Stände von 1998 erreicht
Europas Börsen brechen auf breiter Front ein

Die europäischen Aktienbörsen haben am Montag in der Folge von anhaltenden Bilanzierungssorgen, dem schwächeren US-Dollar und Sorgen um die Unternehmensgewinne markant tiefer geschlossen.

Reuters LONDON. Die Börsen erreichten die Stände von 1998. Der DJ-Stoxx50-Index fiel um rund sechs Prozent auf 2654,3 Zähler. Die Stimmung am Markt belastet hätten auch enttäuschende US-Konjunkturzahlen, die die Sorgen um die Entwicklung der US-Wirtschaft genährt hätten. Händler sprachen von Verkäufen auf breiter Front, denen sich kein Sektor entziehen konnte. Der Energiesektor wurde von Abgaben bei den Branchenriesen Royal Dutch, Shell, BP und TotalFinaElf in Mitleidenschaft gezogen. Neben den Telekomtiteln, die von Kursabgaben von rund 13 Prozent bei der deutschen Telekom belastet wurden, litten auch Versicherer, Banken und Finanzwerte unter starkem Abgabedruck. Die Pharmatitel reagierten uneinheitlich auf die Übernahme der amerikanisch-schwedischen Pharmacia durch Pfizer. Mit der Übernahme entsteht ein Pharmariese mit einem Weltmarktanteil von rund zehn Prozent. Pharmacia-Titel schnellten rund 17 Prozent nach oben.

LONDON - Die schwache Wallstreet und die Furcht vor der bevorstehenden Veröffentlichung von enttäuschenden Quartalszahlen liessen die Börse London zu Wochenbeginn auf ein neues Fünfjahrestief absacken. Der FTSE-100-Index lag 5,44 Prozent im Minus bei 3994,5 Zählern. Sorgen um die Verschuldung drückten die Banktitel kräftig ins Minus. HBOS mussten Kursverluste von sechs Prozent hinnehmen, Barclays gaben 7,4 Prozent nach und Lloyds TSB verloren rund sieben Prozent. Die Titel des Erdölkonzerns Shell sackten um über acht Prozent ab. Ein ehemaliger Shell-Manager hatte langfristige US-Stromgeschäfte des Konzerns in Frage gestellt, was neue Bilanzsorgen geschürt habe, sagten Händler. Die Aktien des Konkurrenten BP gaben 7,5 Prozent nach. Telekomwerte wie mmo2, Cable & Wireless oder BT Group büssten über sechs Prozent ein.

ZÜRICH - Die Schweizer Aktien verloren in einem sehr schwachen Börsenumfeld deutlich an Terrain. Am Nachmittag baute der Markt die Verluste unter der Führung von CS Group sowie den grossen Versicherungsaktien auf über vier Prozent aus. Der SMI sank um 4,4 Prozent auf den tiefsten Stand seit dem 24. September 2001 von 5358 Punkten. CS Group brachen über zehn Prozent auf 36,25 sfr ein. Händler führten die negative Sonntagspresse ins Feld; die Unsicherheit um die Konzernspitze der Finanzgruppe belasteten. Dazu kämen die Sorgen um Wertberichtigungen und den Zustand der Finanzerträge in einem Umfeld der Börsenschwäche. Auch UBS sackten um 6,1 Prozent ab. Unter die Räder kamen erneut die Versicherungen, allen voran Swiss Re Baloise, die 8,4 Prozent sanken. Zurich hingegen konnte frühe deutliche Verluste zum Teil wieder wett machen und lagen noch 3,4 Prozent im Minus bei 207 sfr.

PARIS - Die Pariser Börse schloss nahe einem Vierjahrestief deutlich im Minus. Der CAC-40-Index sackte 5,4 Prozent auf 3323,7 Zähler ab. Die Aktien des stark verschuldeten Medienkonzerns Vivendi Universal führten die Liste der Verlierer mit einem Abschlag von 12,5 Prozent an. Sorgen der Anleger um die Finanzierung der Minderheitsanteile an der Gucci Gruppe belastete den Einzelhändler Pinault Printemps Redoute; die Titel rutschten über zehn Prozent ab. France Telecom sowie die Titel der Tochter Orange waren nach ihren deutlichen Gewinnen vom Freitag markant schwächer. Deutlich im Minus schlossen auch Banken wie BNP Paribas oder Credit Lyonnais.

FRANKFURT - Massive Kursverluste bei den Aktien der Deutschen Telekom sowie der Versicherer drückten den Deutschen Aktienindex (Dax) 4,1 Prozent ins Minus auf 3961 Punkte. Börsianer machten zudem die erneut schwachen Vorgaben der US-Leitbörsen für den anhaltenden Kursrutsch verantwortlich. Bei der Telekom gehen die Anleger nach der Einschätzung von Händlern zunehmend davon aus, dass der unter Druck geratene Telekom-Chef Ron Sommer im Amt bleiben wird. Bedenken gegen den als möglichen Nachfolger ins Gespräch gebrachten bisherigen Technik-Vorstand Gerd Tenzer führten am Montag zu einem Kurssturz von mehr als 13 Prozent. Unter Druck standen auch die Aktien der im Dax schwergewichteten Versicherer Allianz und Münchener Rück. Gegen den Trend konnten dagegen Schering-Titel zulegen.

BENELUX - Die Benelux-Börsen notierten belastet von Royal Dutch markant schwächer. Während der Amsterdamer AEX-Index 5,9 Prozent auf 368 Punkte nachgab, verlor der Brüsseler BEL20-Index 3,2 Prozent auf 2263 Punkte. In Amsterdam im Mittelpunkt standen Royal Dutch und die Finanzwerte ING Group und ABN Amro. Die Titel litten unter Bilanzierungssorgen und gingen rund acht Prozent tiefer aus dem Handel. Ebenfalls im Minus notierten Philips. Unter Druck standen in Brüssel die Finanztitel Dexia , KBC Bancassurance und Fortis .

MAILAND - Die Börse Mailand notierte unter der Führung nachgebender Bankwerte deutlich schwächer. Der Mib30-Index büsste 4,3 Prozent auf 25.110 Punkte ein. Zu den Hauptverlierern zählten die Versicherer Alleanza uns Generali. Kursverluste mussten auch Telecom Italia hinnehmen.

MADRID - An der Madrider Börse fiel der Standardwerte-Index Ibex 35 um 4,5 Prozent auf 6421 Zähler. Bei einem volatilen Handel am Markt notierten die Titel des Schwergewichts Telefonica 4,6 Prozent im Minus. Unter den grössten Verlierern waren jedoch die beiden Grossbanken Santander Central Hispano und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria . Die Titel büssten über sechs Prozent ein. Repsol verloren 5,4 Prozent.

SKANDINAVIEN - Die skandinavischen Börsen litten unter Abgaben bei den Schwergewichten Nokia und Ericsson . Der Stoxx Nordic Index lag 2,9 Prozent im Minus bei 251 Punkten. Entgegen dem europäischen Trend legten Pharmacia-Titel um rund 17 Prozent zu. Händler verwiesen auf die Übernahme durch Pfizer . Ericsson schlossen nach einer Rückstufung durch Lehman Brothers 6,2 Prozent im Minus, Nokia gaben 5,3 Prozent nach.

WIEN - An der Wiener Börse lag der ATX-Index rund ein halbes Prozent im Minus bei 1211,5 Punkten. Gewinnmitnahmen bei MMK zogen die Papiere 4,7 Prozent ins Minus auf 67,15 Euro. Telekom Austria gaben rund ein Prozent nach.

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