Standesgemäßer Saisonausklang
Schumi war einfach nicht zu bremsen

Standesgemäß hat sich Michael Schumacher in den Urlaub verabschiedet und in Suzuka mit seinem 11. Saisonsieg im 17. und letzten Grand Prix des Jahres neue Maßstäbe in der Formel gesetzt.

HB/dpa SUZUKA. "Es wird schwer sein, so etwas jemals zu wiederholen", stellte er nach seinem Start-Ziel-Sieg vor 118 000 Zuschauern beim Großen Preis von Japan vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello und Kimi Räikkönen im Silberpfeil fest. "Es war eine unvergessliche Saison", freute sich Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. "Die Scuderia hat einen guten Job gemacht."

Am Ende eines an Rekorden reichen Jahres strahlte auch Schumacher: "Diesen Moment werden wir genießen und so richtig feiern." Durch den 9. Doppel-Sieg der Saison und den 15. der gemeinsamen Partnerschaft kürten sich der Kerpener und der Brasilianer zum erfolgreichsten Fahrer-Duo aller Zeiten. "Darauf können wir stolz sein", fand sein treuer Helfer und nahm "Schumi" in den Arm. Vergessen war die Stallorder-Affäre von Österreich. Teamchef Jean Todt jubelte: "Traumfinale einer Traumsaison."

Von Melbourne bis Suzuka stand Schumacher in jedem Rennen auf dem Podest - das hat noch keiner geschafft. "Einfach fantastisch", sagte er. In Magny-Cours krönte sich der 33-Jährige am 21. Juli zum schnellsten Weltmeister aller Zeiten, holte seinen fünften WM-Titel und stellte damit den Rekord von Juan Manuel Fangio ein. Keiner hat mehr gewonnen (64), keiner hat mehr Punkte (945) gesammelt, keiner fuhr so oft an der Spitze des Feldes (18 089 Kilometer). "Rekorde", sagte Schumacher in Suzuka wieder einmal "sind aber nicht meine Motivation. Es ist der Spaß am Motorsport. Ich bin hungrig nach mehr."

Mit Schrecken wird die Konkurrenz diese Worte vernommen haben. Denn schon in diesem Jahr räumte Ferrari alles ab. Die Scuderia stellte mit "Schuello" den Welt- und Vize-Weltmeister, holte in Budapest am 18. August frühzeitig den Konstrukteurstitel und sammelte mit 221 Punkten genauso viele Zähler wie die gesamte Konkurrenz. Auch das gab es noch nie. Der Rest des Feldes kämpfte um den Titel "Best of the Rest".

In seinem 100. Grand Prix blieb Ralf Schumacher nach einem starken Rennen auf Rang drei in der 49. der 53 Runden liegen - genau wie David Coulthard, der im McLaren-Mercedes aber noch in die Box rollen konnte. "Das Ziel war zum Greifen nah", ärgerte sich "Schumi" II. Trotz allem war der Williams-BMW der Formel-1-Renner mit der größten Standfestigkeit; bei Ferrari war Barrichello zu oft ausgefallen. "Bronze" in der Fahrerwertung ging mit 50 Punkten an Juan Pablo Montoya, der Vierter wurde. Sein Teamkollege Ralf Schumacher hatte am Ende 42 Zähler auf seinem Punkte-Konto. Barrichello holte 77 Punkte. Doch Weltmeister Schumacher, der mit der 50. Pole der Karriere in das Rennen gestartet war, schwebte mit 144 Zählern über allen.

Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld beendete nach Rang sieben in seinem 50. Formel-1-Rennen die WM-Saison mit sieben Punkten als Zehnter. Sein neuer Partner Heinz-Harald Frentzen, der beim Japan- Grand-Prix nicht am Start war, landete mit zwei Punkten auf Rang 17, die er mit dem vor der Pleite stehenden Arrows-Rennstall gewonnen hatte. Auch Minardi ist von der Finanzkrise bedroht.

Die Formel 1 scheint schweren Zweiten entgegen zu fahren. Die TV- Einschaltquoten sinken, Sponsoren springen ab. "Wir müssen für mehr Spektakel sorgen und die Kosten senken", sagte FIA-Präsident Max Mosley und warb am Wochenende für den umstrittenen "Neun-Punkte- Reform-Plan" des Weltverbandes. Willi Weber, der Manager der Schumacher-Brüder hat ähnliche Erkenntnisse: Obwohl nach Frankreich 200 000 der roten Sieger-Mützen wie warme Semmeln verkauft wurden, sind die Boom-Zeiten im Fanartikel-Verkauf vorbei: "Ich muss klar sagen. Das Geschäft ist rückläufig."

Seinen letzten Grand Prix durfte der Schotte Allan McNish im Toyota auf Anordnung von Sid Watkins nach dem Unfall in der Qualifikation nicht fahren. Der Formel-1-Arzt hatte am letzten Saisonwochenende alle Hände voll zu tun. Nach einem Horror-Crash in der japanischen Formel Dream musste Nachwuchspilot Hirokazu Nagaya mit dem Hubschrauber ins Suzuka Central Hospital geflogen werden. Er überlebte, brach sich aber den sechsten Halswirbel.

Trotzdem hatten die Japaner am Ende noch Grund zur Freude: Takumo Sato im Jordan-Honda holte beim Heim-Grand-Prix seine ersten beiden WM-Punkte. "Das ist das schönste Gefühl in meinem Leben", sagte er. Jordan nahm durch den Überraschungserfolg dem höher eingeschätzten Jaguar-Team Platz sechs in der Konstrukteurswertung ab. Sauber wurde Fünfter.

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