Stada will zulegen
Generika-Hersteller spüren keine Schwäche

Die Probleme der Pharmariesen sind zugleich Nährboden für die Hersteller von Nachahmermediakmenten: Weil die Patente für etliche wichtige Arzneimittel auslaufen, sehen die Hersteller von Generika großes Wachstumspotenzial. Aber auch in diesem Segment der verstärkt sich die Konzentration.

 

FRANKFURT/M. Auf dem Markt für preiswerte Kopien von Originalmedikamenten hält das hohe Wachstumstempo an. Nachdem zuvor bereits mehrere US-Konzerne gute Zahlen präsentierten, hat gestern auch der deutsche Hersteller Stada AG die starke Entwicklung im Geschäft mit so genannten Generika untermauert.

Stada steigerte im vergangenen Jahr die Erlöse um 14 % auf rund 538 Mill. Euro und den Jahresüberschuss um knapp ein Drittel auf knapp 25 Mill. Euro, wobei allerdings auch einige Sonderfaktoren Unterstützung leisteten. Klammert man rückläufige Handelsumsätze aus, ist das Kerngeschäft von Stada mit Generika nach eigenen Angaben um 21 % expandiert.

Vorstandschef Hartmut Retzlaff stellt für 2002 und auch für die beiden kommenden Jahre ein Umsatzplus von jeweils mindestens 15 % und deutlich zweistellige Ertragssteigerungen in Aussicht. Grundlage dafür ist eine relativ üppig gefülltes Programm mit Zulassungen für neue Nachahmerprodukte. Stada gilt in dieser Hinsicht als der aktivste Akteur auf dem europäischen Markt.

Die Prognosen des Bad Vilbeler Unternehmens decken sich mit Aussagen etlicher anderer großer Generikahersteller. US-Firmen berichteten für 2001 Umsatzzuwächse zwischen 8 % bei Alpharma bis hin zu mehr als 100 % bei Barr Labs. Die Darmstädter Merck KGaA legte bei Generika um 19 %, Novartis um 23 % zu.

Die Grundlage für den Aufschwung der Branche bietet der Patentablauf bei einer Reihe umsatzstarker Originalmedikamente. Analysten gehen davon aus, dass bis 2005 in den USA Medikamente mit bisher gut 30 Mrd. $ ihren Patentschutz verlieren. Im vorigen Jahr war es vor allem der Patentablauf beim Antidepressions-Mittel Prozac, der etlichen Generikaproduzenten kräftige Zuwächse bescherte.

In Europa kommen nach Schätzung von Stada bis Mitte des Jahrzehnts gut 4 Mrd. Euro Umsatz zusätzlich für Generikaanbieter hinzu. Vor diesem Hintergrund rechnen zum Beispiel die Experten von WestLB Panmure mit einem Wachstum bei Generika von durchschnittlich 11 % pro Jahr, gegenüber 8 bis 9 % im gesamten Pharmamarkt. Die Merck KgaA sieht für dieses etwa 25 Mrd. Euro starke Segment des Pharmamarktes sogar Wachstumsraten von 15 % pro Jahr.

Allerdings zeichnet sich das Geschäft durch vergleichsweise niedrige Margen und harten Wettbewerb aus - was wiederum die Konzentration vorantreibt. Zu den jüngeren Fusionen gehört etwa der Zusammenschluss von Barr Labs und Duramed im vergangenen Jahr. Novartis verstärkte sich durch die Übernahme der Generikaaktivitäten von BASF und Bristol-Myers.

Teva erwarb vor wenigen Wochen die französische Generika-Tochter von Bayer, während Stada das Spaniengeschäft der Leverkusener übernahm und sich in Italien mit der Firma Crinos verstärkte. Ferner hat die Gruppe Anfang des Jahres mit dem Erwerb der Mova Laboratories erstmals auch den US-Markt betreten. Dort will sich Stada vorerst allerdings vor allem auf Nischenprodukte konzentrieren.

Von SIEGFRIED HOFMANN, Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%