Stabilisierung auf den wichtigsten Absatzmärkten Nordamerika und Westeuropa nicht gesichert: Bei Automobilaktien droht der Rückschlag

Stabilisierung auf den wichtigsten Absatzmärkten Nordamerika und Westeuropa nicht gesichert
Bei Automobilaktien droht der Rückschlag

Die Aussichten für das gerade begonnene Jahr sind verhalten. Weil Automobilaktien schon in den vergangenen Monaten zum Teil deutlich an Wert gewonnen haben, ist in der nächsten Zeit mit Rückschlägen zu rechnen.

HB DÜSSELDORF. Automobilaktien genießen in Börsen- und Finanzkreisen derzeit nicht den allerbesten Ruf. Die meisten Papiere haben in der Zeit vor dem Jahreswechsel zum Teil deutlich zulegen können und die Verluste nach den Terroranschlägen in den USA mehr als wettgemacht. In den aktuellen Kursen - auch am Donnerstag gab es noch einmal leichte Zuwächse - ist auch die Hoffnung auf eine bald beginnende konjunkturelle Erholung eingepreist. Fachleute warnen vor zu hohen Erwartungen. "Da besteht eine gewisse Rückschlagsgefahr", sagt Albrecht Denninghoff, Automobilanalyst bei der Hypovereinsbank in München.

Viele seiner Kollegen gewähren dem Automobilsektor im Vergleich mit anderen Branchen derzeit nur eine neutrale Bewertung. "Die Stabilisierung in Nordamerika und Westeuropa steht noch auf tönernden Füßen", glaubt Erik Burgold von der BHF-Bank in Frankfurt am Main. In schwachen konjunkturellen Zeiten "schlägt Klasse die Masse". Deshalb haben Großserienhersteller wie Renault und Fiat derzeit mehr Probleme als Premiumanbieter. BMW und Porsche laufen die Kunden im Moment nicht so schnell weg wie der Konkurrenz.

Porsche genießt in Finanzkreisen als extrem ertragsstarker Hersteller den besten Ruf unter allen Automobilfirmen. "Für uns ist das weiterhin eine nachdrückliche Kaufempfehlung", sagt BHF-Spezialist Burgold. Auch sein Münchener Kollege Denninghoff bescheinigt dem Papier beste Perspektiven. Über zwölf Monate könnte sich die Porsche-Aktie bis auf 560 ? vorarbeiten - im Moment sind es noch gut 420 ?. Mit dem neuen Geländewagen "Cayenne", den das Stuttgarter Unternehmen im Herbst auf den Markt bringen wird, habe der Sportwagen-Anbieter einen echten Trumpf im Ärmel.

Chrysler unter Druck

Der Daimler-Chrysler-Konzern steht mit seinem Modellprogramm für beide Richtungen: In den USA ist das Unternehmen mit Chrysler ein echter Massenhersteller, die deutsche Marke Mercedes besetzt das Premiumsegment. In den kommenden Monaten wird die US-Sparte beweisen müssen, dass die im vergangenen Jahr eingeleitete Sanierung auch tatsächlich gelingt. Auf der kommenden Woche beginnenden Detroit Motor Show, der wichtigsten Automobilmesse in den Vereinigten Staaten, wird dies wahrscheinlich eine der am heißesten debattierten Fragen sein.

Die Konkurrenten setzten Chrysler vehement unter Druck, insbesondere General Motors (GM): "GM besitzt die höchste Netto-Cash-Position", erläutert Markus Plümer von der Düsseldorfer WestLB. Der größte Automobilkonzern der Welt nutze seine Finanzkraft dazu, um immer wieder neue Rabattprogramme oder Finanzierungspakete für US-Kunden aufzulegen. Chrysler könne da nur schwer mithalten.

Umso schwerer fällt bei Daimler-Chrysler eine mögliche Anlageentscheidung. Jürgen Pieper vom Frankfurter Bankhaus Metzler sieht in dem Papier des Stuttgarter Konzerns trotzdem einen echten Kauf. Derzeit deute alles darauf hin, dass die Sanierung gelinge. "Die aktuellen Ertragsschätzungen könnten übertroffen werden", glaubt der Automobilspezialist.

Auch die Landesbank Baden-Württemberg sieht überwiegend positive Anzeichen. "Bei den ersten Anzeichen eines Aufschwungs dürfte die Phantasie einer erfolgreichen Restrukturierung für eine Höherbewertung der Aktie sorgen", so Autoanalyst Fabian Brunner.

Unterschiedlich erfolgreich sind im Moment die beiden französischen Automobilhersteller. Während der Druck auf Renault nach zwei Gewinnwarnungen wächst, profitiert PSA (Peugeot-Citroën) von seiner jungen Modellpalette.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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