Staatspräsident stimmt Erstürmung der Anstalt zu
Drogenmafia hält Rio mit Revolte in Atem

Die Drogenmafia hat die brasilianische Metropole Rio de Janeiro mit einer blutigen Gefängnisrevolte und der Bedrohung von Tausenden von Ladenbesitzern und Schulleitern in Angst und Schrecken versetzt. Eine Bande tötete am Mittwoch in der Hochsicherheitsanstalt "Bangu 1" nach Medienberichten sechs Rivalen. Vier Männer des Wachpersonals und vier Bauarbeiter wurden während der Revolte als Geiseln genommen.

HB RIO DE JANEIRO. Der Aufstand hielt gegen Mitternacht (Ortszeit) nach 15 Stunden noch an. Staatspräsident Fernando Cardoso stimmte unterdessen den Plänen zur Erstürmung der Anstalt zu.

Angehörige der Banden der im Gefängnis ermordeten Drogenbosse, der in Rio bekannten Ue und Celsinho da Vila, ordneten zum Zeichen der "Trauer" in neun Stadtvierteln im Norden und Westen Rios die Zwangsschließung von mehreren Hunderten von Geschäften und Schulen an. Busunternehmen stellten aus Angst vor Unruhen den Betrieb ein. "Ich habe die Polizeipräsenz verstärkt, die Bevölkerung kann ruhig schlafen", meinte in der Nacht die Gouverneurin des Landes Rio, die Sozialistin Benedita da Silva, die "keine Alternative zur Erstürmung der Anstalt" sah. "Wir unterstützen sie", sagte ein Cardoso-Sprecher.

Die Anstalt Bangu im Nordwesten Rios wurde laut Medien von mehr als 300 Polizisten umstellt. Ein Polizeisprecher sagte, die Aufständischen seien im Besitz von mindestens sechs Schusswaffen, vier Handgranaten sowie einer Bombe. Sie hätten die Geiseln an Gasflaschen festgebunden und drohten, sie "in die Luft zu jagen". Die Forderungen der Revoltenführer nach einem Versetzungsstopp und einer Lockerung der Besucher-Kontrollen seien zurückgewiesen worden. Die Revoltenführer unterbrachen derweil die Verhandlungen mit den Behörden bis Donnerstagmorgen.

Die Revolte wird nach Angaben der Polizei vom bekannten Drogenboss Fernandinho Beira Mar angeführt. Der Chef des Drogenhandels in Rio war im vergangenen Jahr in Kolumbien dingfest gemacht worden. Dem 35- Jährigen, der zu mehr als 400 Jahren Haft verurteilt wurde, werden enge Verbindungen zur Drogenmafia und zur Guerilla Kolumbiens nachgesagt. Er wird bezichtigt, vom Gefängnis aus den Drogenhandel weiter anzuführen sowie Gemetzel unter Rivalen angeordnet zu haben. "Er will die Führung der Drogengeschäfte in ganz Brasilien übernehmen und liquidiert seine Rivalen", sagt der Sicherheitssekretär des Landes Rio, Roberto Aguiar.

Die 1988 gebaute Anstalt Bangu gilt als das sicherste Gefängnis in Brasilien. Sie hat mehr als 8000 Insassen, die alle als sehr gefährlich eingestuft werden. Der Leiter der Anstalt, Ricardo Couto, wurde noch am Mittwoch von da Silva des Amtes enthoben.

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