Staedtler ist bei Innovationen Spitze
Die Stifte mit dem Marskopf

Staedtler gehört weltweit zu den größten Herstellern von Schreibgeräten. Die Nürnberger setzen auf "Made in Germany".

NÜRNBERG. So viel Tradition findet sich selten in der deutschen Industrie: Bis ins Jahr 1662 lassen sich die Spuren der Firma Staedtler zurückverfolgen. An dem, was das Unternehmen macht, hat sich seitdem erstaunlich wenig geändert: Damals wie heute waren Bleistifte eines der wichtigsten Produkte.

Mit der handwerklichen Produktion des Friedrich Staedtler in Nürnberg im 17. Jahrhundert hat die hoch technisierte Fertigung im Jahr 2003 freilich nichts mehr zu tun. Mehrere hundert Millionen Stifte rollen jedes Jahr aus den Maschinen der Staedtler Mars GmbH & Co KG. Die Franken erwirtschaften damit mehr als 260 Mill. Euro Umsatz und gehören mit 3 000 Mitarbeitern zu den größten Schreibgeräte-Produzenten der Welt.

Das Sortiment ist riesig: Vom Kugelschreiber über den Buntstift bis zum Tuschezeichner und der Druckerpatrone finden sich 3 000 verschiedene Produkte im Katalog. Unter der Marke Eberhard Farber produziert Staedtler darüber hinaus unter anderem die Modelliermasse Fimo. Millionen Menschen auf der ganzen Welt greifen jeden Tag zu den Stiften mit dem Kopf des Kriegsgottes Mars, dem traditionellen Kennzeichen der Marke. "Wahrscheinlich sind wir von allen Wettbewerbern international am breitesten aufgestellt", betont Peter Krückel, der das Unternehmen seit drei Jahren führt. 27 eigene Vertriebsniederlassungen verkaufen die fränkischen Stifte weltweit.

Bei der Produktion hingegen setzt Staedtler auf Deutschland. Sicher: Auch Staedtler fertigt im Ausland. Doch der größte Teil der Stifte wird in der fränkischen Heimat hergestellt. "Made in Germany hat einen guten Klang bei unseren Kunden", begründet Krückel die Verbundenheit zur Heimat. Dazu kommt: Die Fertigung läuft auf hoch komplexen Maschinen weitgehend automatisch. Personalkosten spielen deshalb eine geringere Rolle als in anderen Industrien, die aus diesem Grund das Hochlohnland Deutschland verlassen.

Doch auch für Staedtler gilt: Die Stifte dürfen keinen Cent zu teuer sein, und die Qualität muss stimmen. Denn die wichtigsten Wettbewerber werben ebenso mit einem guten deutschen Namen wie Staedtler und sitzen dazu noch gleich vor der fränkischen Haustür: Faber-Castell und Schwan Stabilo.

Dazu kommt: Der Umsatz der Schreibgeräte-Branche stagniert weltweit bei rund 6 Mrd. Euro. In den großen Industrieländern tobt deshalb ein erbitterter Verdrängungswettbewerb. Pro Kopf geben die Leute jedes Jahr nicht mehr als fünf Euro für Stifte aus.

"In schwierigen Zeiten gibt die Marke Orientierung", umschreibt Marketing-Manager Stefan Bodeit das Konzept von Staedtler. Seit dem Amtsantritt der derzeitigen Führungsmannschaft unter Peter Krückel vor drei Jahren arbeitet das Unternehmen konsequent am Markenauftritt. Längst werden keine einzelnen Stifte mehr angeboten, sondern ganze Produktfamilien. Künftig gibt es sogar eigene Staedtler-Shops in Kaufhäusern von Karstadt.

Eines ist am Stiftehersteller Staedtler auf jeden Fall außergewöhnlich: Die Firma gehört einer Stiftung, die 1997 aus steuerlichen Gründen ins Leben gerufen wurde. Zuvor hatten drei Geschäftsführer das Vermögen des Unternehmens treuhänderisch verwaltet, nachdem die Firmenbesitzer Rudolf und Clara Kreutzer die Führung in den 60er Jahren abgegeben hatten.

Heute fördert die Staedtler-Stiftung die Forschung an deutschen Universitäten, insbesondere in der Region Nürnberg. Einen Teil des Gewinns schüttet das Unternehmen an die Stiftung aus, der Rest wird reinvestiert. Krückel: "Deshalb sind wir eines der am besten finanzierten Unternehmen in Bayern."

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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