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Stahlgewinne bleiben bei ThyssenKrupp wichtigstes Thema

vwd DÜSSELDORF. Bei der ThyssenKrupp AG bleibt die weltweite Stahlkonjunktur auch 2005 das bestimmende Thema. Eigentlich sollte dem Mischkonzern und seinen Aktionären deshalb ein völlig ungetrübter Jahreswechsel bevorstehen: Die Stahlküchen, die derzeit für weit mehr als die Hälfte des Konzernergebnisses stehen, arbeiten nämlich an der Kapazitätsgrenze. Die Gewinne sollten auch 2005 auf hohem Niveau sprudeln, denn ein Ende des Stahlbooms scheint nicht in Sicht. Trotzdem treten nicht nur ausgemachte Pessimisten auf die Euphoriebremse. Auch der Vorstand äußert sich in seinen Prognosen auffallend zurückhaltend.

Die Erwartungen sollen nicht überhitzt werden - vor allem, weil das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr das bislang beste in der gemeinsamen Geschichte von Thyssen und Krupp war. "Die Chancen sind derzeit größer als die Risiken", heißt das Konzernmotto deshalb lediglich. Insgesamt hat der Vorstandsvorsitzende Ekkehard D. Schulz für 2004/05 ein Umsatzwachstum auf gut 41 Mrd von 39,3 Mrd Euro angekündigt. Das letztjährige Rekordergebnis (vor Steuern) von 1,6 Mrd Euro soll in diesem Geschäftsjahr aber nur stabil bleiben. Erst mittelfristig sieht Schulz wieder die Chance, einen noch höheren Gewinn einzufahren.

Analysten sehen ThyssenKrupp-Papier differenziert

Die meisten Branchenkenner gehen nicht davon aus, dass ein Stahlabschwung ThyssenKrupp im nächsten Jahr treffen wird. Die Chancen und Risiken für die Aktionäre beurteilen die Analysten aber durchaus differenziert. Optimisten, wie Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), sprechen weiter von "goldenen Zeiten für die Stahlschmelzer" und verweisen darauf, dass selbst ein 25-prozentiger Fall der Stahlmärkte 2005 noch nicht das Ende des Zyklus bedeute. Hofmann sieht auch die Ertragssituation noch nicht ausreichend im Aktienkurs berücksichtigt und gibt ein Ziel von immerhin 20 Euro vor. Derzeit hat die Aktie aber Schwierigkeiten, 16 Euro zu erreichen.

Skeptiker wie Winfried Becker von Sal. Oppenheim haben das Rating der Titel im Anschluss an die jüngste Bilanzvorlage schon auf "Neutral" herabgestuft und sehen 16,90 Euro bereits als "fairen Wert" an. Das kommende Jahr werde noch einmal stark vom Stahlgeschäft dominiert, betont Becker. Auch wenn die Gewinne wohl auf dem derzeit hohen Niveau blieben: Der Zyklus im Stahlgeschäft sei bereits weit fortgeschritten. Pessimisten schließlich - wie Fabian Kania von Helaba Trust - haben die ThyssenKrupp-Aktie jetzt schon auf "Verkaufen" gesetzt. "Die Luft ist bereits etwas raus", sagt Kania. Die Nachfrage nach Stahl werde 2005 wohl wieder leicht abnehmen.

Und so scheiden sich an "ThyssenKrupp 2005" die Geister. Während die Wirtschaftsvereinigung Stahl wiederholt darauf verweist, dass Stahl auch im kommenden Jahr knapp und teuer bleibe, reagieren die Finanzmärkte momentan eher nervös, wenn wieder einmal angebliche Anzeichen für ein Ende der chinesischen Stahlnachfrage am Horizont erscheinen.

Fantasien auch aus dem Nicht-Stahlgeschäft

Fantasie für die Aktie bringt die erwartete weitere Konsolidierung der weltweiten Stahlbranche mit sich, an der sich ThyssenKrupp aktiv beteiligen will. Der Verkauf des restlichen Nicht-Kerngeschäfts könnte eine Übernahme im Stahlgeschäft auch finanziell wieder möglich machen. Am Mittwoch gab das Unternehmen den Abschluss eines der größeren Desinvestitionsprojekte bekannt: die Abgabe der Wohnimmobilien. Diese werden für 2,1 Mrd Euro an ein Erwerberkonsortium verkauft. Bislang gingen Beobachter nur von einem Erlös von rund 1,5 Mrd Euro und einem Verkauf im ersten Quartal 2005 aus.

Fantasien kommen aber auch aus dem Nicht-Stahlgeschäft: In welche Europäischen Dimensionen etwa die Werftenfusion noch hineinwächst, scheint derzeit kaum absehbar. Für den Zusammenschluss der deutschen Schiffs- und U-Boot-Bauer hat ThyssenKrupp in der vergangenen Woche bereits grünes Licht der EU-Kommission erhalten. Und bei einer Erweiterung der Gruppe auf Europäischer Ebene kann sich der Konzern-Vorsitzende Schulz mittlerweile auch eine Führungsrolle seines eigenen Unternehmens vorstellen.

Die Bedeutung des Aufzugsgeschäfts als zweitstärkste Ertragssäule im Konzern wird den Erwartungen zufolge auch 2005 stabil bleiben. Im Automotive-Geschäft setzt ThyssenKrupp im nächsten Jahr verstärkt auf Asien und Osteuropa. Notgedrungen: Denn im wichtigen US-Geschäft stehen eher dürre Zeiten bevor.

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