Staatsschutz übernimmt Ermittlungen
Anschläge auf jüdischen Friedhof und sowjetische Ehrenmale

Einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den jüdischen Friedhof in Berlin-Charlottenburg und den Hakenkreuz- Schmierereien auf dem sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Marzahn gab es noch keine heiße Spur zu den Tätern.

dpa BERLIN. Zu der Explosion auf dem Jüdischen Friedhof sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Sonntag, die Art des feigen, symbolischen Anschlags lasse auf eine rechtsextreme Täterschaft schließen. Auf der Ostseeinsel Usedom warfen Unbekannte in der Nacht zum Sonntag einen Brandsatz auf das sowjetische Ehrenmal in Ahlbeck.

Wegen des Verdachts auf einen extremistischen Hintergrund hat in Berlin jeweils der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Bei der Suche nach den Tätern wird laut Körting sowohl im rechtsextremen Milieu als auch im Bereich des arabischen Terrorismus ermittelt. Über einen möglichen Zusammenhang beider Taten gibt es bislang keine Erkenntnisse. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und die Jüdischen Gemeinde verurteilten die Anschläge.

Letzte Ruhestätte für Hans Rosenthal

Der betroffene Friedhof war 1953 angelegt worden. Zu den etwa 5000 Menschen, die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, gehören unter anderen der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski, der TV-Entertainer Hans Rosenthal und die Künstlerin Lotti Huber. Auf das Grabmal von Galinski waren im September und im Dezember 1998 Anschläge verübt worden.

Anwohner des Jüdischen Friedhof hatten am Samstag um 19.40 Uhr «einen größeren Knall wie von einer Explosion» gehört und bei der Polizei gemeldet. Untersuchungen ergaben, dass ein mit Sprengstoff gefüllter metallischer Gegenstand über die Mauer geworfen worden war. Es habe sich um einen selbst gefertigten Sprengkörper gehandelt, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes, Peter-Michael Haeberer. Die Detonation verursachte leichten Sachschaden. Mehrere Scheiben einer zum Friedhof gehörenden Synagoge sowie einige Vasen im Lichthof wurden zerstört. Menschenleben waren nicht in Gefahr.

Friedman: "Akt der Barbarei"

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, verurteilte den Anschlag als einen "Akt der Barbarei". Friedman sagte der dpa, dass es auch noch im Jahre 2002 Anschläge auf jüdische Friedhöfe gebe, zeige, wie ernst der Antisemitismus in der deutschen Gegenwart zu nehmen sei. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Alexander Brenner, sagte, die Berichterstattung der Medien über die Lage im Nahen Osten trage dazu bei, dass jüdische Institutionen derzeit besonders gefährdet seien.

Am Samstagvormittag war die Schändung des Städtischen Friedhofs in Berlin Marzahn entdeckt worden. Die Tatzeit blieb zunächst unklar. Das Grabmal zum Gedenken an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten war mit Hakenkreuzen und anderen verbotenen NS- Zeichen besudelt worden. Zahlreiche Grabsteine in dem Areal sind umgestoßen worden und teilweise zerbrochen.

An dem sowjetischen Ehrenmal in Ahlbeck wurde der Betonsockel leicht beschädigt, nach Angaben der Polizei sind Brandspuren zu sehen. In Rostock schmierten ebenfalls Unbekannte antisemitische Parolen an die Hauswand eines Postamtes im Stadtteil Reutershagen.

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