Stabilitätskrise im Bankensektor befürchtet
Aktien und Anleihen in der Türkei im Tiefflug

Befürchtungen über eine Krise des türkischen Bankensektors haben die dortigen Geldmarktsätze steigen lassen. Die Deutsche Bank ist nach eigenen Angaben nicht in größerem Ausmaß mit Krediten in dem Land engagiert. Die Commerzbank sagte, man mache grundsätzlich keine Angaben zu einzelnen Länderrisiken.

Bloomberg/vwd ISTANBUL/FRANKFURT/M. Türkische Aktien und Anleihen sind am Dienstag stark eingebrochen. Der Benchmark-Aktienindex verlor neun Prozent und fiel mit 9 642 Zählern auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr. Auch die Anleihekurse sackten ab und katapultierten die Rendite für eine Anleihe mit Fälligkeit im Dezember 2001 um zehn Prozentpunkte auf 60,45 Prozent.

Investoren sind besorgt, dass die Regierung mit ihren Versuchen, die Wirtschaft in den Griff zu bekommen und gleichzeitig einen Abfluss von Dollars aus dem Land zu verhindern, keinen Erfolg hat. Die Krise bedroht vor allem das türkische Bankensystem. In den vergangenen zwei Jahren musste die Regierung bereits mehr als zehn bankrotte Banken übernehmen. Nach Auffassung von Analysten sollte die Regierung den türkischen Festnetzbetreiber Turk Telecom verkaufen, um das Vertrauen der Anleger wiederzuerlangen und zu verhindern, dass die Krise ihr Wirtschaftsprogramm untergräbt. "Die Banken verlieren Geld, weil die Zinsen so stark gestiegen sind. Wenn die Zinsen nicht bald sinken, werden viele Banken in Schwierigkeiten kommen", prognostiziert Alim Telci, Analyst bei Raymond James Securities in Istanbul. "Die Regierung müsste umgehend etwas Grundlegendes unternehmen, um das Vertrauen wiederherzustellen."

"Turk Telecom muss verkauft werden"

Der türkische Premierminister Bülent Ecevit erklärte, dass die Regierung "in Verhandlungen mit dem Transportminister" Enis Oksuz stehe. Bisher sind alle Versuche, einen Anteil an Turk Telecom zu verkaufen, daran gescheitert, dass Oksuz die Kontrolle über das Management des Unternehmens nicht abgeben wollte. Die Regierung wolle die Angelegenheit auf der nächsten Kabinettssitzung besprechen, sagte Ecevit. Die Krise erschwert auch die Umsetzung des Wirtschaftsprogramms, das mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) abgestimmt ist. "Ich denke, dass die Regierung sich entweder für ihr Wirtschaftsprogramm oder für Oksuz entscheiden muss", sagt Turgut Tokgoz, Chefvolkswirt bei Eczacibasi Securities in Istanbul. "Turk Telecom muss verkauft werden, und die Regierungskoalition wird es gegen seinen Widerstand verkaufen müssen." Der Verkauf würde einige Milliarden Dollar in die Kassen des Staates spülen. Die Zinsen könnten sinken, und der Druck auf das Bankensystem wäre nicht mehr so groß.

Die Türkei hat gegenüber dem IWF versprochen, das Bietverfahren für einen Anteil an Turk Telecom spätestens am 15. Dezember zu eröffnen und den Verkauf im ersten Quartal des nächsten Jahres abzuschließen. Im September scheiterte ein erster Verkaufsversuch, weil sich kein Bieter fand. "Wenn sie erklären, dass sie die Kontrolle über das Management abgeben und alles für den Verkauf Notwendige unternehmen wollen, verbessert sich die Stimmung am Markt vielleicht", hofft Ece Demircioglu, Leiter International Sales und Trading bei Garanti Securities in Istanbul.

Will die Regierung das Vertrauen wiederherstellen, muss sie sich beeilen. Am Dienstag hat die türkische Zentralbank Devisen im Wert von 1,2 Milliarden Dollar verkauft, um ein weiteres Abrutschen der türkischen Lira zu verhindern. Seit Montag letzter Woche hat sie zu diesem Zweck bereits 3,8 Millionen Dollar an Fremdwährungsreserven verkauft.



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