Stahlaktie aus der zweiten Reihe: Salzgitter scheint fast lächerlich niedrig bewertet
Bei Salzgitter ist noch Kurspotenzial in der Pipeline

Wissen Sie welches der drei folgenden Unternehmen seine Kapitalkosten verdient? Der Energieversorger Eon, der Autogigant Daimler-Chrysler oder der Stahlkocher Salzgitter?

FRANKFURT/M. Nur der letztgenannte Konzern schaffte es laut der Agentur Bloomberg, die Kosten für Kredite und Eigenkapital im vergangenen Geschäftsjahr hereinzuholen. Der Vergleich zwischen Kapitalkosten und-rendite gilt als zentrale Messlatte für den "Shareholder Value". Denn das Ergebnis zeigt, ob ein Konzern Werte schafft, die über die reine Entlohnung des Kapitals hinaus gehen.

Eon und Daimler gelang dies zuletzt nicht, wohl aber dem niedersächsischen Stahlhersteller - mit Firmensitz in Salzgitter. Trotzdem fristet die Salzgitter-Aktie im MDax für mittelgroße Werte ein Schattendasein. Obwohl es noch weitere positive Nachrichten über das Unternehmen gibt: Stahl zählt zu den wenigen Produkten, für das die Anbieter zuletzt Preiserhöhungen durchsetzen konnten. Und das wird sich in den Neun-Monats-Zahlen positiv niederschlagen, die Salzgitter am 25. November präsentiert. Genau wie die Tatsache, dass Konzernchef Wolfgang Leese den Umsatz in zehn Jahren mehr als verdoppeln will, und, dass Salzgitter mit dem französischen Partner Vallourec den Weltmarkt für Öl- und Gas-Pipelines dominiert. Diese Position eroberte der Konzern durch den Kauf der Mannesmann-Röhrenwerke, die der Mobilfunker Vodafone zum symbolischen Preis von einem Euro an Salzgitter abgab.

Kürzlich kauften Salzgitter und sein Partner Vallourec noch die Stahlrohrsparte des US-Anbieters North Star hinzu. Damit baute das Gemeinschaftsunternehmen seine Präsenz im US-Markt massiv aus.

Analysten der Deutschen Bank und der NordLB erwarten, dass Salzgitter das Jahresziel eines Vorsteuergewinns von 90 Mill. Euro übertreffen wird. Mehr als 45 Mill. Euro haben sie bereits im ersten Halbjahr verdient. Und die Stahlpreise sind seitdem gestiegen, während die Verluste im Röhrengeschäft überraschend glimpflich ausfielen.

Das Geschäft in Salzgitter läuft also gut. Aber wie steht es mit dem Aktienkurs? Der ist in den vergangenen Jahren gefallen. Die schlechte Kursentwicklung hat aber auch Vorteile: So ist die Bewertung der Salzgitter-Aktie fast lächerlich niedrig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der durchschnittlichen Gewinnprognose für 2002 liegt laut Bloomberg bei 5,5. Da ist so manche dubiose russische Ölfirma viel teurer. Hinzu kommt die hohe Dividendenrendite, die auf Basis der Ausschüttung in 2002 bei stolzen 6 % liegt. Für 2003 erwartet die Deutsche Bank mit 0,30 Euro etwas weniger Dividende, was aber noch einer Rendite von 4,3 % entspricht.

Warum ist die Aktie so unverschämt billig? Stahl zählt zur Ur-Old-Economy und ist an der Börse nicht gefragt. Zudem stehen Werte wie Vallourec und Salzgitter im Schatten der Giganten Arcelor, Corus und Thyssen Krupp. Dabei weist Salzgitter stabilere Ergebnisse aus, betont die NordLB, die an dem Konzern beteiligt ist.

Wer jetzt einsteigt, muss aber die Konjunkturrisiken im Blick behalten. Wenn die Weltwirtschaft in eine neue Rezession stürzen sollte, wird die Stahlnachfrage leiden. Hinzu kommen der geringe Handelsumsatz und der niedrige Streubesitz. Fast 50 % der Salzgitter-Aktien befinden sich in festen Händen, was sich erst mittelfristig ändern dürfte.

Zudem spricht ein eher anekdotisches Kaufargument für Salzgitter - Papiere: Vor Jahrzehnten bauten die Mannesmann-Röhrenwerke riesige Pipelinenetze für die Sowjetunion. Durch diese fließt noch heute Öl und Gas aus den Tiefen Asiens zu den westeuropäischen Abnehmern. Um die geplanten Produktionssteigerungen zu bewältigen, müssen die Russen massiv in neue Leitungen investieren. Davon werden Salzgitter und Vallourec profitieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%