Stadtstaat ordnet Massenquarantänen an: Singapur schließt seine Schulen

Stadtstaat ordnet Massenquarantänen an
Singapur schließt seine Schulen

Die Regierungen in Singapur und Hongkong verschärften am Donnerstag ihren Kampf gegen die mysteriöse Virus-Grippe dramatisch. Singapur schloss für zehn Tage sämtliche Schulen in dem Stadtstaat und brummte damit 600 000 Schülern eine Quarantäne auf. Hongkong, das bislang zehn Opfer der mysteriösen Krankheit zählt, kündigt ebenfalls die Schließung aller Schulen an.

mg PEKING. Taiwans Hauptstadt Taipeh erklärte den medizinischen Notstand. Und die Rolling Stones sagten zwei zentrale Konzerte am kommenden Wochenende in Hongkong ab. Mehr als 1 300 Menschen sind weltweit an der geheimnisvollen Virusgrippe erkrankt und mindestens 53 daran gestorben, 34 davon in China, wo die Krankheit offenbar ihren Ausgang nahm. Nach offiziellen Zahlen sind dort zuletzt 800 Menschen erkrankt.

Die zweifellos gravierendsten Folgen hat die epidemieartige Ausbreitung der Lungenkrankheit - die nach erstem Eindruck nur in 4 % aller Fälle tödlich verläuft, aber leicht übertragen werden kann - in der Exkolonie. In der lokalen Berichterstattung in Singapur und Hongkong hat die in regionalen Zeitungen als "killer pneumonia" bezeichnete Lungenkrankheit den Irak-Krieg aus den prominentesten Schlagzeilen verdrängt. Der Newsroom der führenden englischsprachigen Zeitung South China Morning Post in Hongkong gleicht einem riesigen Lazarett, dort arbeiten 300 Journalisten mit Gesichtsmasken. Die Menschen sind zunehmend beunruhigt. Vereinzelt macht sich Panik breit. "Vergessen Sie alle Scud-Raketen und intelligenten Bomben, wir könnten alle an dieser Krankheit sterben", zeterte gestern in einem Hongkonger Bezirk aufgeregt die Hausfrau Shirley Li, als sie ihren Sohn in einer Atemmaske zur Schule brachte. In Hongkongs Drogerien und Supermärkten sind kaum noch solche Masken zu finden, weil die Krankheit nach Kliniken und Flugzeugen nun die offene Straße erreicht hat und die Sorge wächst, das Problem könnte außer Kontrolle geraten.

In Hongkong, wo der Tourismus 6 % zum Bruttoinlandprodukt beiträgt, ist die Zahl der Besucher um 30 % zurück gegangen. Die Buchungen für Reisegruppen brechen gar um 80 % ein. Die Deutsche Bank hat ausgerechnet, dass Hongkongs Sozialprodukt in diesem Jahr wegen der Epidemie um 0,4 % geringer ausfallen könnte, der Einzelhandel und die Hotellerie könnten 2 bzw. 5 % einbüßen.

Dramatischste Maßnahmen werden ergriffen

Die dramatischste Maßnahme ergriffen gestern die Behörden in Singapur, wo 600 000 Schüler bis zum 6. April zu Hause bleiben müssen. In Singapur sind bislang zwei Personen an der Lungenkrankheit gestorben, über 70 haben sich infiziert, 861 Menschen wurden unter Androhung empfindlicher Strafen für einige Tage in ihre Häuser verbannt. In der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh wurde gestern medizinischer Großalarm ausgelöst, nachdem ein lokales Unternehmen berichtet hatte, fünf seiner Angestellten hätten nach der Rückkehr aus China Symptome der Krankheit gezeigt.

Währenddessen wird China heftig dafür kritisiert, dass es Details über die Ausmaße der Epidemie zurückhält. Eine Delegation der Weltgesundheitsbehörde, die in Peking weilt, durfte bislang nicht nach Guangdong reisen, Chinas Boomprovinz gegenüber von Hongkong, wo die Epidemie ihren Ausgang nahm. Die staatlichen Medien in China berichten fast nichts über die Ausbreitung der Krankheit. In Peking und Schanghai informieren sich verunsicherte Chinesen in den Büros ausländischer Firmen. Hinter vorgehaltener Hand bestätigen westliche Ärzte, dass es in Pekinger Kliniken ebenfalls Fälle der Krankheit gebe.

Immer öfter wird von offiziellen Stellen der Rat erteilt, Menschenansammlungen zu meiden. Die Ärzte raten den immer zahlreicher in die Krankenhäuser strömenden Menschen, viel zu trinken und Vitamin C zu schlucken. "Es mangelt an Transparenz und das Festland blockiert Informationen", polterte das China-Büro bei der Regierung in Taiwan. "Es gibt den Verdacht, dass Gesundheitsbeamte und die Führung des Landes diesen sensiblen Sachverhalt meiden, weil sie fürchten, er könne dem Image schaden", schreibt die South China Morning Post.

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