Staatsanwaltschaft hatte Gesellschafts- und Privaträume durchsucht
KC-Anleger können Geld zurück verlangen

Anleger, die ihr Geld bei der unter Druck geratenen Anlagegesellschaft Kapital Consult (KC) investiert haben, können nach Experten-Angaben einen Teil der Provisionen zurückverlangen, die von der Gesellschaft eingenommen wurden.

Reuters FRANKFURT. Martin Klingspor vom Deutschen Finanzdienstleistungsinformationszentrum (DIF) in Frankfurt hält es für möglich, dass KC den 20 000 Zeichnern eines der größten deutschen geschlossenen Immobilienfonds überhöhte Provisionen in Rechnung gestellt hat. Voraussetzung sei aber, dass sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegenüber KC als berechtigt erweisen. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt die Gesellschaft, Anlegergelder veruntreut zu haben und hatte am Mittwoch Räume der Gesellschaft sowie Privaträume von Verantwortlichen des Unternehmens durchsucht.

Der Fonds DLF 94/17 war 1994 aufgelegt worden. Er ist ein sogenannter geschlossener Fonds, der vorwiegend in Immobilien investiert. Hierbei wird bei den Anlegern ein bestimmter vorgesehener Betrag eingesammelt und in genau bestimmte Bauprojekte investiert. Häufig machen solche Fonds in den ersten Jahren ihres Bestehens große Verluste, was aus steuerlichen Gründen von den Anlegern durchaus erwünscht ist. In den vergangenen Jahren sind viele Fonds in finanzielle Schieflagen geraten, weil bei den Investitionsprojekten nicht die vorgesehenen Mieteinnahmen bzw. Renditen erzielt wurden.

Beim DLF 94/17 hatten die Initiatoren bis 1996 insgesamt 1,3 Mrd. Mark eingesammelt. Zu diesem Eigenkapital sollte noch Fremdkapital in Höhe von 900 Mio. Mark in Form von Krediten aufgenommen worden. Die gesamte Investitionssumme sollte dann in Bauprojekte vor allem in Stuttgart investiert werden.

Investiert wurde auch, aber nicht in voller Höhe. Deshalb wurde auch nur ein Teil der Kredite aufgenommen und damit nicht das gesamte Investitionsvolumen erreicht. Folglich, so der Vorwurf der Staatsanwälte, hätte KC von den Anlegern auch nicht Gebühren in voller Höhe verlangen können, sondern nur den entsprechend geringeren Anteil. Bei diesen Gebühren handelt es sich um sogenannte Funktionsträgergebühren - zum Beispiel Provisionen, Verwaltungs- und Beratungsgebühren, die die Fondsanleger an die Initiatoren eines geschlossenen Fonds zahlen. Diese sogenannten "weichen Gebühren" kann die Fondsgesellschaft also abzweigen; sie fließen nicht direkt in das Investitionsprojekt.

Nach Expertenangaben betragen die Gebühren bei manchen geschlossenen Fonds bis zu 30 Prozent der Summe, die ein Anleger investiert. Wie KC-Geschäftsführer Walter Fink am Freitag sagte, liege dieser Anteil beim DLF 94/17 bei ungefähr 15 Prozent und damit vergleichsweise niedrig. Und der Verdacht der Staatsanwaltschaft Stuttgart beziehe sich natürlich nicht auf die gesamten 15 Prozent, sondern nur einen Teil davon, insgesamt gut 60 Mio Mark, die möglicherweise zuviel einbehalten wurden.

Fink bestreitet nicht, dass die vollen Gebühren tatsächlich nur bei kompletter Kreditaufnahme und kompletter Gesamtinvestition erhoben werden können. Allerdings weist er auf einen Gesellschafterbeschluss aus dem Jahr 1998 hin. Danach sei die restliche Kreditaufnahme auf das Jahr 2001 verschoben worden. Das gesamte Finanzierungsvolumen werde also erreicht, eben nur später als ursprünglich angenommen. Damit sei auch die Höhe der erhobenen Funktionsträgergebühren gerechtfertigt.

DIF-Chef Klingspor hält den Vorwurf der Staatsanwaltschaft trotzdem für gerechtfertigt. Anleger sollten allerdings die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten. Immerhin hätten gerade bei diesem Fonds besonders viele Kleinanleger Fondsanteile gezeichnet. Nach Auskunft von KC stünden ungefähr 5 Prozent der jeweiligen Investitionssumme zur Debatte - bei einer Investitionssumme von 20 000 Mark immerhin 1000 Mark. Wie KC weiterhin mitteilt, hätten sich insgesamt 20 000 Anleger an dem fraglichen Fonds beteiligt. Die durchschnittliche Anlagesumme betrage 64 000 Mark.

Der Fonds DLF 94/17 war schon mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Wichtigstes Investitionsprojekt ist das SI-Centrum in Stuttgart mit Musical-Theatern, Hotels und Spielbank. Generalmieter des Projektes war ursprünglich das Musical Stella AG, -Unternehmen das 1999 allerdings insolvent wurde. Nach Auskunft von Fink ist der Komplex mittlerweile aber wieder fast komplett vermietet. Nach Schätzung von DFI-Chef Klingspor hatte jeder Fondsanteil - zumindest bis vor den Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft - nur noch 30 Prozent seines ursprünglichen Wertes.

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