Staatsbesuch
Uiguren werfen China Repressionskampagne vor

Anlässlich des Staatsbesuchs des chinesischen Präsidenten Jiang Zemin in Deutschland hat die Uabhängigkeitsbewegung des Volkes der Uiguren Peking eine massive Zunahme der Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

dpa MÜNCHEN. Die Regierung nutze die Terroranschläge vom 11. September als Vorwand für die Verschärfung der Repressionen gegen die im Westen Chinas lebenden Uiguren und andere moslemische Minderheiten, sagte der Direktor des Informationszentrums Ost-Turkestan, Abduljelil Karakasch, in München.

Die rund 7,7 Millionen Uiguren sind sprachlich und kulturell eng mit den Türken verwandt. Sie sind die ursprünglichen Bewohner der in den vergangenen Jahren zunehmend auch von deutschen Touristen besuchten Wüstenregionen entlang der Seidenstraße - heute offiziell Xinjiang genannt.

"Allein von September bis Dezember vergangenen Jahres sind etwa 3 000 Menschen festgenommen und 20 zum Tode verurteilt worden", sagte Karakasch. "Insgesamt gehen wir von bis zu 100 000 Festnahmen in den vergangenen Jahren aus. Viele davon sind ohne Prozess zum Teil über Jahre inhaftiert worden", sagte Karakasch.

Bücher, Videos und Musikkassetten werden vernichtet

Die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat ebenfalls eine massive Verschärfung der Repressionskampagne beklagt und geht von "mehreren zehntausend" Festnahmen in den vergangenen zehn Jahren aus, wie es in einem Ende März veröffentlichten Bericht zur Lage in Xinjiang heißt.

Karakasch sagte, in den vergangenen zwei Wochen habe der chinesische Sicherheitsapparat außerdem 52 Zeitungen und andere Publikationen verboten. "Die chinesische Führung versucht zunehmend, auch kulturelle und religiöse Aktivitäten zu unterdrücken." Neben tausenden von Festnahmen würden uigurische Bücher, Videos und Musikkassetten in großer Zahl beschlagnahmt und vernichtet.

Die chinesische Regierung wirft der uigurischen Unabhängigkeitsbewegung Verbindung zu islamischen Terroristen vor. Nach Angaben von Amnesty International hat es in Xinjiang in den vergangenen Jahren mehrere Bombeanattentate und Morde gegeben. Die chinesische Regierung habe bisher aber keinerlei Belege für tatsächliche Verbindungen der uigurischen Unabhängigkeitsbewegung zum internationalen Terrorismus vorgelegt. Die Zahl der gewalttätigen Zwischenfälle sei gering und die Repressionskampagne der Behörden gehe weit über die Suche nach den Verantwortlichen der Anschläge hinaus, heißt es in dem Amnesty-Bericht über Xinjiang.

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