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Stada: Gute Geschäfte mit billigen Kopien

Als "Nachahmer", "Billigkopierer" oder "Produktpiraten" beschimpfen die forschenden Pharmakonzerne die Generikahersteller. Für Hartmut Retzlaff, Chef der Stada Arzneimittel AG, sind das Komplimente: "Das ist eine Ehre für uns." Sein Generikaunternehmen hat sich darauf spezialisiert, Medikamente mit abgelaufenem Patentschutz nachzubauen und deutlich billiger als die Orginalpräparate zu verkaufen. "Ein wachstumsstarkes Geschäft", freut sich Retzlaff.

Seit sechs Jahren liefert der Mittelständler aus Bad Vilbel denn auch Rekordzahlen. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz voraussichtlich um 15 Prozent auf rund 540 Millionen Euro, der Jahresüberschuss kletterte schätzungsweise um 41 Prozent auf rund 26 Millionen Euro. Stada zählt damit zu den dynamischsten Unternehmen der Branche. Mit einem Kursanstieg von 68,5 Prozent gehörte die Stada-Aktie 2001 zu den Top-Fünf-Gewinnern im MDax.

Und die Ziele der Hessen sind weiterhin ehrgeizig: "Wir trauen uns zu, bis 2005 pro Jahr beim Umsatz um 15 Prozent zu wachsen", erklärt Stada-Finanzvorstand Wolfgang Jeblonski. Eine durchaus realistische Prognose, wie das Analystenteam der DZ Bank in einer Studie schreibt. Denn Generikahersteller befinden sich im Aufwind. Patentabläufe - bis 2005 verlieren weltweit Medikamente im Wert von 43 Millarden Euro ihren Rechtsschutz - und die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen führen zu überdurchschnittlichen Wachstumsraten bei den Nachahmern. Während der Markt für klassische Pharmaprodukte in den kommenden Jahren um acht Prozent wächst, legt der Generikaabsatz laut Marktforschungen um 14 Prozent zu.

So profitieren die Hessen, nach Hexal und Ratiopharm die Nummer drei auf dem deutschen Markt, von der Gesundheitsreform hier zu Lande. Seit Ende Februar gilt die so genannte Aut-idem-Regelung, wonach Arzte nur noch Wirkstoffe verschreiben und die Apotheker dem Patienten ein Medikament aus dem unteren Preisdrittel heraussuchen. Alle Stada-Generika liegen im unteren Preisintervall.

Weiteres Plus: Als ehemalige Apothekergenossenschaft pflegt das Unternehmen enge Beziehungen zu den Pharmazeuten. Ein Großteil der Aktionäre sind Apotheker und Arzte - und damit am Wohlergehen des Unternehmens interessiert. "Wir gehören so oder so zu den Gewinnern des Gesetzes", erklärt Retzlaff. Mögliche Preissenkungen bei den Generika versucht der 48-Jährige mit dem zweiten Standbein, dem Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Präparaten, auszugleichen. Rund 20 Prozent des Umsatzes erzielt Stada mit dem Verkauf von Markenprodukten wie dem Erkältungsmittel Grippostad oder der Sonnencreme Ladival.

Den Bereich mit den "stabilen, hohen Margen" will Retzlaff weiter ausbauen.Derzeit verhandelt er die Übernahme der Vertriebsaktivitäten der italienischen Firma Crinos, die 23 Markenarzneimittel im Portfolio hat. Mit solch gezielten Akquisitionen, vor allem im Ausland, beabsichtigt Retzlaff "in relativ kurzer Zeit europaweit auf den dritten Platz zu kommen". Bislang rangieren die Bad Vilbeler auf Rang sechs inEuropa, wo sie bereits in den Niederlanden, Belgien und Irland gut im Geschäft sind. Erst kürzlich stockte Stada den Anteil an der spanischen Vertriebsgesellschaft Ciclum auf 74 Prozent auf. Und im November 2001 erwarben die Hessen das amerikanische Unternehmen Mova.

Bis 2005 wollen sie im wichtigen US-Markt 100 Millionen Dollar umsetzen. Analysten erwarten aber auch, dass Stada von den Patentabläufen überdurchschnittlich profitiert. "Die Patentrecherche", so Marietta Miemietz von HSBC Trinkaus & Burkhardt, "gehört zu den großen Stärken von Stada". 100 Mitarbeiter kümmern sich um die termingerechte Zulassung, so dass Stada möglichst als erster Anbieter des Generikums auf dem Markt ist. 2001 hat das Unternehmen europaweit die Zulassung von rund 180 generischen Produkten bekommen. Und aktuell laufen Entwicklungsprojekte für mehrere Hundert Mittel - darunter auf dem Gebiet der Biogenerika. In der eigens gegründeten Bioceuticals AG forscht Stada an drei biotechnischen Wirkstoffen wie etwa Epogen, einem Hormon für die Produktion neuer Blutkörperchen. 2005 sollen die ersten Produkte auf den Markt kommen, ab 2008 sollen sie 100 Millionen Euro umsetzen.

Ein ehrgeiziges, aber auch risikoreiches Projekt: Erst Mitte März musste sich Stada von einem Entwicklungsvorhaben verabschieden. Kopien von Biotechwirkstoffen sind viel schwerer zu erstellen als die Generika von chemischen Substanzen. Retzlaff setzt trotzdem auf Biogenerika: "Dort herrscht relativ wenig Wettbewerb, - und es ist gut für unser Image."

Quelle: Wirtschaftswoche

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