Standard & Poor’s führt Großbritannien erstmals in ihrer Liste von Banksystemen, die unter Druck geraten könnten
S&P warnt vor Immobilienblase

Banken in Großbritannien und den USA könnten in Gefahr geraten, wenn der überhitzte Immobilienmarkt abkühlt. Deutsche und japanische Banken stehen weiter auf der Stressliste der Ratingagentur.

fs/nw LONDON/FRANKFURT. Die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) reagiert auf den überhitzten britischen Immobilienmarkt: Am Dienstag stand Großbritannien erstmals auf der von ihr jährlich veröffentlichten Liste der Länder, deren Bankensysteme unter Druck geraten könnten. Als Grund nennt S&P, das die Immobilienpreis-Blase platzen könnte, was zu Einnahmeverlusten und steigenden Kreditausfällen führen würde. Generell sehen die Finanzanalysten rückläufige Vermögenswerte vor allem bei Wohnimmobilien als Problem für Banken in reifen Volkswirtschaften. Die Hauspreis-Blase sowie die hohe und weiter steigende Verschuldung privater Haushalten und Unternehmen seien signifikante und miteinander verknüpfte Risiken für die Banken in reifen Märkten.

Der Report führt insgesamt sieben Länder auf, die in Stress geraten könnten: neben Großbritannien die Niederlande, Irland, die USA, Portugal, Panama und Spanien. Wie schon im Vorjahr zählen die S&P-Analysten auch Deutschland zu den Ländern, die bereits in einer Stresslage sind (HB 4.12.2002). Daneben stehen Brasilien, China, Ägypten, Libanon, Japan, Polen, Taiwan und die Türkei auf dieser Liste.

In Deutschland würde die Ertragslage auch im kommenden Jahr enttäuschend sein. Die Finanzhäuser leiden nach Einschätzung von S&P unter der hohen Fragmentierung des Bankenmarktes und der Konjunkturschwäche. In Japan werde der Stress im Bankensystem eher noch steigen, bevor es eine Verbesserung gäbe. Die Banken litten unter hohen Problemkrediten und verfügten nur über einen eingeschränkten Zugang zum Kapitalmarkt.

In Großbritannien erreicht nach Ansicht von S&P die Schuldenlast der Kunden britischer Hypothekenbanken ein "unangenehm hohes Niveau, vor allem im Umkreis von London." Auch unter Briten mehren sich die warnenden Stimmen. So sagte Marian Bell, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England, dass "die Furcht vor einer starken Korrektur steigt." Auch Gus O'Donnell, enger Berater von Schatzkanzler Gordon Brown, nannte den Hauspreis-Boom kürzlich "nicht dauerhaft". Zwar geht kaum ein Beobachter davon aus, dass die Zinsen in naher Zukunft stark steigen werden. Aber die niedrige Inflation hält den tatsächlichen Wert von Schulden über lange Zeit stabil. Anderen machen Jobverluste Angst. "Arbeitslosigkeit ist meiner Ansicht nach als Krisenauslöser noch wahrscheinlicherer als steigende Zinsen", sagt John Butler von HSBC. Er rechnet damit, dass im Jahr 2004 die Verbraucher ihre Ausgaben "aggressiv" zurückfahren werden.

Nach Angaben der Bank von England stehen die Verbraucher im Königreich bei den Banken mit mehr als 810 Mrd. £ (knapp 1,3 Bill. Euro) in der Kreide. Der Zuwachs bei Neukrediten lag in den vergangenen drei Monaten bei fast 14 %.

In den USA könnten Banken durch eine Hypothekenpreis-Blase in einigen Regionen und möglichen Problemen im Kreditkartengeschäft unter Druck kommen, schreibt S&P.

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