die Ermittlungsbehörde hatte vor fünf Wochen mit 50 Polizeibeamten die Büros und Wohnungen von Häfele und Harlos durchsucht und dort Unterlagen sichergestellt. Auch mehrere Vertreter des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel (BAWe) hatten an der Razzia teilgenommen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse seien "auch hilfreich" gewesen, sagte Nemetz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits seit Dezember 1999 nach einer anonymen Anzeige gegen das Unternehmen.

Häfele und Harlos, die mit zusammen 70 % immer noch Mehrheitsaktionäre von Infomatec sind, hätten in dieser Zeit 62 500 ihrer Aktien verkauft, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das Unternehmen hatte bereits Ende August eingeräumt, dass der damals gemeldete Großauftrag nicht den Tatsachen entsprochen hatte, hatte die Umsatzprognose auf 50 Mill. von 100 Mill. Euro halbiert und einen Verlust in Aussicht gestellt. Häfele wies den Vorwurf des Insiderhandels jedoch zurück.

Auch zwei weitere Ad-hoc-Mitteilungen, also börsenrechtliche Pflichtveröffentlichungen, aus dem Jahr 1999 über ein Auftragsvolumen von 55 Mill. DM für Surfstationen, die den Internet-Empfang über das Fernsehgerät ermöglichen, hätten sich als falsch erwiesen, sagte Nemetz. Auf der Hauptversammlung im Juni 2000 hätten Häfele und Harlos dann auch noch Surfstationen gezeigt, die angeblich Gegenstand der Aufträge gewesen seien. Diese seien tatsächlich aber von anderen Herstellern produziert und nur mit dem Firmenlogo von Infomatec überklebt worden, hieß es.

Der Kurs der Infomatec-Aktie war am Donnerstag, noch vor der Mitteilung über die Rücktritte, um 13,8 % auf 2,50 Euro gefallen. Am Freitag pendelten die Papiere um diesem Wert, gegen 16.30 Uhr wurden sie mit 2,54 Euro gehandelt. Ihr Jahreshoch hatten die Aktien am 18. Februar mit 53 Euro erreicht.

Infomatec AG- Intraday-Chart

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