Stabilität und Sicherheit sind keine verlässlichen Indikatoren mehr
Immobilienaktien haben wenig Charme

Die Liste der börsennotierten deutschen Immobilienunternehmen wird zunehmend länger. Die Aktien reiner Bestandshalter bieten allldings durch ihre konservative Anlagestrategie vergleichsweis wenig Kurphantasie.

DÜSSELDORF. Die Liste der börsennotierten deutschen Immobilienunternehmen wird zunehmend länger: Standen auf dem Kurszettel vor wenigen Jahren lediglich einige Nachfolger ehemaliger Industrie- und Bergwerksgesellschaften - zum Beispiel die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG oder die IVG Holding AG - so gibt es heute bereits 58 börsennotierte Immobilienunternehmen.

Jedes Jahr gliedern weitere private oder öffentliche Unternehmen, Brauereien oder Industrieunternehmen ihren Immobilienbesitz in eigenständige Gesellschaften aus, um sie an die Börse zu bringen. Zuletzt wagten die Deutsche Euroshop und Vivacon den Gang an die Börse.

Allerdings gleicht eine Immobilien AG noch lange nicht der anderen. Es gibt große Unterschiede im Hinblick auf die Sparten, die geographischen Märkte oder die Nutzung der Immobilien. Von der DBVI über die TAG bis hin zur IVG und WCM wird ein weiter Bogen gespannt. Hier sind Bestandshalter, Projektentwickler und Unternehmen, die sich auf den Handel mit Beteiligungen spezialisiert sind, in bunter Reihe gemischt. Einige Aktiengesellschaften investieren in internationale Büroobjekte andere wiederum ausschließlich in Wohnimmobilien. Damit verbunden sind zwangsläufig unterschiedliche Chancen und Risiken für Anleger.

Reine Bestandshalter wie die DBVI bieten durch ihre konservative Anlagestrategie vergleichsweise wenig Kursphantasie. Dies gilt auch für die Horten AG. Der ehemalige Kaufhauskonzern hat das Kerngeschäft veräußert und betreut heute ausschließlich den eigenen Immobilienbesitz. Daneben gibt es auf dem deutschen Kurszettel auch einige Projektentwickler wie die Hamborner AG oder die IVG, die in risikoreicheren Geschäftsfelder tätig sind.

"Wir empfehlen sehr diversifiziert in Immobilienaktien zu investieren", betont Stefan Leibold, Fondsmanager bei der Privatbank Ellwanger und Geiger in Stuttgart und ergänzt: "In den Immobilienbereich wird typischerweise investiert, um ein geringes Verlustrisiko zu haben."

Doch auch Immobilienaktien sind nicht gegen Verluste gefeit. Vor dem 11. September 2001 war die Einjahresperformance im Plus - jetzt sieht es ganz anders aus. Zwar sind die Aktien der IVG (+9,36 %), der Deutschen Euroshop AG (+13,11 %) oder der Bayerischen Immobilien-AG (+10,79 %) seit Jahresbeginn gestiegen, doch notieren Deutsche Euroshop und Vivacon weit unter ihrem Ausgabepreis. Auch die Pleiten von Isenbeck, Steucon und Ravensberger Baubetreuung dürften vielen Anlegern noch schmerzvoll in Erinnerung sein.

Überhaupt sind nur wenige der 58 börsennotierten Immobilienunternehmen für Kapitalanleger interessant. "Auf dem deutschen Kurszettel gibt es eine Vielzahl kleinerer Unternehmen, die nur technisch gelistet sind", erläutert Uta Gardewischka, Analystin bei der Deutschen Bank. Sie fügt hinzu: "Diese Unternehmen haben nur ein geringes Handelsvolumen und einen geringen Free Float." Aber nur ein hoher Aktienumlauf in Verbindung mit einem liquiden Börsenhandel sorgt dafür, dass der Kurs auch tatsächlich die Nachfrage widerspiegelt und nicht künstlich hergestellt wird. Kurz: Nur wenige deutsche Immobilienaktien sind fungibel.

Sicherheit und Stabilität allein reichen nach Ansicht von Analysten als Argumente nicht aus, um Immobilienaktien zu kaufen. Wer Sicherheit sucht, sei mit festverzinslichen Bundesanleihen oder offenen Immobilienfonds besser bedient. Diese Papiere seien zudem weitgehend frei von starken Kursschwankungen.

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