Staatsbank reagiert auf hohe Verluste im Firmenkundengeschäft
Bayern-LB muss Kreditprobleme ohne Hilfe Stoibers lösen

Zahlreiche faule Kredite im Firmengeschäft verhageln der Bayerischen Landesbank die Bilanz. Jetzt ist ein Kurswechsel angesagt: Alle Geschäfte werden überprüft, Beteiligungen versilbert.

cbu MÜNCHEN. "Die Bayern-LB hat ein doppeltes K-Problem: Kirch und Kanzlerkandidatur" - so resümiert Bayern-LB-Chef Werner Schmidt die Lage. Schon seit Monaten ist die hinter der West-LB zweitgrößte deutsche Landesbank wegen ihrer sehr hohen Kirch-Kredite in den Schlagzeilen. Von Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber kann sich die Bank, die zu 50 % dem Freistaat und zu 50 % den Sparkassen gehört, keine Hilfe erhoffen. Stoiber, selbst unter Beschuss wegen seines früheren Engagements für Kirch, fürchtet Schaden für seine Kanzlerkandidatur und meidet das Thema.

"Die Bank hat für ihr Kirch-Engagement Vorsorge getroffen", betonte Schmidt. Es handele sich aber um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Der Bankchef will retten, was zu retten ist, und verhandelt unter anderem über eine Übernahme der Formel 1. Auch beim Kauf der Axel-Springer-Beteiligung Kirchs unter Führung der Commerzbank will die Bayern-LB mitmachen. "Der Deal ist aber noch nicht gelaufen", meinte Schmidt. Es sei noch eine Reihe von Punkten zu klären.

Die Münchener Staatsbank war zuletzt bei vielen Pleiten dabei, von Holzmann über Fairchild-Dornier bis zu Enron. Größtes Problem ist aber das Zwei-Mrd.-Euro-Kreditengagement bei Kirch. Die Bankenaufsicht führt deshalb derzeit eine Sonderprüfung durch.

Die Bayern-LB muss 2001 einen Gewinneinbruch verbuchen. Das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge schrumpfte um 75 % auf 184 Mill. Euro. Grund ist eine massiv auf 1,25 Mrd. Euro erhöhte Risikovorsorge. "Es gibt viele Banken, die eine solche Risikovorsorge nicht verkraftet hätten", so Schmidt.

Angesichts der Probleme hat sich die Landesbank aber jetzt zu einem tief greifenden Strategiewechsel entschlossen, um die Risiken in den Griff zu bekommen. "Wir müssen Ballast abwerfen", sagte Schmidt. Dadurch soll das Ergebnis bis 2006 um 700 Mill. Euro auf eine Mrd. Euro steigen. Die Kreditrisikostrategie werde überprüft, sagte Schmidt. Zudem soll ein strikter Sparkurs eingeschlagen werden. Stärker als bisher will sich der Konzern wieder auf die Funktion als Sparkassen-Zentralbank konzentrieren. "Regional wird sich die Bank auf Bayern und die Anrainerländer sowie auf ausgewählte Wirtschaftszentren der Welt fokussieren", heißt es. Ob Standorte geschlossen werden, ließ Schmidt offen. Derzeit ist die Bayern-LB in Asien, Nord- und Südamerika sowie Südafrika tätig.

Alle Beteiligungen, auch an anderen Geldinstituten, werden überprüft. Verkäufe noch 2002 seien nicht ausgeschlossen, es gebe aber noch keine konkreten Verhandlungen. Als Verkaufskandidat gilt etwa der Ferienflieger Aero Lloyd. Zudem ist die Bank am Energieversorger Thüga und am Baukonzern Walter Bau beteiligt.

Quelle: Handelsblatt

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