Stärke des Rands schwächt die Aktien der südafrikanischen Bergbauhäuser
Experten sehen Goldaktien als zu teuer an

Der starke Wertzuwachs des südafrikanischen Rand legen auch Gold-Aktien zu. Doch Experten mahnen bereits: Die Papiere sind so teuer wie nie zuvor.

KAPSTADT. Die Johannesburger Börse (JSE) steht und fällt derzeit mit der Entwicklung der südafrikanischen Randwährung. Hatte der dramatische Verfall des Rands den großen Exportfirmen vom Kap in den letzten Monaten Rekordgewinne beschert und der JSE zu einem Höhenflug verholfen, bewirkte seine plötzliche Erholung nun genau das Gegenteil: Durch sein starkes Anziehen gegenüber dem Dollar (10,60 R/$) und dem Euro (9,55 R/E) gerieten viele der so genannten Rand-Hedge-Titel zuletzt stark unter Druck - und mit ihnen die JSE.

Bei den Rand-Hedge-Aktien handelt es sich um Firmen, die einen Gutteil ihrer Einkünfte in harter Währung verdienen und somit von einem starken Dollar profitieren. Zu ihnen gehören vor allem die Berghäuser Anglo American und Billiton, die seit Jahresbeginn rund 8 % an Wert verloren haben. Darunter fallen aber auch die Papierfirma Sappi, die 75 % ihres Umsatzes im Ausland verdient und das Petrochemieunternehmen Sasol.

Angesichts der Rückschläge vieler Rand Hedges und des schwachen Abschneidens der Bankaktien verlor der JSE-Gesamtindex insgesamt an Boden. Weiter zulegen konnte dagegen der Goldindex, der vom Aufschwung des Edelmetalls auf zuletzt 308 $ pro Unze profitierte. Zu den größten Gewinnern zählte abermals Gold Fields, das den Erzrivalen Anglogold erstmals für kurze Zeit in puncto Börsenwert überflügeln konnte und laut Statistik seit zwei Monaten die erfolgreichste Aktien an der JSE ist. Gold Fields, mit 4,5 Mill. Unzen Südafrikas zweitgrößter Goldförderer, wird seine Zweitnotierung in den USA am 9. Mai vom Nasdaq an die New Yorker Börse verlegen und damit dort wohl noch mehr Anlegerinteresse finden. In den letzten vier Jahren hat das Unternehmen seinen Marktwert von 7 Mrd. auf 64 Mrd. Rand gesteigert und macht inzwischen 38,3 % des JSE-Goldindizes aus.

Mit 38,7 % bleibt Anglogold aber noch immer der am höchsten bewertete Titel am südafrikanischen Goldmarkt. Erst zu Wochenbeginn kletterte die Tochter des Bergbauhauses Anglo American mit 593 $ auf ein Allzeithoch. Im Gegensatz dazu verlor Harmony, die Nummer drei am Kap, zu Wochenbeginn nach der Ergebnisvorlage leicht an Boden. Verantwortlich waren vor allem Profitmitnahmen. Zuvor hatte das Unternehmen eine Verdoppelung seiner Profite im ersten Quartal 2002 von 308 Mill. Rand (IV/2001) auf 615 Mill. R gemeldet.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Denn seit Anfang Oktober ist der Goldindex nun bereits um 145 % gestiegen. "Goldaktien sind so teuer wie noch nie zuvor", mahnt SG Securities-Goldanalyst Nic Goodwin, der zum Verkauf rät.

Experten rechnen mit Konsolidierung des Bankensektors

Für Aufsehen sorgte am Kap im Unternehmenssektor das freundliche Übernahmeangebot der Bankengruppe Nedcor für die in Schwierigkeiten geratene Bank of Executors, die in der Bankenhierarchie am Kap bislang auf Platz sechs rangierte. Sollte die Offerte über 7,3 Mrd. Rand auch vom Finanzministerium und der Kartellbehörde genehmigt werden, würde Nedcor mit seiner Neuerwerbung zur größten Bank am Kap aufsteigen. Allgemein wird wegen der Schwierigkeiten verschiedener kleinerer Banken in den nächsten Monaten mit weiteren Übernahmen und einer Konsolidierung des Bankensektors gerechnet.

Die Aktien der South African Breweries tendierten zuletzt etwas schwächer. Verantwortlich war die Aussage des US-Konzerns Philip Morris, dass seine Gespräche mit den Südafrikanern über einen möglichen Verkauf seiner Braugruppe Miller Brewing an SAB keineswegs zu einem Erfolg führen müssten.

Nach den jüngsten Höhenflügen raten Experten wegen der ungewissen Entwicklung der Weltwirtschaft nun zur Vorsicht. Empfohlen werden am Kap neben der Baubranche und dem Immobilienbereich vor allem der Bankensektor.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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