Stabilisierung möglich
Verbraucherstimmung hellt sich etwas auf

Die Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich nach dem Ende des Irak-Krieges etwas aufgehellt. Vor allem die hohe Arbeitslosigkeit verhindert nach Ansicht von Experten aber, dass sie mehr Geld ausgeben.

Reuters BERLIN. Der von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) monatlich ermittelte Konsumklima-Indikator stieg für Mai auf 3,9 nach 3,7 Punkten für April, wie die GfK am Dienstag mitteilte. Entgegen der Befürchtungen habe der Irak-Krieg offenbar keine negativen Auswirkungen auf das Konsumklima gehabt, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Obwohl sich die Konjunktur- und die Einkommenserwartungen der Verbraucher verbesserten, gab der Teilindikator zur Anschaffungsneigung nach. Banken-Volkswirte sagten, die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt wirke wie eine Konsumbremse.

Aus einer Befragung von rund 2 000 Personen berechnet die GfK jeweils das Konsumklima für den Folgemonat. Werte über Null weisen auf einen Zuwachs, Werte darunter auf einen Rückgang des realen privaten Verbrauchs zum Vorjahr hin. Auf den privaten Konsum entfallen rund 60 % des Bruttoinlandsprodukts.

Erster Konsumklima-Anstieg seit über zweieinhalb Jahren

Die deutschen Verbraucher ließen sich in den Kriegswochen offenbar nicht so stark die Kauflaune verderben wie befürchtet. Der GfK-Konsumklimaindikator stieg sogar zum ersten Mal seit August 2000. Bürkl machte als Ursache aus, dass sich relativ schnell abgezeichnet habe, dass der Krieg nur von kurzer Dauer sein würde. Entsprechend stiegen auch die Konjunkturerwartungen der Verbraucher. Der entsprechende Teilindikator stieg mit minus 21,9 auf den höchsten Wert seit sechs Monaten, ebenso der Indikator zu den Einkommenserwartungen mit minus 15,5 Punkten.

Volkswirte nannten es aber erstaunlich, dass sich zugleich der Indikator zur aktuellen Konsumneigung um knapp sechs Punkte auf minus 32,3 Zähler verschlechterte. Bürkl erläuterte, bei steigender Arbeitslosigkeit werde die Verunsicherung der Konsumenten nicht weichen können. "Wenn man um seinen Arbeitsplatz bangt, legt man das Geld auf die hohe Kante", sagte auch Bernd Weidensteiner von der DZ Bank. An Konsumausgaben werde nicht gedacht. Bürkl konstatierte: "Der Konsumfrühling lässt weiter auf sich warten."

Politik verdirbt Konsumenten die Kauflaune

Nach Einschätzung der Volkswirte verdirbt aber auch eine fehlende Reformperspektive den Verbrauchern die Kauflaune. DekaBank-Analyst Andreas Scheuerle nannte es überraschend, dass bei dramatisch steigender Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen sowie drohenden Beitragssteigerungen zu den Sozialversicherungen die Stimmung nicht noch schlechter sei. Für die Konsumenten sei zudem nicht transparent, was in der Politik passiere: "Die Verbraucher erleben eine Desillusionierung nach der anderen."

Auch die deutschen Unternehmen hatten sich nach Kriegsende schnell wieder den heimischen Wirtschaftsproblemen zugewandt, wie der überraschende Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex im April gezeigt hatte. In den USA hatte sich nach dem Ende der Kämpfe im Irak die Verbraucherstimmung ebenfalls aufgehellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%