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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen drei frühere MLP-Mitarbeiter

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat am Freitag Anklage gegen den ehemaligen Vorstandschef des Finanzdienstleisters MLP , Bernhard Termühlen, wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation erhoben. Neben Termühlen sollen sich noch zwei weitere Top-Manager vor Gericht verantworten.

dpa-afx MANNHEIM. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat am Freitag Anklage gegen den ehemaligen Vorstandschef des Finanzdienstleisters MLP , Bernhard Termühlen, wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation erhoben. Neben Termühlen sollen sich noch zwei weitere Top-Manager vor Gericht verantworten. Die Beschuldigten hätten unter anderem die Jahresabschlüsse der MLP und zweier Tochtergesellschaften bewusst unrichtig aufgestellt, hieß es von Seiten der Strafverfolgungsbehörde. MLP widersprach dieser Darstellung. Dennoch gaben die Aktien des Unternehmens nach Bekanntwerden der Anklage deutlich nach.

Unter den Beschuldigten ist neben Termühlen auch der frühere kaufmännische Leiter der MLP AG sowie der Vorstand der MLP Lebensversicherung AG. Die drei haben nach Darstellung der Staatsanwaltschaft versucht, die Ertragslage und das Wachstum des Heidelberger Unternehmens im Jahr 2001 in günstigerem Licht erscheinen zu lassen. Dies gelte neben der MLP-Bilanz auch für die Jahresabschlüsse der MLP Lebensversicherung AG und MLP Finanzdienstleistungen AG des Jahres 2001. Erlöse aus verkauften Forderungen und R ückversicherungsprovisionen seien als Gewinne ausgewiesen worden, während ihnen gegenüberstehende Rückzahlungsverpflichtungen nicht in die Bilanz aufgenommen worden seien.

Anklage Auch Wegen Insiderhandel

Die Staatsanwälte äußerten außerdem den Verdacht, dass im Rahmen der Halbjahresberichterstattung der MLP 2002 Erträge des zweiten Halbjahres aus Verkäufen an die österreichische Uniqa-Gruppe unzulässigerweise bereits im ersten Halbjahr ausgewiesen worden seien. Außerdem sei die Hauptversammlung im Mai 2002 zur Beschlussfassung über eine Kapitalerhöhung der MLP AG unzutreffend unterrichtet worden. Dem kaufmännischen Leiter wurde zudem Insiderhandel vorgeworfen.

MLP wies unterdessen den Vorwurf der Bilanzmanipulation zurück. Drei Gutachter seien nach Prüfung der Fakten zu dem Ergebnis gelangt, dass die Bilanzen von MLP "sachgerecht" und "die von der Staatsanwaltschaft Mannheim erhobenen Vorwürfe der unrichtigen Bilanzdarstellung unbegründet" seien.

Analyst: Keine Neuen Lasten FÜR MLP

Am Frankfurter Aktienmarkt gaben die Papiere von MLP bis zum frühen Nachmittag in einem positiven Marktumfeld um 1,96 Prozent auf 15,00 Euro nach. Mehrere Händler führten die Kursverluste auf die Anklageerhebung zurück. Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz wies darauf hin, dass es sich um eine Anklage gegen ehemalige MLP-Spitzenmanager handele. "Das sind Personen außerhalb des Unternehmens", sagte er. Es kämen daher keine neuen Lasten auf das Unternehmen zu. Ungeachtet dessen handele es sich "natürlich nicht um gute Nachrichten".

Der Finanzdienstleister war nach im Frühjahr 2002 aufgekommenen Fälschungsvorwürfen und des Verdachts des Insiderhandels in die tiefroten Zahlen gerutscht und aus dem Dax ausgeschieden. Die Aktie des einstigen Shooting-Stars der Börse hatte zuvor 88 Prozent ihres Wertes verloren. Termühlen war im Herbst vergangenen Jahres von seinem Amt zurückgetreten. Finanzchef Uwe Schroeder-Wildberg rückte an seine Stelle.

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