Staatsanwaltschaft untersucht Vorgänge am Rande des G8-Gipfels
Italien ermittelt gegen Polizisten

mab MAILAND. Die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Polizeieinsatz am Rande des G8-Gipfels in Genua weiten sich aus. Francesco Meloni, Staatsanwalt von Genua, teilte mit, dass nun gegen alle Beamten, die an der Razzia am Sitz der Globalisierungsgegner beteiligt waren, Ermittlungsverfahren eingeleitet würden. Dabei handelt es sich um 130 Einsatzkräfte und 13 Offiziere.

Der Schritt der Staatsanwaltschaft hatte sich angedeutet, nachdem in den vergangenen Tagen die Gummiknüppel der entsprechenden Polizisten beschlagnahmt worden waren, um sie auf Blutreste zu untersuchen. Bei dem nächtlichen Einsatz am 21. Juli in der Diaz-Schule im Zentrum Genuas waren von 93 festgenommenen Demonstranten 61 teilweise schwer verletzt worden. Zerstörtes Mobiliar und Blutspuren an den Wänden hatten Indizien für die Brutalität des Vorgehens geliefert. Drei Viertel der Verhafteten wurden später wieder auf freien Fuß gesetzt, weil nichts gegen sie vorlag.

Da es neben den Gewalttätigkeiten auch zu unklarem Verhalten und Verzögerungen der Justiz im Umgang mit festgenommenen Ausländern gekommen ist, ist Italien außenpolitisch unter Druck gekommen. Die Bundesregierung hat bislang zwar keine offizielle Beschwerde ausgesprochen, dringt aber auf die Aufhebung der Einreiseverbote gegen ausgewiesene Bundesbürger.

Um bei den kommenden Gipfeln auf italienischem Territorium Ausschreitungen wie in Genua zu verhindern, wo während des dreitägigen G8-Treffens bürgerkriegsähnliche Zustände auf den Straßen geherrscht haben, will die Regierung unter Premier Silvio Berlusconi die unklaren Kommandostrukturen der verschiedenen Einsatzkräfte vereinfachen. Künftig werden am Ort des Geschehens nur noch Offiziere der Polizei befehlen, Führungskräfte der Carabinieri, Guardia di Finanza und anderer Sicherheitskräfte sollen sich unterordnen.

Außerdem sollen unerfahrene Kollegen nicht mehr in vorderster Front eingesetzt werden. In Genua hatte ein 20-jähriger Carabiniere in Panik einen Demonstranten erschossen. Während die Verlegung des Nato-Treffens Ende September in Neapel nicht mehr erwogen wird, drängen Berlusconi und sein Innenminister Claudio Scajola darauf, den für November in Rom anberaumten Gipfel der Welternährungsorganisation FAO in ein afrikanisches Land zu verlegen.

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