Stagnierende Aktienmärkte in Europa und den USA lassen Anleger nach anderen Boomregionen suchen
Comeback der indischen High-Tech-Schmieden

Im Abwärtssog der Nasdaq-Wachstumswerte verloren auch die Software- und Internetwerte in Asien massiv an Wert. Insbesondere Indien hat jedoch gut ausgebildete und günstige Softwareentwickler. In der zehntgrößten Wirtschaftsnation der Welt entstehen die Arbeitsplätze, die in den USA verloren gehen.

DARMSTADT. Während die Experten noch streiten, ob die Entwicklung in den USA in eine Rezession mündet oder doch nur eine Konjunkturdelle bleibt, wenden sich immer mehr Anleger von den High-Tech- und Wachstumswerten ab. Seit Anfang des Jahres haben die Nasdaq-Unternehmen in der Summe über 500 Gewinnwarnungen abgegeben. Mit Schrecken beobachten Analysten, dass einstige Favoriten wie Cisco, Nokia und Lucent massenweise Personal freisetzen. Hält dieser Trend an, dürften auch die Amerikaner, die noch einen Job haben, den Gürtel enger schnallen. Für diese These spricht auch das noch immer im Abwärtstrend befindliche Verbrauchervertrauen.

Damit steigt mittelfristig die Gefahr, dass die Nachfrage der US-Privathaushalte doch noch zu einem spürbaren Nachfrageloch führt. Tritt dieses Szenario ein, dürften sich insbesondere die noch immer hoch bewerteten Wachstumsaktien weiter abwärts bewegen.



Europa präsentiert sich zwar fundamental stabiler, doch insbesondere die deutschen Aktienbarometer Dax und Nemax dümpeln kraftlos seitwärts, nachdem sie seit März letzten Jahres prozentual ohnehin schon stärker gefallen waren, als die Leitindizes der USA.



Auf der Suche nach Regionen, die ein langfristiges Wachstum versprechen, fallen neben Osteuropa auch die Region Asien ins Auge. Japan und die "kleinen Tiger" wie Korea, Singapur und Taiwan scheiden für langfristig orientierte Anleger aber noch aus: Zwar wurde die Immobilien- und Aktienblase, die schon zum Crash von 1998 führte, notdürftig beigebügelt, aber die Banken sitzen noch immer auf faulen Krediten in Multimilliardenhöhe, so dass Experten bereits auf den nächsten Knall warten. Nur China und Indien präsentieren sich unbelastet von gefährlichen Altlasten. Während die chinesischen Aktien, die von Ausländern erworben werden können, schon in exorbitante Höhen getrieben wurden, erreichte der indische Aktienindex im April ein neues Zweijahrestief.



Dabei sind die Wachstumsaussichten hervorragend: Die Investitionen in Schulen und Universitäten tragen insbesondere bei den Softwareentwicklern Früchte. Auch Mobilfunk und Internet verzeichnen hohe Wachstumsraten.



Charttechnisch zeichnet sich derzeit eine Trendwende ab: Noch befindet sich der Bombay-Sensitive-Index, der die 30 wichtigsten Aktien des Landes erfasst, im Abwärtstrend. Doch das Momentum, das den aktuellen Kurs in Relation zu dem vor 20 Tagen setzt, hat nach oben gedreht. Divergenzen zwischen der Entwicklung des Index und seines Momentum-Indikators, wie im Sommer 1998 und Anfang 2000, zeigen recht zuverlässig eine bevorstehende Trendwende an.



Solange der Index das wichtige Unterstützungsband zwischen 3 200 und 3 350 Punkten nicht unterschreitet, besteht mit dem Tiefpunkt im April bei 3 200 Punkten die gute Chance auf eine nachhaltige Trendwende in Form einer Doppel-Bottom-Formation. Das nächste Kursziel liegt bei knapp 4000 Punkten. Dort verläuft der im Februar letzten Jahres begonnene Abwärtstrend.



Lutz Mathes ist Mitarbeiter das Chartexperten Dr. Hans-Dieter Schulz, dem Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%