Stärkster prozentualer Anstieg seit Oktober 1987
Wall Street schließt nach Kursrally im Plus

Die US-Börsen haben im späten Geschäft zu einer Kursrally angesetzt und nach den massiven Verlusten der Vortage deutlich fester geschlossen. Der Dow-Jones-Index kletterte um rund 6,3 Prozent und verbuchte damit den stärksten prozentualen Anstieg seit Oktober 1987.

Reuters NEW YORK. Positiv wirkte sich nach Händlerangaben unter anderem aus, dass J.P. Morgan Vorwürfe über angeblich verschleierte Kredite zurückwies und damit die Investoren beruhigte. Der Standardwerte-Index Dow Jones stieg um 6,35 Prozent auf 8191,29 Punkte. Der Anstieg um rund 489 Zähler ist der zweitstärkste seit Bestehen des Index. Im frühen Geschäft hatte das Börsenbarometer noch zeitweise mehr als zwei Prozent eingebüßt. Der Nasdaq-Index gewann 4,96 Prozent auf 1290,01 Punkte, nachdem er zeitweise um mehr als vier Prozent eingebrochen war. Der S&P500 rückte um 5,73 Prozent auf 843,39 Punkte vor.

Händler sagten, nach dem erneuten Kursrutsch vom Vortag seien Schnäppchenjäger wieder auf der Suche nach günstigen Einstiegsmöglichkeiten gewesen. Analysten zeigten sich jedoch skeptisch, da die Investoren bisher steigende Kurse sofort wieder zu Verkäufen genutzt hätten. "Es kommen wieder viele Privatkunden. Die Anleger sehen Aktien zu Kursen, die sie viele Jahre nicht gesehen haben, und wollen es mal versuchen", sagte Kevin Cohen, Händler bei Wedbush Morgan. "Die Kursgewinne sind eine Erleichterung und noch nicht der Gegentrend, der bestätigt, dass der Boden erreicht war", fügte er hinzu.

Die Aktien von J.P. Morgan drehten deutlich ins Plus und gewannen zum Schluss 16 Prozent auf 23,30 Dollar, nachdem sie im frühen Geschäft den niedrigsten Stand seit Januar 1996 erreicht hatten. J.P.Morgan-Chairman und Chief Executive Officer William Harrison hatte in einer Telefonkonferenz erklärt, die Bank habe in allen Angelegenheiten mit dem im Dezember 2001 zusammengebrochenen Energiehändler Enron korrekt gehandelt. J.P. Morgan und die größte US-Bank Citigroup werden von einem Untersuchungsausschuss des Kongressses verdächtigt, Enron und zehn weiteren Unternehmen Kredite in Milliarden-Dollar-Höhe mittels angeblicher Rohstoff-Geschäfte bereitgestellt zu haben. Die ebenfalls im Dow-Jones vertretenen Citigroup-Titel stiegen um rund 9,5 Prozent auf 29,59 Dollar. Die Ratingagentur Standard & Poor's bestätigte ihre Bonitäts-Bewertungen für beide Banken. Sorgen um einen möglichen Liquiditätsengpass seien unbegründet, hieß es dazu.

Für die kräftige Erholung machten einige Analysten auch Spekulationen über ein außerordentliches Treffen der Fed verantwortlich. Gerüchte über ein solches Treffen und eine mögliche Zinssenkung als Reaktion auf die massiven Aktienkursverluste waren am Devisenterminmarkt aufgekommen und hatten sich von dort aus über alle Finanzmärkte ausgebreitet. Die Fed lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Bei den Standardwerten legten die Aktien des Energiekonzerns Exxon Mobil Corp rund 9,7 Prozent auf 33,93 Dollar zu, nachdem Banc of America Securities die Bewertung der Aktie angehoben und das Kursniveau als attraktiv bezeichnet hatte. Auch die Kursgewinne des Pharmakonzerns Merck beflügelten den Dow-Jones-Index. Die Aktie rückte um rund neun Prozent auf 42,60 Dollar vor. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, der Board habe ein Aktienrückkaufprogramm über zehn Milliarden Dollar genehmigt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,77 Milliarden Aktien den Besitzer. 2005 Werte legten zu, 1335 gaben nach und 120 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,41 Milliarden Aktien 2042 im Plus, 1485 im Minus und fünf unverändert. An den US-Kreditmärkten fielen die zehnjährigen Staatsanleihen um 14/32 auf 103-05/32. Sie rentierten mit 4,46 Prozent. Die 30-jährigen Bonds verloren 1-3/32 auf 100-11/32 und hatten eine Rendite von 5,35 Prozent.

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