Staatskonzern Sing-Tech beteiligt sich an Global Crossing
Ein Nobody aus Singapur wagt sich auf den globalen Telekommarkt

Das staatliche Telekom-Unternehmen Singapore Technologies Telemedia hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: ein Mitspieler im Weltmarkt der Telekommunikation zu werden. Dahinter steht der mächtige Staatskonzern Sing-Tech. Ein erster Schritt ist die Übernahme der bankrotten Global

SINGAPUR. "Ein schönes Geschenk zum Nationaltag", freute sich Lee Theng Kiat, Chef des Telekommunikations-Unternehmens Singapore Technologies Telemedia Pte. Ltd. (ST Telemedia). Singapur feierte am vergangenen Freitag den 37. Tag seiner Unabhängigkeit, und Lee präsentierte den Einstieg seines Unternehmens in den bankrotten US-Telekomkonzern Global Lees Partner: der Hongkonger Mischkonzern Hutchison Whampoa, den der Hongkonger Milliardärs Li Ka-shing kontrolliert.

Das Übernahmeangebot der beiden asiatischen Unternehmen stammt bereits von Anfang Februar. Damals wollten sie noch 700 Mill. $ für die Infrastruktur der insolventen Global zahlen. Den Gläubigern war das nicht genug, doch weil die Global-Crossing-Pleite die Preise für Telekomunternehmen weiter nach unten trieb, musssten Hutchison und ST Telemedia nur noch 250 Mill. $ in bar zahlen und Schuldverschreibungen in gleicher Höhe übernehmen.

"Hutchison und wir haben zehn Monate hart gearbeitet. Wir hoffen, dass alles halten wird", gab sich Lee bescheiden. Die ST Telemedia, in Singapur nur eine Lokalgröße, wird mit der Übernahme des Betreibers eines weltumspannenden Glasfasernetzes international. "Das ist ein Deal, der ST Telemedia zu einem Global Player transformieren könnte", glaubt Ven Sreenivasan von der singapurischen Business Times.

Mit ST Telemedia wagt sich ein Nobody auf den Weltmarkt - wenn auch zusammen mit Li Ka-shing, der an vielen großen Deals der Telekom-Branche gut verdient hat, etwa bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone. Allerdings steht hinter ST Telemedia die Regierung Singapurs mit ihrer Finanzmacht. ST Telemedia ist eine 100%-Tochter des staatlich kontrollierten Konglomerats Singapore Technologies. Sing-Tech steht auf den Säulen Wehrtechnik (ST Engineering), Immobilien (Capita-Land) und Ingenieurleistungen (Semb-Corp-Industries).

Die Marktkapitalisierung der drei Konzerne, alle im Frankfurter Freiverkehr notiert, erreicht 12 Mrd. Singapur $ (7 Mrd. Euro). Damit steht die nicht börsennotierte Holding Sing-Tech auf Rang sechs der größten Unternehmen Singapurs.

Geführt wurde Sing-Tech bis vor kurzem von der Managerin Ho Ching (49), Ehefrau des designierten Premierministers Lee Hsien Loong, des ältesten Sohns des Staatsgründers Lee Kuan Yew. Ho Ching hat den Staatskonzern international wettbewerbsfähig getrimmt.

Gesteuert wird Sing-Tech wie alle Staatsunternehmen von Temasek, der Investitionsfirma der Regierung. Temasek-Chairman S. Dhanablan hat vielen Temasek-Unternehmen die Marschrichtung vorgegeben: "Global wachsen, Temasek hat den cash". Im Heimatmarkt spielt Sing-Tech mit der 1994 gegründeten ST Telemedia den aggressiven Newcomer. Zwar ist sie mit dem Mobilfunker Star-Hub zum zweitgrößten Telekomunternehmen aufgestiegen, doch Sing-Tel bleibt mit derzeit 25 Millionen Handy-Kunden in der Region unangefochten Marktführer.

Telekom-Experten in Ostasien vermuten, dass Sing-Tech-Präsident Peter Seah über Global vor allem auch deren Asien-Tochter Asia Global (59 %) im Visier hat, die in Asien neben dem Glasfasernetz auch Festnetzdienste und Datenzentren betreibt. Das Glasfasernetz der Mutter Global verbindet 200 Großstädte in 26 Ländern in fünf Kontinenten. "Wir wolle zum globalen Champion aufsteigen", sagte Seah in einem TV-Interview.

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