Staatsanwaltschaft ermittelt
Kirch will 600 Millionen Euro von Breuer

Leo Kirch will Rolf-E. Breuer, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, auf über 600 Millionen Euro Schadensersatz verklagen. Dies meldet das Anlegermagazin Die Telebörse aus ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe vorab. Die Münchner Kanzlei Bub, Gauweiler hat Strafantrag gegen den Banker gestellt und arbeitet nach Informationen der Telebörse an der Schadensersatzklage. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt habe bereits das Ermittlungsverfahren eingeleitet, ein Anfangsverdacht bestehe (AZ 7570 Js215068/02), sagte Kirch-Anwalt Peter Gauweiler.

jr/rtr FRANKFURT. Die Äußerungen des Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer über die Kreditlage der Mediengruppe Kirch könnten den Banker nach Einschätzung von Rechtsexperten nun juristisch in Bedrängnis bringen. "Ganz unproblematisch finde ich die Äußerungen nicht", sagte Stefan Frisch, Rechtsanwalt bei der auf Bank- und Börsenrecht spezialisierten Kanzlei Tilp & Kälberer bei Tübingen, am Montag. "Früher hätte ein Banker nie so etwas in der Öffentlichkeit gesagt, sondern sich eher die Zunge abgebissen." Der Frankfurter Rechtsanwalt und Strafrechtsspezialist Fritz Steinacker sagte, möglicherweise sei das Bankgeheimnis verletzt worden.

Breuer sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe), bislang sei in dieser Angelegenheit noch keinerlei direkte Information zu ihm gedrungen. "Auf der Basis der Medienberichte kann ich nur sagen: Das ist juristischer Unsinn ohne rechtliche Grundlage. Was auch immer da noch kommt - ich sehe dem mit großer Gelassenheit entgegen".

Die Äußerungen zu Kirch Anfang Februar seien im Kontext der Situation der gesamten deutschen Medienlandschaft geschehen, sagte Breuer der Zeitung. "Dabei ließ sich die Situation der bekanntermaßen angeschlagenen Kirch-Gruppe nicht ausblenden, die ausländischen Wettbewerbern Einstiegsmöglichkeiten eröffnen könnte, die andernfalls nicht gegeben wären." Sowohl der Umfang des Engagements der Deutschen Bank und dessen Besicherung seien zu diesem Zeitpunkt bekannt gewesen als auch die Höhe des Dresdner-Engagements und die Höhe der Kredite anderer Institute.

Am Freitag hatte die Kirch-Gruppe Strafanzeige gegen Breuer wegen Kreditverleumdung, Verrats von Geschäftsgeheimnissen und unbefugter Angaben über Millionenkredite beim Landgericht Frankfurt eingereicht. Hintergrund sind den Angaben zufolge Äußerungen, die Breuer Anfang Februar in New York bezüglich der Kreditwürdigkeit des Medienunternehmens gemacht hatte. Nach Angaben einer Sprecherin der Bank sagte Breuer: "Was man alles lesen und hören kann, ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Die Anwälte von Kirch begründen die Strafanzeige laut einem Bericht des aktuellen "Spiegel" damit, dass Kirch zum Zeitpunkt der Äußerungen in Kreditverhandlungen mit Banken gestanden habe und auch danach Kredite empfangen hätte. Eine zivilrechtliche Schadenersatzklage werde vorbereitet.

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