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Staatsbürgerkunde auf mexikanisch

Ich komme gerade aus Chile zurück. Das kleine südamerikanische Land ist wahrscheinlich das europäischste in Lateinamerika, zumindest was Effizienz und staatbürgerliche Erziehung angeht. Der Straßenverkehr zum Beispiel.

Ich komme gerade aus Chile zurück. Das kleine südamerikanische Land ist
wahrscheinlich das europäischste in Lateinamerika, zumindest was Effizienz und
staatbürgerliche Erziehung angeht. Der Straßenverkehr zum Beispiel. In Santiago de
Chile sind die Autofahrer vergleichsweise diszipliniert, respektieren
Busspuren und machen von der Hupe nur im Ausnahmefall Gebrauch. In Mexiko ist das
ganz anders. Die Hand an der Hupe scheint für die Mexikaner ebenso wichtig wie
der Fuß auf dem Gaspedal. Sobald der Verkehr nur für eine Sekunde irgendwo
steht, geht es los...

Das und vieles andere will eine private Organisation nun ändern und den
Mexikanern staatsbürgerliches Verhalten beibringen. Helfen sollen dabei
ausgerechnet der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein, der El-Kaida-Chef Osama Bin Laden,
aber auch Mutter Teresa.

Seit kurzem hat die Organisation "Beweg Dich für Deine Stadt" in der
20-Millionen-Metropole große Plakate mit den Köpfen der drei aufgestellt. In
Sprechblasen fordern sie die Hauptstädter zu mehr Rücksichtnahme auf.

So lesen wir aus Saddams Mund den überraschenden Satz: "Parke nicht in der
zweiten Reihe - Du kannst ein Chaos erzeugen." Mutter Teresa fordert mahnend
dazu auf, Polizei und
Behörden nicht mehr zu bestechen.

Die Kampagne zur Verbesserung des staatsbürgerlichen Verhaltens gibt es schon
länger. Die Organisatoren versuchen, ihre Mitbürger dazu zu erziehen, nicht
bei Rot über Kreuzungen zu fahren, auf Fußgänger und Radfahrer Rücksicht zu
nehmen und den Kot ihrer Hunde aufzukehren. Bisher waren die Erfolge eher
sparsam.

Helfen sollen daher nun die Personen der Zeitgeschichte - auch die
umstrittenen. Als nächstes soll George W. Bush die Mexikaner zu staatbürgerlichem
Verhalten auffordern.


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