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Stadt in Angst

Entführungen gehören in Mexiko-Stadt inzwischen zum Alltag der Menschen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden dieses Jahr bereits 66 Menschen verschleppt.

Entführungen gehören in Mexiko-Stadt inzwischen zum Alltag der Menschen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden dieses Jahr bereits 66 Menschen verschleppt. Aber wenn man weiß, dass die überwiegende Zahl der Entführungen nicht gemeldet wird, lässt sich die wahre Dimension dieses Verbrechens nur erahnen. Dementsprechend war bisher zwar das Klagen über die Entführungen groß, aber es war doch immer das Schicksal, das irgendeinen Unbekannten trifft.

Das hat sich diese Woche schlagartig geändert. Und seither sind die mexikanische Hauptstadt und die Medien in heller Aufregung. Denn in einem hollywoodreifen Überfall wurde am Dienstag der Trainer des mexikanischen Fußball-Spitzenclubs Cruz Azul, Rubén Omar Romano, auf offener Straße gekidnappt. Der argentinische Coach, der seit Jahren in Mexiko lebt, wurde in unmittelbarer Nähe des Trainingsgeländes seines Clubs im Süden von Mexiko-Stadt von fünf bewaffneten Männern aus seinem Auto gezerrt und verschleppt. Romano trainiert seit sechs Jahren verschiedene Erstligaclubs in Mexiko. Vorher hatte er für mehrere mexikanische Vereine gespielt.

Das Thema dominiert die Titelseiten fast jeder der 25 Zeitungen, die täglich in der mexikanischen Hauptstadt erscheinen. Kein Wunder: Es wäre ungefähr so, als würde man in Deutschland Ralf Rangnick, den Trainer von Schalke 04 vor dem Trainingsgelände kidnappen. Cruz Azul ist einer der bekanntesten und beliebtesten Vereine im fußballverrückten Mexiko. Aber vor allem: Mit der Entführung eines der bekanntesten Trainer des Landes hat das Verbrechen plötzlich ein bekanntes Gesicht bekommen. In Talkshows diskutieren Experten die Gründe und die Lösungen der Entführungsplage. Nach einer Untersuchung der Universität UNAM sind angeblich Studenten die Hauptbetroffenen der Kidnappings. Inzwischen gibt es sogar eine Sicherheitsfirma die anbietet, die Verschleppten auf eigene Faust aus der Hand ihrer Peiniger zu befreien. Denn der Polizei vertrauen die Mexikaner im Zweifel noch weniger als den Entführern.

Verschleppungen im Umfeld von Profi-Fußballern sind in Lateinamerika im übrigen keine Seltenheit. Aber die Entführung des 47jährigen Romano ist die erste, die einen Spieler oder einen Trainer direkt trifft.

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