Staatsanwaltschaft hegt "Anfangsverdacht"
MLP-Aktie im Sinkflug

Trotz eines Freibriefs der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young für die Rückversicherungs-Praxis von MLP verlieren die Aktien des Finanzdienstleisters auch am Mittwoch deutlich an Boden.

Reuters FRANKFURT/ HEIDELBERG/ MANNHEIM. Zeitweise stürzte das Papier, das Anfang April noch 60 ? kostete, um 16 % ab. Am Mittwochnachmittag notierten MLP mit 18,80 ? um 8,8 % leichter. "Die Situation bei MLP ist weiter unklar", sagte ein Händler. "Das Unternehmen sagt, es ist alles in Ordnung, trotzdem kommt die Staatsanwaltschaft ins Haus. In der jetzigen Marktsituation hat es eine Aktie, die sich zuvor schon nur so gerade halten konnte, besonders schwer." Zum Handelsauftakt hatten MLP noch im Plus notiert.

Der Mannheimer Oberstaatsanwalt Hubert Jobski sagte Reuters, die Behörde hege einen "Anfangsverdacht" auf unrichtige Darstellung der Lage des Unternehmens in der Bilanz. "Das ist ja alles sehr kompliziert", fügte er hinzu. Am Dienstag hatten 60 Staatsanwälte und Ermittler die Büros von MLP in Heidelberg nach Beweisen für den Verdacht durchsucht. Jobski widersprach der Darstellung von MLP, eine anonyme Anzeige habe zu der Aktion geführt. "Auf Anzeigen, schon gar nicht auf anonyme, sind wir nicht angewiesen, um ein Ermittlungsverfahren zu eröffnen", sagte der Staatsanwalt. Woher die Behörden ihre Erkenntnisse hätten, wollte er nicht sagen. Auch zu Ergebnissen der Aktion wollte er sich nicht äußern. "Da müssen wir uns erst unsere eigenen Gedanken machen." Wie lange die Prüfung dauere, sei offen.

Bis zu drei Haft für falsche Bilanz-Angaben

Gegenstand des Ermittlungsverfahrens ist Jobski zufolge eine möglicherweise "unrichtige Darstellung der Verhältnisse der Kapitalgesellschaft in den Jahresabschlüssen" nach Paragraf 331 HGB. Das Handelsgesetzbuch sieht dafür Geldstrafen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren vor. Nach Angaben von MLP haben die Ermittler vor allem Einsicht in die Akten genommen, in denen die Rückversicherungspraxis von MLP niedergelegt ist. Das Anlegermagazin "Börse Online" wirft MLP unter anderem vor, damit außerhalb der Bilanz Verbindlichkeiten aufgebaut, seine Gewinne aufgebläht und hohe Risiken für die Zukunft in Kauf genommen zu haben.

Prüfer: MLP hatte keine andere Wahl

Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young bestätigten MLP indes in einem Auftragsgutachten, dass die Weitergabe von Leben-Policen an Rückversicherer für junge, rasch wachsende Lebensversicherer branchenüblich und deren Ausweis in der Bilanz korrekt gewesen sei. MLP habe angesichts der Vorschriften des HGB keine andere Wahl gehabt als Rückversicherer am eigenen Risiko zu beteiligen. Andernfalls hätte der Finanzdienstleister den nötigen Spielraum für weiteres Wachstum nicht geschafft, heißt es in der auf der Internet-Seite von MLP veröffentlichten Untersuchung. Das Gutachten liege auch der Staatsanwaltschaft vor, sagte der Oberstaatsanwalt in Mannheim.

MLP

war erst vor kurzem in das Geschäft mit Altersvorsorge durch eigene fondsgebundene Lebensversicherungen eingestiegen. Bis dahin hatte der auf Akademiker spezialisierte Finanzmakler nur fremde Versicherungen ohne eigenes Risiko vermittelt. Bei Lebensversicherungen erhalten die Vermittler für den Abschluss der Police hohe Provisionen, die der Versicherer erst später wieder durch die laufenden Beiträge zurückverdient. Im Gegensatz zu internationalen Bilanzierungsvorschriften muss die Provision sofort als Aufwand gebucht und darf nicht über die Laufzeit der Versicherung abgeschrieben werden. "Damit werden wirtschaftlich verdiente Gewinne bilanziell über lange Zeiträume in die Zukunft verlagert", heißt es in der Ernst & Young-Studie. Von einer verdeckten Kreditaufnahme durch MLP könne keine Rede sein, stellten die Prüfer Young nach der sechs Wochen dauernden Prüfung fest. Der Finanzdienstleister habe sich - anders als ihm vorgeworfen wird - keine Verpflichtungen aufgeladen, die in der Bilanz nicht erkennbar seien.

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