Stahlkonzern will attraktiver Arbeitgeber sein
Voestalpine sieht leichte Besserung

Die Voestalpine AG sieht sich operativ weiter im Aufwind. Für das Geschäftsjahr 2002/03 (zum 31. März) bestätigte der österreichische Stahlerzeugungs- und Verarbeitungskonzern am Mittwoch die Ergebnisprognose und deutete für das kommende Geschäftsjahr eine mögliche weitere Verbesserung des Betriebsergebnisses (Ebit) an.

Reuters WIEN. Gleichzeitig habe man ein Programm gestartet, das die Voestalpine als Arbeitgeber noch attraktiver machen soll, sagte Voestalpine-Vorstandsvorsitzender Franz Struzl am Mittwoch vor Journalisten. Das Programm Life soll dem erwarteten Mangel an Arbeitskräften entgegen wirken.

"Wir werden im laufenden Jahr einen Umsatz von 4,2 (3,35) Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis von über 200 (159,5) Millionen Euro erzielen", sagte Struzl. Für 2003/04 erwartet Struzl aus heutiger Sicht eine weitere leichte Steigerung des Ebit. "Wir wissen natürlich nicht, wie sich die Situation im Irak entwickeln wird, aber aus heutiger Sicht ist ein höheres Ebit machbar", sagte Struzl. "Das traue ich mich heute schon zu sagen".

An der Wiener Börse notierten Voestalpine Mittwochmittag bei 23,16 (23,91) Euro leichter. Seit Jahresanfang liegen die Aktien nahezu unverändert, während der ATX 0,98 Prozent im Plus liegt.

Ein Krieg im Irak hätte zweifellos negative, schwer abzuschätzende Folgen für den Stahlmarkt, da auch wesentliche Kundenbranchen der Voestalpine - etwa die Automobilindustrie - darunter leiden würden, sagte Struzl. Betroffen wäre die Voestalpine auch insofern, als man derzeit direkt in den Irak liefere. Die Ölfeldrohrerzeugung in Kindberg liefere fünf bis sechs Prozent ihrer Jahresproduktion in den Irak im Rahmen des UN-Programms "Oil for food". Dieses Geschäft wäre bei einem Irak-Krieg zweifellos direkt betroffen und würde erfahrungsgemäß nicht mehr so bald aufleben, sagte Struzl.

Neben der Unwägbarkeit eines Krieges laufe derzeit aber die Stahlkonjunktur ausgezeichnet. Die erwartete Preisverbesserung würde sich im Kalenderjahr 2003 niederschlagen, sagte Struzl. Bei Voestalpine sei zudem die Abhängigkeit vom Stahlzyklus weiter verringert und der Stahlanteil am Konzernumsatz auf rund 48 Prozent reduziert worden. Die drei Verarbeitungsdivisionen - motion, Bahnsysteme und Profile - entwickelten sich sehr gut und nahezu unabhängig vom Stahlzyklus, sagte Struzl.

Voestalpine will sich in den nächsten Jahren zunehmend von der Stahlkonjunktur lösen und hat massiv in die Verarbeitung, der Vertiefung der Wertschöpfung, investiert. Neben der Division Bahnsysteme - Schienen und Weichen - soll vor allem die Division motion wachsen. motion will sich als führender Zulieferer der Automobilindustrie etablieren und künftig ganze Karosserieteile liefern. Voestalpine werden am 14. Februar die Zahlen zum dritten Quartal 2002/03 bekannt geben.

Startschuss für Life-Programm

Die Voestalpine hat zudem den Startschuss für Life - ein Programm um das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiver zu machen - gegeben. Aus der demographischen Entwicklung - der Geburtenknick - sei zu erwarten, dass von 2006 an qualifizierte Arbeitnehmer ein knappes Gut in Österreich werden.

Dementsprechend wolle man heute schon Maßnahmen setzen, die darauf abzielten, die Mitarbeiter länger im Unternehmen zu halten und dieses gleichzeitig für junge Menschen interessant zu machen, sagte Personalchef Heinz Rittenschober.

Struzl sagte, dass Voestalpine bis 2010 rund 1000 neue Arbeitskräfte in Linz brauchen werde, um die geplante Expansion zu ermöglichen. Life ziele aber vor allem auf rund ein Drittel der knapp 13.000 österreichischen Voestalpine-Mitarbeiter, die heute über 50 Jahre sind, und in den nächsten Jahren zur Pensionierung anstehen. Speziell dieser Gruppe sollen Anreize geboten werden, nicht frühzeitig in den Ruhestand zu treten. Dazu gehörten Maßnahmen zur Weiterbildung, der Gesundheitsvorsorge und auch die Öffnung von Karrierechancen für ältere Arbeitnehmer. Das Durchschnittsalter beim Pensionsantritt - derzeit bei rund 58 Jahren - soll damit angehoben werden.

Life ziele neben dem älteren Personal auch auf die Förderung der Jugend und den akademischen Nachwuchs ab. Voestalpine wolle die Lehrlingsausbildung intensivieren und arbeite eng mit den Universitäten zusammen, sagte Struzl. Mit der Hebung des Pensionsantrittsalters für ältere Menschen und der Hebung der Attraktivität für junge Dienstnehmer will Rittenschober den erwarteten Personalmangel abfangen. Life sei auf einen Zeitraum von zehn Jahren ausgelegt und die Kosten dafür mit jährlich rund 400 000 Euro projektiert.

Life ist aber für Struzl nicht nur ein Instrument, um die Motivation der Mitarbeiter zu heben, sondern soll indirekt auch die Produktivität erhöhen. "Weil die Erhöhung der Produktivität ist ein Thema, das uns begleiten wird", sagte Struzl.

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