Ständiger Angreifer und Wirbelwind
Ein Schwimmer unter Haien

NOK-Chef Klaus Steinbach agiert bei Olympia wie ein Spitzenmanager, dessen Unternehmen in der Krise steckt.

ATHEN. Es ist Hochsommer in Athen, doch der schlanke Mann mit der sportlichen Figur kommt daher wie ein Model in einem Mode-Magazin. Der cremefarbene Anzug sitzt perfekt, darunter leuchtet ein hellblaues Hemd, das Klaus Steinbach an diesem warmen Morgen einen Knopf weit offen trägt. Er hat noch immer fast schwarze, volle Haare, dazu einen dünnen Schnauzer, seine Haut ist gewöhnlich dunkel getönt, nur in diesem Moment wirkt sie irgendwie fahl, fast schon blass. Vielleicht liegt es an dem Auftritt, den er nun zu absolvieren hat. Vor sich ist ein Podium aufgebaut, auf das er nun klettern muss. Er weiß, dass jetzt wieder unangenehme Fragen auf ihn warten. Fragen zum verpatzten Start des deutschen Olympia-Teams, dem er als Chef de Mission vorsteht. Fragen über Fitness, Form und Fehler im deutschen Spitzensport - der ehemalige Weltklasseschwimmer kommt sich dann schon mal vor wie in einem "medialen Haifischbecken", in dem angriffslustige Journalisten auf jede Schwäche lauern.

Tatsächlich verweisen die Medien in diesen Tagen ständig in aller Breite darauf, dass die einst führende Sportnation der Welt, 1992 in Barcelona noch mit 82 Medaillen dekoriert, nach einem Drittel der Entscheidungen nur auf Platz sechs der Nationenwertung liegt - noch hinter einem Land wie der Ukraine.

Und so wird es die erwartete Verteidigungsrede, zu der der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) vor laufenden Kameras im Deutschen Haus ansetzt: "Ich möchte nicht in den Strudel der negativen Berichterstattung einstimmen", betont er gleich zu Beginn. Was soll er auch sonst sagen? Einen Abgesang auf die Spiele anstimmen, wo sie doch für Reiter und Ringer, für Kanuten und Leichtathleten noch gar nicht recht begonnen haben? Er weiß, dass ihn jedes Gold - egal ob Judo, Military oder laufende Scheibe - ein bisschen aus der Schusslinie bringt. Nach Wettkampftagen ohne Medaille wie am Mittwoch ist er deshalb "nicht bereit für eine Zwischenbilanz". Deutschland liege "nach 100 von 400 Metern zurück" - mehr nicht.

Klaus Steinbach agiert in Athen wie ein Manager, der an der Spitze eines kriselnden Unternehmens steckt. Er beschwichtigt, schaut lieber nach vorn als zurück. Behält dabei aber die Medaillenbilanz stets so genau im Auge wie Vorstände bei Dax-Unternehmen ihre Börsenkurse. Er weiß, er muss Ergebnisse liefern. Und ist dabei abhängig von seinem Personal. Also führt er Dauergespräche mit seinem Team, versucht ihm die Angst vor der nächsten Pleite zu nehmen und stellt sich vor seine Truppe, auch wenn Jan Ullrich, Franziska van Almsick & Co. mal wieder nicht geliefert haben. Steinbach als 24-Stunden-Brandlöscher: auf der Tribüne, im Olympischen Dorf, vor Fernsehkameras.

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