Städte im Westjordanland abgeriegelt
Mindestens zehn Tote bei neuer Explosion der Gewalt in Nahost

dpa/afp JERUSALEM. Bei den schlimmsten Zusammenstößen in Nahost seit Mitte November sind am Freitag mindestens zehn Menschen getötet und weit über 100 verletzt worden. Der blutigste Zwischenfall ereignete sich bei Dschenin im Westjordanland, wo bei einem israelischen Granaten-Angriff vier palästinensische Polizisten und ein Zivilist getötet wurden.

Bei Anschlägen bewaffneter Palästinenser wurden im Westjordanland insgesamt drei israelische Siedler getötet, davon zwei bei Kiriat Arba und einer bei Jericho. Bei Zusammenstößen israelischer Sicherheitskräfte und palästinensischer Demonstranten in der Altstadt Jerusalems und im Westjordanland starben im Tagesverlauf mindestens zwei Palästinenser, Dutzende von Menschen wurden verletzt.

Nach palästinensischen Angaben beschossen israelische Panzer am Nachmittag ohne ersichtlichen Grund ein Polizeirevier bei Dschenin. Dabei seien fünf Palästinenser gestorben. Im Widerspruch dazu beschrieb sie der israelische Rundfunk als Mitglieder einer Terrorgruppe, die unterwegs zu einem Anschlag gewesen seien.

Heftige Zusammenstöße nach Freitagsgebet

Nach den moslemischen Freitagsgebeten auf dem Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt war es zu heftigen Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Polizisten gekommen, bei denen Dutzende Palästinenser und 21 Polizisten verletzt wurden. Am zweiten Freitag des Fastenmonats Ramadan hatten etwa 40 000 Palästinenser an den Gebeten teilgenommen.

Die Polizei ließ nur palästinensische Bewohner Ost-Jerusalems auf das Plateau, um Unruhen zu verhindern. Nach dem Gebet flammte in den Gassen der Altstadt jedoch wieder die Gewalt auf: Hunderte junger Palästinenser bewarfen Polizisten mit Steinen. Diese feuerten Hartgummi-Stahlgeschosse auf die Demonstranten und setzten Tränengas ein.

Kurz darauf griffen die Unruhen auch auf das Westjordanland über. In der Umgebung mehrerer Autonomiestädte wie Ramallah und Bethlehem kam es zu Zusammenstößen israelischer Soldaten und palästinensischer Demonstranten. Dabei wurde am Rande Bethlehems ein jugendlicher Palästinenser erschossen. Bei Ramallah kam es zu Schusswechseln.

Bei den Konfrontationen in der Altstadt Jerusalems erlitt ein 16 Jahre alter Palästinenser einen Kopfschuss, an dem er später starb. Auch mehrere Journalisten wurden nach Rundfunkberichten durch Steinwürfe und Schüsse verletzt. Am Löwentor im Osten der Altstadt spielten sich Kampfszenen ab. Hunderte wütender Palästinenser bewarfen die Polizisten von den Mauern des Tempelbergs mit Steinen. Die Palästinenser stürmten ein nahe gelegenes israelisches Polizeirevier, verwüsteten die Inneneinrichtung und setzten das Gebäude in Brand.

Straßenblockaden im Westjordanland

Bei dem Anschlag in der Nähe von Kiriat Arba war eine Lehrerin aus der jüdischen Siedlung Beit Chagai bei Hebron, die unterwegs zur Arbeit war, sofort getötet worden. Ein weiterer Siedler wurde schwer verletzt, als bewaffnete Palästinenser beim Überholen des Siedler- Fahrzeugs das Feuer eröffneten. Der Schwerverletzte starb später im Krankenhaus in Jerusalem. Die Angreifer konnten entkommen. Aus Protest gegen den Anschlag blockierten israelische Siedler am Freitag mehrere Straßen im Westjordanland. Am Nachmittag eröffneten Palästinenser bei Jericho das Feuer auf einen Bus. Dabei wurden ein Israeli getötet und eine Frau verletzt.

Israel hatte seine Armee am Freitag in höchste Alarmbereitschaft versetzt, weil angesichts des 13. Jahrestags des ersten Palästinenseraufstands (Intifada) eine weitere Eskalation der Gewalt befürchtet wurde. Radikale palästinensische Gruppen hatten den Freitag und Samstag zu "Tagen des Zorns" erklärt und zu Protestaktionen gegen Israel aufgerufen. Die in den vergangenen Tagen erheblich abgeflauten Unruhen in den Palästinensergebieten hatten am 28. September nach dem Besuch des israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem Tempelberg begonnen. Bislang wurden dabei mehr als 320 Menschen getötet, davon mindestens 285 Palästinenser.

Israel riegelt Städte im Westjordanland ab

Die israelische Armee hat am Freitagabend alle Städte des Westjordanlands abgeriegelt, die unter palästinensischer Verwaltung stehen. Außer aus humanitären Gründen dürfe niemand die Gebiete unter palästinensischer Kontrolle verlassen oder betreten, teilte die Armee in Jerusalem mit.

Das Westjordanland ist in insgesamt drei Zonen unterteilt, die unter israelischer, palästinensischer oder gemeinsamer Kontrolle stehen. Bei den Zusammenstößen zum "Tag des Zorns", mit dem die Palästinenser den Beginn der ersten Intifada vor 13 Jahren gedachten, waren zuvor mindestens zehn Menschen getötet worden.

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