Stärkerer Schutz der Meeressäuger gefordert
Japan erwägt Rückzug aus Walfang-Kommission

Nach dem Votum der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) für einen stärkeren Schutz der Meeressäuger erwägt Japan den Rückzug aus dem Gremium.

Reuters TOKIO/BERLIN. "Wir müssen sorgfältig alle Möglichkeiten prüfen - auch, ob wir künftig nicht mehr teilnehmen", sagte Takanori Nagatomo von der japanischen Fischereibehörde am Dienstag in Tokio. Eine Entscheidung werde aber erst nach der Rückkehr der japanischen Delegation aus Berlin getroffen, wo die Kommission bis Donnerstag tagt. Japans Regierungssprecher Yasuo Fukuda sagte in Tokio, der Berliner Beschluss richte sich gegen die Ziele der IWC. Die Kommission dürfe nicht nur den Schutz der Wale im Blick haben, sondern müsse auch den Walfang berücksichtigen.

Am Montagabend hatten sich die Delegierten der IWC in Berlin mit knapper Mehrheit für einen stärkeren Schutz der Meeressäuger ausgesprochen. Über das Verbot des kommerziellen Walfangs hinaus soll künftig auch die unbeabsichtigte Tötung bekämpft werden. Die Resolution sieht hierfür die Bildung eines eigenen Walschutz-Ausschusses vor. Experten zufolge verschiebt der Beschluss den Schwerpunkt der IWC von einer Walfang- hin zu einer Walschutz-Kommission.

Nach Angaben des World Wide Fund for nature (WWF) sterben jedes Jahr rund 300 000 Wale, weil sie sich als Beifang in Netzen verheddern, die für andere Fischarten ausgelegt waren. Da die Tiere keine Kiemen haben, sondern zum Luftholen an die Wasseroberfläche schwimmen müssen, ersticken sie in den Netzen. Der kommerzielle Fang macht mit etwa 1300 Tieren dagegen nur einen relativ kleinen Teil der jährlich getöteten Wale aus.

Seit 1986 gilt ein weltweites Moratorium für den kommerziellen Walfang. Norwegen ist rechtlich nicht an das Moratorium gebunden, weil es dem Beschluss widersprochen hat. Das Land hat in diesem Jahr eine Fangquote von rund 700 Walen festgesetzt. Auch japanische Fischer fangen einige hundert Wale im Jahr, was die Regierung mit wissenschaftlichen Zwecken begründet. In Japan ist Walfleisch eine teure Delikatesse. Island möchte den Walfang wieder aufnehmen. Sanktionieren kann die Kommission dies nicht.

Am Dienstag stand bei dem Berliner Treffen der IWF unter anderem eine Bestandanalyse der weltweiten Walvorkommen auf dem Programm. Zudem wurde darüber debattiert, die Schutzzonen für die Meeressäuger auszuweiten.

Neben Japan kritisieren auch norwegische Organisationen den Berliner Beschluss als einseitig. "Das bedeutet nicht Erhalt, es bedeutet ein Verbot des Walfangs", erklärte die Allianz des Hohen Nordens, eine norwegische Gruppe von Walfängern. "Die Aufgabe der IWC ist es, die Bestände zu managen, nicht jeglichen Walfang zu verbieten."

Umweltschutzverbände begrüßten das Votum dagegen als Erfolg. Agrarministerin Renate Künast (Grüne) erklärte, mit der Initiative erhalte der Walschutz einen deutlich höheren Stellenwert als bisher. Die Zukunft liege in der nachhaltigen Nutzung der Wale, vor allem für touristische Zwecke.

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