Staatspapiere und Industrie-Bonds erzielen die besten Renditen
US-Anleihen bleiben auf der Überholspur

Jahrelang galten festverzinsliche Wertpapiere als altmodisch. Doch am US-Markt haben fast alle Anleihe-Kategorien in diesem Jahr gute Renditen erzielt. Experten erwarten, dass die Erfolgswelle weiter anhält. Analysten raten Anlegern, entweder in Staatsanleihen mit langer Laufzeit oder in ausgewählte Industrieanleihen zu investieren.

NEW YORK. Am größten Kapitalmarkt der Welt sind Anleihen die neuen Stars. Während die Wall-Street-Aktien fallen, erzielen die meisten Bond-Sparten in den USA eine positive Rendite. Die Erfolgswelle könnte sich fortsetzen, glauben Analysten. Solange die Zentralbank ihre Zinsen niedrig hält, ist das Kursrisiko gering.

Risikofreie US-Staatspapiere - die so genannten Treasuries - haben seit Jahresanfang mehr als sieben Prozent abgeworfen, Kursgewinne eingeschlossen. Damit gehören sie unter sämtlichen Anlageformen zu den Spitzenreitern. Auch Industrieanleihen haben noch mehr als sechs Prozent eingebracht. Der Standard & Poor?s 500 Aktienindex hat seit Anfang des Jahres dagegen 23 Prozent verloren.

Vor allem die Staatspapiere könnten sich weiterhin positiv entwickeln, glauben Analysten. Mit der Warnung vor schlechteren Wirtschaftsbedingungen hat die Fed bekräftigt, dass Zinserhöhungen erst einmal ausgeschlossen sind, die Zinsen könnten sogar sinken. Höhere Zinsen lassen die Bond-Preise absacken und führen zu Kurs-Verlusten. "Zumindest im nächsten halben Jahr bleiben die Zinsen stabil", schätzt Volkswirt Kamalesh Rao von der Rating-Agentur Moody?s. Die Gefahr für die Anleihen sei vielmehr, dass Investoren Aktien wieder attraktiv finden und aus Staatspapieren aussteigen.

"Derzeit sind Staatsanleihen leicht überbewertet", sagt Rao. Das gelte aber eher für den kurzfristigen Bereich, meint der globale Anleihe-Stratege der Investmentbank Merrill Lynch, Tom Sowanick. Im längerfristigen Bereich seien die Zinsen über viele Monate kaum nach unten gegangen, damit habe es auch kaum nennenswerte Kurssteigerungen gegeben. "Inzwischen gibt es auch am langen Ende Bewegung", sagt Sowanick. Das habe sich besonders deutlich nach der Zentralbank-Sitzung gezeigt. Der Effektivzins auf längerfristige Staatsanleihen sei stärker abgefallen als die Rendite kurzfristiger Papiere. Der Zins-Unterschied (Spread) zwischen 2-jährigen und 10-jährigen Anleihen liege noch bei 211 Basispunkten, also 2,1 Prozent. "Ich denke, er wird auf 175 Basispunkte abfallen", sagt Sowanick. Der Unter-schied zwischen 2-jährigen und 30-jährigen Papieren werde sich von 325 Basispunkten auf 250 Basispunkte verringern schätzt er. Das bedeute, dass am langen Ende noch deutliche Kurssteigerungen zu erwarten sind.

Weit höhere Zinsen als Staatspapiere versprechen Industrie-Anleihen - so genannte Corporates. Nach spektakulären Pleiten wie dem Konkurs des Telefon-Riesens Worldcom und des Glasfaser-Netzbetreibers Global Crossing sind die Kurse der Corporates im Juli so dramatisch abgesackt wie zuletzt während der Asienkrise von 1998. Innerhalb eines einzigen Monats ist der Zinsaufschlag der Industrieanleihen hoher Bonität gegenüber Staatspapieren um einen halben Prozentpunkt auf inzwischen 2,57 Prozentpunkte gestiegen, ermittelte die Investmentbank Salomon Smith Barney. Neben den spektakulären Pleiten sei das Überangebot an Corporates an dem Kursverfall schuld. Große US-Konzerne wie Ford, General Electric oder AOL Time Warner hätten in den vergangenen Monaten und Jahren riesige Stückzahlen solcher Bonds aufgelegt. Doch Vorsicht - scheinbar solide Papiere können rasch einbrechen. Privatanleger John Weeks aus Burnesville/Minnesota etwa musste herbe Verluste hinnehmen, nachdem er im Jahr 2000 von Aktienfonds in Industrieanleihen umgestiegen war. Er investierte im Jahr 2000 jeweils 5 000 $ in fünf - so schien es - grundsolide Bonds, darunter Worldcom und Comdisco. Nachdem diese Konzerne Konkurs angemeldet haben, sind deren Bonds weniger als die Hälfte wert.

Generell hat sich die Kreditqualität der großen US-Konzerne verschlechtert: Nur noch sieben Firmen bescheinigt die Ratingagentur Standard & Poor?s die Bestnote AAA, nämlich General Electric, Exxon Mobil, Johnson & Johnson , United Parcel Service, Pfizer, Merck und Automatic Data Processing. Im Jahr 1981 hatten 25 US-Konzerne ein AAA. Das rühre vor allem daher, dass die Firmen sich mehr auf die Interessen der Aktionäre konzentrieren und risikofreudiger geworden sind, sagt Anleihemarkt-Analystin Diane Vazza von Standard & Poor?s.

"Anleger müssen bei Bonds genau so wie beim Aktienkauf ihre Hausaufgaben machen", rät Vazza. Sie sollten neben der Bonitäts-Note auch auf die weiteren Aussichten, den "Outlook" achten. Der Bondstratege der Investmentbank Salomon Smith Barney glaubt, dass Industrie-Anleihen trotz aller Risiken eine attraktive Alternative sind. Wer sie bis zum Ende der Laufzeit halte, bekomme seinen Einsatz wieder, außerdem fallen feste Zins-Einnahmen an: "Wenn ein Anleger bereit ist, die Aktie eines Konzerns zu kaufen, dann sollte er auch die Anleihen in Betracht ziehen." Bei Konzernen mit guter Kreditqualität betrage das Ausfallrisiko weniger als ein Prozent. Allerdings können solide Bonds auf Junk-Qualität abgleiten, wie es kürzlich dem Energie-Konzern Williams Cos. und dem Glashersteller Corning widerfahren ist. Bei Junkbonds beträgt die Ausfallquote aber zehn Prozent. Um die Risiken zu verringern, sollten Anleger - anders als bei Staatspapieren - kurzfristige Papiere bevorzugen, rät Adler.

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