Staatspapiere könnten in einem halben Jahr wieder Einstiegskurse bieten
Bondanlegern drohen Kursverluste

Kurzfristig sehen viele Renten-Analysten noch etwas Spielraum für die Anleihenkurse. Auf mittlere Sicht droht aber ein Rückschlag. Von Papieren mit langen Laufzeiten raten die meisten Experten daher ab.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/M. Die Abschwächung der Weltkonjunktur, die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen und der Konflikt im Irak bieten nach Meinung vieler Experten anhaltende Unterstützung für die Anleihemärkte. Von langfristigen Bonds raten die meisten befragten Strategen zurzeit aber ab, da die Rentenmärkte bereits ein sehr niedriges Renditeniveau erreicht hätten.

"Die Zustimmung der irakischen Führung zur UN-Resolution bedeutet nicht, dass die Kuh vom Eis ist", sagt Ralf Welge, Zinsstratege bei der Commerzbank Securities. Sie habe zwar zur Beruhigung beigetragen, aber so richtig traue der Markt dieser Aussage noch nicht. Auch Richard Zellmann, Leiter Research Fixed Income bei der Helaba Trust glaubt nicht an ein Ende der Unsicherheit: "Anleger werden bis Februar abwarten, was im Irak passiert. Mit Engagements am Aktienmarkt werden sie daher noch warten und weiter in die Rentenmärkte investieren." In diesem Punkt sind sich die Experten einig: Kurzfristig gibt es noch Spielraum für steigende Anleihekurse. Aber darüber, wie lange dieser Aufwärtstrend noch anhalten wird, gehen die Meinungen der Strategen auseinander.

Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt glaubt an einen dauerhaften Aufwärtstrend bei den Anleihenkursen. Entsprechend prognostiziert er einen Rückgang der Rendite für zehnjährige Staatspapiere im Euroraum auf rund 4,2 %. Vergleichbare US-Staatsanleihen würden sogar auf 3,5 % fallen, meint er. "In den kommenden Monaten werden sich die Anleihemärkte deutlich fester entwickeln. Dafür sorgt allein die Geldpolitik", sagt der HSBC-Experte. Er rechnet damit, dass sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen weiter senken - die EZB bereits im Dezember dieses Jahres um 0,25 Prozent. Schilbe rät, die Chancen mit langlaufenden Anleihen zu nutzen.

"Solange die politische und konjunkturelle Unsicherheit anhält, sehen wir gute Chancen für Bonds - obwohl die Renditen bereits auf ein sehr niedriges Niveau gefallen sind", sagt auch Gernot Müller, Leiter Asset Allocation Research bei der WestLB. Seine Empfehlung ist jedoch deutlich vorsichtiger - von ausgesprochenen Langläufer rät er ab. "Besser sind fünfjährige oder noch kurzfristigere Papiere. Ich erwarte noch zwei Zinssenkungen der EZB, die zu niedrigeren Renditen und höheren Kursen bei mittel- und kurzfristigen Papieren führen."

Ähnlich vorsichtig äußert sich Commerzbank-Analyst Ralf Welge: "Angesichts der Renditeniveaus befinden wir uns zwar in dünner Luft. Aber wenn es tatsächlich zu einer Zinssenkung kommt, der Aufschwung weiter auf sich warten lässt und die Inflationsraten runter gehen, werden die Rentenmärkte einen zweiten Frühling erleben." Trotzdem rät Welge davon ab, in langfristige Papiere zu gehen. Er erwartet, dass die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf Sicht von zwölf Monaten bei 4,7 % liegen wird.

Jörg Krämer von der Fondsgesellschaft Invesco ist deutlich skeptischer: "Die Bewertung der Rentenmärkte sowohl in Euroland als auch in den USA ist übertrieben hoch, die Anleihenrenditen deutlich zu niedrig.". Er erwartet auf Sicht von zwölf Monaten, dass die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe um 50 Basispunkte zulegen wird. Anleger sollten mit einer Investition in europäische Staatsanleihen noch sechs Monate warten oder in Papiere mit sehr kurzen Restlaufzeiten investieren. Er hofft auf bessere Zeiten für Anleihenfans. "Ich erwarte, dass die Renditen in einem halben Jahr deutlich attraktiver sind. Dann sollten Anleger in mittlere und längere Laufzeiten umschichten", empfiehlt der Rentenexperte.

Begeisterung rufen die Renditen an den Anleihemärkten auch bei Karl Weber, Chefökonom der schweizerischen Vontobel-Gruppe, nicht hervor. Auf dem derzeitigen Niveau könnten Anleger aber noch einsteigen, sagt er. "In einer solch schwierigen Zeit an den Kapitalmärkten dürfen Anleger einfach keine allzu hohen Erträge erwarten." Weber rechnet für die kommenden zwölf bis 15 Monate mit einer Seitwärtsbewegung der europäischen Rentenmärkte: "Mittelfristig gibt es keinen Trend für steigende Renditen."

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