Staatsanwaltschaft ermittelt
Tyco-Chef Kozlowski zurückgetreten

Der angeschlagene US-Mischkonzern Tyco International kommt nicht aus der Krise. Nach Umsatzeinbrüchen und dem Vorwurf undurchsichtiger Bilanzierung, wurde das Unternehmen nun erneut schwer getroffen: Am Montag trat der langjährige Firmenchef Dennis Kozlowski aus "persönlichen Gründen" zurück.

su DÜSSELDORF. Hinter dem Rückzug könnte ein handfester Skandal stecken, denn gegen Kozlowski soll nach Informationen der "New York Times" wegen Steuerunterschlagung ermittelt werden. Der Konzernchef soll hunderte Millionen Dollar aus seinem Vermögen auf steuerbegünstigte Treuhandkonten der Familie umgeleitet und mit diesem Geld dann privat Dienstleistungen und Konsumgüter eingekauft haben - ohne Umsatzsteuer zu zahlen.

Die Börse wertete den Vorfall als weiteren Vertrauensverlust für Tyco, die Aktie des Konzerns brach im frühen Handel um mehr als 20 % ein. Analyst Jeffrey Sprague von Salomon Smith Barney setzte die Bewertung der Aktie um zwei Stufen von "Kaufen" auf "Neutral" und von "hohes Risiko" auf "spekulativ" herab. Begründung: Kunden und Lieferanten könnten jetzt nervös werden und damit das laufende Geschäft weiter in Gefahr bringen.

Zudem steige die Wahrscheinlichkeit weiterer Abgänge von Top-Managern. Drittens könnten "die Unsicherheit und Umstände, die sich aus Kozlowskis Abgang ergeben, die Fähigkeit einschränken, den Umbau des Unternehmens fortzusetzen". Kozlowskis Vorgänger John Fort wird die Führungsposition bei Tyco übernehmen bis ein Nachfolger gefunden ist.

Kozlowski hat nicht nur als Privatmann Probleme, auch als Konzernlenker ist der 55-Jährige umstritten. In Folge der Pleite des US-Energiehändlers Enron hat die Börsenaufsicht SEC auch die Bilanzen des weit verzweigten Tyco-Konglomerats unter die Lupe genommen. Vor allem die Buchung der Mehrwerte der unzähligen zugekauften Unternehmen hatte Fragen aufgeworfen. Kritiker warfen dem Konzern mit Sitz auf den Bermudas vor, er habe die Übernahmen genutzt, um seine Profite aufzupolieren.

Aktionäre hatten den Rücktritt Kozlowskis zuletzt wegen seiner wechselhaften Haltung zur Unternehmensstrategie gefordert: Im Januar hatte er die Aufspaltung des Konglomerats in vier Teile verkündet, im April hatte er sie zurückgenommen. Noch am Donnerstag hatte er öffentlich verlautbart, er beabsichtige nicht zurückzutreten.

An den Plänen zum Börsengang der erst im vergangenen Jahr gekauften Tyco-Finanztochter CIT soll sich nach dem Rücktritt nichts ändern. Tyco braucht den Erlös - geplant sind mindestens 7 Mrd. $ - dringend, um einen Teil seiner Milliarden-Schulden zu tilgen.

Quelle: Handelsblatt

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