Standard & Poor’s: Firmen müssen Deckungsücken auffüllen
Börsenkrise reißt Lücken in US-Pensionsfonds

Das Debakel auf dem Aktienmarkt kommt manche US-Unternehmen womöglich teuer zu stehen. Um die gegenüber ihren Mitarbeitern gegebenen Rentenversprechen einzuhalten, müssen einzelne Firmen hohe Beträge in ihre von der Baisse getroffenen Pensionsfonds nachschießen.

FRANKFURT/M. US-Unternehmen müssen wohl in Zukunft mehr Geld für Betriebsrenten zurücklegen. Einigen Weltkonzernen drohten sogar "kurzfristig substanzielle" Nachschüsse, um Deckungslücken ihrer Pensionsfonds zu beseitigen, warnt Scott Sprinzen, Analyst der Ratingagentur Standard&Poor?s (S&P). "Der Kurssturz am Aktienmarkt schlägt auf die US-Pensionsfonds durch", stellt Sprinzen als Ergebnis einer Befragung unter 624 US-Firmen heraus. Denn das amerikanische System der betrieblichen Altersvorsorge basiert bei Firmen wie auch öffentlichen Arbeitgeber überwiegend auf Aktienanlagen.

Die Pensionsverpflichtungen der untersuchten US-Unternehmen waren laut S&P Ende Juni nur noch zu 94% durch ihre Pensionsfonds gedeckt. Anfang des Jahres lag die Deckung bei 100%. "Wegen des starken Kursrückgangs seit Ende Juli dürfte die Lücke noch weiter gestiegen sein", sagt Sprinzen weiter. Dabei sind die Firmen sehr unterschiedlich betroffen. Die zehn US-Konzerne mit den größten Deckungslücken tragen fast die Hälfte des gesamten Fehlbetrages aller 624 untersuchten Firmen. So weisen die zehn Unternehmen mit den größten Fehlbeträgen - darunter der weltgrößte Autohersteller General Motors und der weltgrößte Ölkonzern Exxon Mobil - eine aktuelle Unterdeckung von zusammen 37,5 Mrd.$ auf.

Zum Vergleich: Allen untersuchten Firmen zusammen fehlen 65,4 Mrd.$. S&P-Analyst Sprinzen geht davon aus, dass manche Firmen ihre Pensionsfonds rasch auffüllen müssen, um staatliche Richtlinien oder Auflagen der Pensionssicherungs- Einrichtung (Pension Benefit Guaranty Corp.) zu erfüllen. Auch dürfte bei manchen Firmen das Eigenkapital "signifikant" betroffen sein, vermutet Sprinzen. Das könnte weiteres Unbill auf Grund der in den USA üblichen Schutzklauseln für Kreditgeber nach sich ziehen. Solche Klauseln sehen zum Beispiel vor, dass Kreditgeber die sofortige Rückzahlung ihrer Gelder verlangen dürfen, wenn die Eigenkapitalquote unter einen bestimmten Wert fällt. "Solche Klauseln könnten gerade zu einem Zeitpunkt verletzt werden, zu dem neue Finanzmittel nur schwer zu beschaffen sind", warnt Sprinzen.

Trotzdem erwartet S&P auch nach der Befragung vorerst keine Herabstufung der Kreditwürdigkeit (Ratings) einzelner Unternehmen. "Aber wegen der anhaltenden Schwäche der Finanzmärkte werden wir verstärkt auf die Risiken achten, die mit festen Pensionszusagen verbunden sind", kündigt die Ratingagentur an.

"Deckungslücken negativ für die Kreditbewertung"

Die Dresdner Bank sieht die Fehlbeträge wohl ernster: "Deckungslücken bei Pensionsplänen sind negativ für die Kreditbewertung, auch wenn es sich dabei um ein langfristiges Problem handelt", heißt es in einer aktuellen Studie. Den betroffenen Unternehmen hilft womöglich, dass zwischenzeitlich auftretende Deckungslücken gemäß den US-Richtlinien nicht auf einen Schlag, sondern über viele Jahre verteilt geschlossen werden müssen.

Um höhere Beiträge für ihre Betriebsrenten kommen die US-Konzerne dennoch kaum herum. Schließlich hat der Kurssturz der vergangenen Jahre die langfristigen Renditeerwartungen der Unternehmen in Frage stellt. Je höher die erwartete Rendite, desto weniger Gelder müssen die Firmen für ihre Pensionsfonds abführen. Die Experten der Dresdner halten Renditeerwartungen von 9,5 bis 10%, wie sie etwa Dow Chemical und General Motors zu Grunde legen, für "sehr optimistisch".

Die betriebliche Altersversorgung in Deutschland ist von der Börsenkrise weniger betroffen, weil Pensionsfonds nach US-Vorbild hier zu Lande noch selten sind. Nur ein kleiner Teil der für Betriebsrenten vorgesehenen Mittel ist in Aktien investiert. Zu den Ausnahmen zählen der Autokonzern Daimler Chrysler - und der Elektroriese Siemens, deren Pensionsvermögen jeweils erhebliche Deckungslücken aufweisen.

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