Stadt Hannover will vor gericht ziehen
Mehrheit will Verkauf von Gilde an Interbrew

Die hannoversche Traditionsbrauerei Gilde soll nach dem Willen der Mehrheit ihrer Aktionäre an den belgischen Brauriesen Interbrew verkauft werden. Die Stadt Hannover will gegen die Pläne vor Gericht ziehen.

Reuters HANNOVER. Auf der Aktionärsversammlung des Gilde-Hauptaktionärs Brauergilde Hannover AG stimmten am Freitag nach Angaben des Aufsichtsrates mehr als 60 % für den Verkauf. Details zu der geplanten Veräußerung sollen nun bis zum 29. November verhandelt werden. Interbrew als weltweite Nummer drei der Bierbranche hatte kürzlich in Deutschland bereits Beck's und Diebels übernommen.

Bedingung von Interbrew sei eine Mehrheit von mindestens 50,1 %, hieß es. Grundlage des Kaufpreises sei das Angebot des belgischen Konzerns für das gesamte Aktienpaket der Gilde-Brauerei in Höhe von 500 Mill. Euro.

Die Angebote des niederländischen Bieters Heineken sowie der britisch-südafrikanischen Brauerei SAB Miller seien dagegen wegen nicht akzeptabler Bedingungen nicht zum Zuge gekommen, hieß es aus dem Aktionärskreis. Deren Interesse an der hannoverschen Brauerei war vor zwei Wochen von Gilde bestätigt worden. Heineken und SAB hatten sich bislang indes nicht offiziell dazu geäußert.

Im vorigen Jahr wies Gilde 306 Mill. Euro Umsatz und 20 Mill. Euro Gewinn aus. Von den 2001 verkauften 4,2 Mill. Hektoliter Bier der Gilde-Gruppe entfielen 2,3 Mill. auf die bekannteste Marke "Hasseröder".

Die Brauergilde AG, die aus weit über 100 Einzelaktionären besteht, hält gut 85 % an Gilde. In der außerordentlichen Aktionärsversammlung sei es zu kontroversen Diskussionen gekommen. Vor einem Verkauf musste die Satzung der Brauergilde geändert werden, die die Stimmrechte bei der Gilde für Einzelaktionäre auch bei höheren Anteilen auf 5 % begrenzte. Für die Änderung votierten gut 63 %.

Die Stadt Hannover, die ebenfalls Anteile an Gilde hält, kündigte am Freitag an, sie wolle diese Änderung gerichtlich anfechten, um den Verkauf zu verhindern. "Wir sehen gute Chancen. Aus unserer Sicht hätte eine Mehrheit von 75 % für eine solch weit reichende Änderung vorliegen müssen", sagte Stadtkämmerer Stephan Weill. Die Garantien von Interbrew für den Erhalt der 850 Arbeitsplätze an den drei Standorten Hannover, Braunschweig und Wernigerode seien keineswegs ausreichend.

Auch der Betriebsrat zeigte sich enttäuscht. Es sei zu befürchten, dass sich der künftige Eigner bei Gilde nur auf die bundesweit bekannte und stärkste Tochter "Hasseröder" konzentrieren werde. Die anderen Tochtermarken "Gilde Pilsener" und "Wolters Pilsener" haben nur regionale Bedeutung.

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